Jüdische Kulturtage feiern VIP-Auftakt: Viel Prominenz, große Gefühle und eine klare Botschaft

Zum 40. Mal öffnen sich die Jüdischen Kulturtage München – und die Auftaktgala im Cuvilliéstheater ist wieder ein Ereignis, bei dem sich Kultur, Prominenz und ein drängendes politisches Thema treffen. Zwischen Mozart, Kishon und Leonard Cohen wird klar: Es geht um mehr als eine Gala.
von  Adrian Prechtel
Die Jüdischen Kulturtage haben in München Auftakt mit vielen VIP-Gästen gefeiert.
Die Jüdischen Kulturtage haben in München Auftakt mit vielen VIP-Gästen gefeiert. © BrauerPhotos

Als das Münchner Rundfunkorchester – für die Gala geschickt von BR-Intendantin Katja Wildermuth – mit Mozarts "Kleine Nachtmusik" beginnt, muss man ein bisschen an den Wiener Musikkabarettisten und Dichter Georg Kreisler denken. Der hat aus diesem allzu populären Klassik-Schlager ein ironisches Stück über Galagäste und deren Benehmen gemacht. Denn der Auftakt der "Jüdischen Kulturtage München" ist immer auch ein riesiges Sehen und Gesehen werden.

Wittelsbacher und viele weitere Promis zu Gast

Die 40. Ausgabe hat das Motto "Gemeinsam im Klang der Kultur", und da sitzt dann im Cuvilliéstheater auch das Haus Wittelsbach in der Proszeniumsloge (Franz mit Mann sowie Prinz Ludwig mit Familie), Regine Sixt ist in der ersten Reihe. Konsularisch sind Ungarn, Italien, die USA und natürlich Israel vertreten. Katja Ebstein ist da, Uschi Dämmrich von Luttitz sowie die Schauspieler Rufus Beck, Axel Milberg, Götz Otto und Monika Peitsch.

Humor ist zentraler Bestandteil jüdischer Kultur

Dazu passt, dass auf der Bühne traditionell auch ein literarischer Teil nicht fehlen darf, den Sunny Melles bestreitet. Und bei ihr wird jede Lesung so plastisch, dass es das Publikum packt – wie bei einem Text von Stefan Zweig, dessen Figur einen Hund dabei hat. Melles kann lesen und gleichzeitig mit wenigen Handbewegungen den Hund so plastisch machen, dass man ihn meint auf der Bühne zu sehen. Zwei Kishon-Kurzgeschichten folgen, was natürlich Heiterkeit erzeugte. Immer wieder wurde – zu Recht – auf der Bühne betont, dass Humor und die Feier des Lebens zentrale Bestandteile jüdischer Kultur seien.

Bei einem Großereignis mit 40-jähriger Tradition gibt es oft ein Missverhältnis zwischen Kulturprogramm und Grußworten. Hier kamen gleich fünf Personen zu Wort: nach der Gastgeberin Judith Epstein auch Georg Eisenreich – mittlerweile als einfacher Landtagsabgeordneter, Oberbürgermeister Dominik Krause und Yehoshua Chmiel, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde, die alle Wahres, aber zu Ähnliches sagten: dass der Antisemitismus erschreckend zunehme, dass die Gesellschaft sich dem entgegenstellen müsse und jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger das Recht auf Sicherheit und Freiheit in Deutschland haben müssen.

Julia Klöckner: "Es geht um die Liebe zum Leben"

Einzig in den Grußworten stach Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages heraus – mit ihrer herzlichen, intensiven und klugen Rede, die die allgemeine Forderung am Ende am besten zusammenfasste: "Es geht um die Liebe zum Leben", die man feiern sollte, während Terroristen den Tod verherrlichen würden. Denen dürfe man keinen Raum einräumen und "jüdisches Leben nicht auf die Bedrohung reduzieren." "'Gemeinsam im Klang der Kultur' bedeutet, die Freiheit des anderen nicht als Bedrohung zu empfinden, sondern als Teil unserer eigenen Freiheit zu begreifen. Die Verteidigung jüdischen Lebens ist keine Aufgabe allein der jüdischen Gemeinschaft. Sie geht uns alle an."

Musikalisch war Kantor Chaim Stern aus Toronto angereist, eine charmante Mischung aus Frank Sinatra und Karel Gott. Das Rundfunkorchester unter Tomer Adaddi begleitete ihn auf einer musikalischen Reise "von Jerusalem bis München" mit jüdischen und chassidischen Melodien. Beim "Halleluja"-Duett nach Leonard Cohen kam noch die Münchner Sängerin Laila Nöth ("Voice of Germany") dazu. Und das Publikum klatschte eifrig mit, applaudierte stark – und fast wäre es gelungen, dass bei "Hevenu Shalom Aleichem" alle aufgestanden und mitgetanzt hätten – aber es blieb doch eine ausgelassene, aber würdige Gala. 

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