Keine Einladung zum Filser-Treffen: Edmund, der Geächtete

Skandal: Beim Filser-Treffen, dem besten Faschingsball der Stadt, wird Stoiber nicht dabei sein – das Ehrenmitglied ist nicht mehr erwünscht.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Edmund Stoiber
dpa Edmund Stoiber

Skandal: Beim Filser-Treffen, dem besten Faschingsball der Stadt, wird Stoiber nicht dabei sein – das Ehrenmitglied ist nicht mehr erwünscht.

Eigentlich sind sie so schwarz, dass sie nachts noch Schatten werfen. Streng konservativ ist das Weltbild der Filserbuam, eines geheimnisumwitterten Männerbundes, in dem sich die Münchner Großkopferten zusammengetan haben. Nach seinem Sturz hatte Edmund Stoiber alles daran gesetzt, dass sie ihn 2009 zu ihrem Ehrenmitglied machten. Doch inzwischen zählt der Ex-Ministerpräsident auch bei der Bruderschaft, deren Lebensziel Erfolg heißt, zu den Geächteten. Bei ihrem Treffen am Freitag, dem begehrtesten Faschingsball Münchens im Löwenbräukeller, wollen sie Stoiber nicht mehr dabei haben. Die Traditionalisten schickten ihm eiskalt keine Einladung zu dem rauschenden Fest, bei dem der Satz Realität ist: „In ist, wer drin ist.“

Schon 2009 hatte es hinter den Kulissen heftig gekracht, als der damalige Filser-Präsident und Wiesn-Wirt Edi Reinbold den Alt-Ministerpräsidenten im Alleingang mit dem Ehrenhut samt echtem Adlerflaum zum Filser adelte und jubilierte: „Stoiber ist unser Wunschkandidat.“ Der Wunschkandidat wiederum frohlockte: „Für einen Menschen, der mit Bayern so verwurzelt ist wie ich, ist die Aufnahme in den erlauchten Kreis der Filser was ganz Großes.“ Zu dem erlauchten Kreis gehören nämlich auch Seine königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern, der erzkonservative Schlossbesitzer August Baron von Fink, der ihm wohlgesinnte Parteien mit üppigen Spenden unterstützt. Nicht nur, wenn es um Hotels geht. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl trägt den Ehrenfilserhut ebenso wie Ex-Bundesfinanzminister und CSU-Chef Theo Waigel oder Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos.

Im letzten Jahr hat auch bei den Filsern ein Machtwechsel stattgefunden. Am Ruder ist nun wieder Adi Frieser, der dem Traditionsverein vor Edi Reinbold schon 20 Jahre lang vorsaß. Er ist ein enger Spezl von Michael Glos - und mag Stoiber nicht. Das verbindet.

Glos schiebt die Schuld an seinem politischen Untergang Stoiber und Horst Seehofer zu. Weil Stoiber damals die Flucht aus Berlin antrat, musste er seinen geliebten Job als Landesgruppenchef aufgeben und für Stoiber als Wirtschaftsminister einspringen. Als ihn Seehofer dann auch noch triezte, warf Glos vor einem Jahr als Wirtschaftsminister hin. Das sitzt tief.

Als er von einem Freund zum Filmball in München eingeladen wurde, lehnte Glos dankend ab. Mit Stoiber und Seehofer wollte er nicht aufs Tanzparkett. Das tue er sich nicht an, teilte er mit. Beim Filser-Ball wird Glos auch nicht dabei sein. Wegen eines Auslandsbesuchs sagte er ab.

Stoiber griff erstmal zum Telefon und beschwerte sich bei Filser-Schatzmeister Günther Kreuzer, dass er keine Einladung bekommen habe. Wenigstens haben es seine Kinder noch geschafft, ein paar Karten zu ergattern. Auch wenn sie heuer nicht mehr im Parkett, bei den ganz Wichtigen sitzen dürfen, sondern oben am Balkon Platz nehmen müssen. Im vergangenen Jahr war Stoiber gleich mit einem ganzen Hofstaat im Schlepptau aufmarschiert.

Dabei hat der Filser-Ball politisch große Konkurrenz. Zur gleichen Zeit findet in Veitshöchheim die „Fastnacht in Franken“ statt. Die ist inzwischen der Quotenrenner im Bayerischen Fernsehen. Die Promi-Liste führt Horst Seehofer an. Alle Hebel in Bewegung hat Familienministerin Christine Haderthauer gesetzt, um auch heuer wieder als Oberbayerin in Franken dabei zu sein. Die Fastnacht ist sonst die Domäne der fränkischen Ministerriege von Innenminister Joachim Herrmann bis Umweltminister Markus Söder. Auch dort wurde Stoiber schon aussortiert.

Inzwischen hat der geächtete Ehrenfilser aber einen anderen Termin aufgetan, wo er sich noch wichtiger fühlen kann. Sein Sprecher Rainer Haselbeck teilte nach längerer Recherche mit, was Stoiber an diesem Freitag vor habe: „Herr Stoiber ist in den international besetzten zehnköpfigen Beirat der Sicherheitskonferenz berufen worden, in dem auch Linde-Chef Wolfgang Reitzle vertreten ist. In dieser Funktion nimmt er auch an der Sicherheitskonferenz teil und führt am Freitag Gespräche.“

Als Ehrenfilser hatte Edmund Stoiber sich damals mit den Worten des von Ludwig Thoma erfundenen legendären bayerischen Landtagsabgeordneten Josef Filser bedankt: „Drum bin ich froh, dass ich jetzt keine Rede nicht halten brauch, sondern das Maul.“

Angela Böhm

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren