"Kläglich versagt" bei der Klimakrise: Hannes Jaenicke macht CSU-Mann in TV-Talk schwere Vorwürfe
"Hier sitzen drei Player am Tisch, die in den letzten Jahrzehnten einfach kläglich versagt haben." Hannes Jaenicke ist Schauspieler ("Der Amsterdam-Krimi"), Umweltaktivist und ein Mann deutlicher Worte. In der "Münchner Runde" im BR-Fernsehen ging er beim Thema "Hitze, Dürre, Brände - Was tun gegen die Klima-Krise?" seine Gegenüber auch direkt an. Im Visier hatte er vor allem CSU-Politiker Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament, und Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern.
Wer der dritte "Player" ist, der versagte? Klimaaktivistin Luisa Neubauer (Fridays for Future)? Oder Katja Horneffer, ZDF-Wettermoderatorin und Meteorologin? Oder Moderator Christian Nitsche als Medienvertreter? Jaenicke kritisierte: "Es wundert mich, dass Ende Juni eine derartige Hitzewelle passieren kann und in Berlin wird dröhnend dazu geschwiegen." Und: "In den Medien kam das Wort Klimakrise Ende Juni kein Mal vor."
Oder meinte er sich selbst als Vertreter der "deutschen Verbraucher"? Denn die hätten in Sachen Klimaschutz auch versagt. "Es gibt über eine Million Wohnmobile, drei Millionen Deutsche buchen Kreuzfahrten, der Fleischverbrauch steigt wieder, es wird nur noch SUVs gefahren und mehr geflogen denn je." Sein Fazit: "Es ist völlig irre, wie wir reagieren." Das gelte natürlich auch für die Politik und Industrie.
"Wir haben eine Welt geschaffen, die für uns zur Lebensgefahr geworden ist"
Während Meteorologin Horneffer schon düster prognostizierte, dass es möglich sei, dass "jedes Jahr Tausende Hitzetote" durchaus "das neue Normal" werden könnten, riet Neubauer, mit dieser Formulierung vorsichtig zu sein. Denn der aktuelle Sommer werde "in diesem Jahrhundert noch einer der kühleren" sein.
Man müsse den Menschen dringend klarmachen: "Das ist nicht das Ende der Geschichte. Es geht gerade erst los mit neuen Hitze-Extremen. An eine zwei oder drei Grad wärmere Welt werden wir uns nicht einfach anpassen." Ihre Mahnung: "Wir haben eine Welt geschaffen, die für uns zur Lebensgefahr geworden ist."
Natürlich kritisierten Neubauer und Jaenicke, beides Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen, vor allem Weber und Gößl. Neubauer meinte, es schmerze sehr, dass die Regierung unter Friedrich Merz "seit einem Jahr nichts auf die Kette" bekomme und aus ihrer Sicht mit ihren Maßnahmen nicht nur den Klimaschutz "auf niedrigem Niveau" stagnieren lasse, sondern ihn durch aktuelle Maßnahmen "runterfahre".
Als Beispiele nannte sie die zumindest teilweise Rücknahme von Subventionen bei Wärmepumpen oder privaten Solaranlagen, aber auch die Abschaffung des 29-Euro-Tickets. Es sei ein "Drama", dass die Bundesregierung "an allen Ecken und Enden falsch" ansetze.
Weber: Beim Verbot werden die "Menschen Verbrenner kaufen wie Hölle"
In der gemeinsamen Zielsetzung, das Klima besser zu schützen, zeigten sich Weber und Gößl durchaus als Weggefährten. Nur wie das Ziel zu erreichen sei, darüber, so Weber, gebe es "Dissenz". Weber sprach sich erneut gegen ein striktes Verbrenner-Verbot ab 2035 aus. Aber nicht wegen des Festhaltens an der Technologie. "Wenn wir definieren, dass wir ab 35 keine Verbrenner mehr verkaufen können, werden die Menschen 32 oder 33 wie die Hölle Verbrenner kaufen und dann so lange fahren wie möglich." Er sei gegen Verbote. "Wir müssen die Menschen überzeugen, mitnehmen."
Er plädierte für mehr Balance und weniger Ideologie. "Wir müssen zeigen, dass es gelingt, Klimaschutz mit der Erhaltung des wirtschaftlichen Wohlstands und sozialen Fragen zusammenzubringen. Ich will den Weg gehen - aber er muss auch ökonomisch funktionieren."
Dass Klimaschutz nicht zulasten der funktionierenden Wirtschaft gehen dürfe, meinte auch Gössl. "Wenn wir nicht im Gleichklang gehen, dass Wohlstand und Arbeitsplätze bleiben, dann werden wir verlieren, dann wird auch das Thema Klimaschutz unter die Räder kommen."
"Da ist jahrelang geschlafen worden"
Luisa Neubauer versuchte klarzustellen, dass es nicht der Klimaschutz sei, dem sich alles unterordnen müsse. Sondern die faktisch existierende Klimakrise. Angesichts dieser - und der sicheren Verschlimmerung der Situation - sei "jede Investition in den Klimaschutz günstiger, als nichts zu tun und die Klimafolgen kommen zu lassen".
Bezüglich der Schieflage in Teilen der deutschen Industrie verwies Jaenicke auf das "Musterbeispiel deutsche Autoindustrie" und kritisierte dauerhaftes Fehlverhalten. "Da ist jahrelang geschlafen worden. Jetzt werden zu Tausenden Leute gefeuert und die Zahlen der chinesischen Autobauer gehen rasant nach oben." Die Deutschen würden nun "abgehängt" werden, monierte Jaenicke, weil man "lieber am Diesel herummanipuliert" habe, "anstatt in die Zukunft zu gehen".
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