Heiner Lauterbach: "Robert Redford hat uns viel Glück gewünscht."

Deutschland ist um ein Filmfestival reicher. Ab Freitag findet in Landsberg am Lech erstmals das Snowdance Independent Filmfestival statt.
| (stk/hub/spot)
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Landsberg am Lech - "Ein Forum für ungewöhnliche Filme": Mit diesem Slogan wird man auf der offiziellen Internetseite des Snowdance Independent Filmfestivals begrüßt. Es ist der Versuch, dem deutschen Independent-Film eine Plattform zu geben und so frische Ideen fernab der nächsten Feel-Good-Komödie verwirklichen zu können. Vom 31. Januar bis zum 2. Februar werden unabhängig gedrehte Filme präsentiert. Heiner Lauterbach (60), Schirmherr, Mitbegründer und Jury-Mitglied bei dem Projekt, erzählt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news, warum er gemeinsam mit Freund Tom Bohn das Festival auf die Beine stellte und weshalb das Gangster-Drama "Harms" für ihn eine Herzensangelegenheit ist.

Wenn Sie mehr über den deutschen Schauspieler Heiner Lauterbach erfahren möchten, dann holen Sie sich hier seine Biografie

Als Schirmherr und Mitbegründer des Snowdance Filmfestivals haben Sie aktuell jede Menge um die Ohren. Wie kam es denn zu Ihrer Teilnahme an dem Projekt?

Heiner Lauterbach: Das stimmt. Die Idee zum Snowdance kam von meinem Freund Tom Bohn, der mich anrief und gefragt hat, ob wir das nicht zusammen auf die Beine stellen wollen. Wir hatten mit "Reality XL" gerade gemeinsam einen Independent-Film gedreht, und daher schien mir das eine sehr gute Idee zu sein. Daraufhin haben wir uns mit den Leuten in Landsberg unterhalten, wo das Festival jetzt auch stattfindet. Alle waren von der Idee überzeugt und haben uns sehr lieb dabei unterstützt.

Gab es für die Wahl von Landsberg am Lech als Austragungsort einen bestimmten Grund?

Lauterbach: Es sollte auf jeden Fall in der Nähe von München stattfinden, beziehungsweise nicht unweit vom Ammersee, wo Tom wohnt. Wir wollten einen Ort, der in der Lage ist, dem Snowdance die richtige Größe zu verleihen. Die Landsberger sind das gewöhnt, die machen so einige größere Festivitäten und Events bei sich und sind dementsprechend kampferprobt. (lacht)

Es ist ein Independent-Filmfestival, sprich die Werke entstanden unabhängig von Fernsehanstalten oder Filmförderungen. Was genau zeichnet die Filme des Snowdance aus?

Lauterbach: Also in erster Linie müssen sie gut sein. Wenn das der Fall ist, dann zeigen sie, dass es auch andere Arten außer der bislang üblichen Weise gibt, tolle Filme zu produzieren. Warum nicht einfach mal entgegen der herkömmlichen Film-Industrie gehen? Ich meine, der ganze amerikanische Film wäre heutzutage ohne Independent-Produktionen gar nicht mehr vorstellbar. Bestes Beispiel dafür ist doch ein Tarantino, der aus genau diesem Bereich kam.

Zumal das nötige Equipment heutzutage wesentlich erschwinglicher für jedermann ist...

Lauterbach: Stimmt. Durch das Wegfallen der Kosten für teure Filmmaterialien und dank der modernen Technik, die, preiswert und ohne viel Licht zu erfordern, gute Resultate liefert, kann eigentlich jeder ambitionierte Nachwuchsregisseur seine eigenen Filmvisionen realisieren. Da liegt es doch auf der Hand, auch im Bezug auf ein Filmfestival mal andere Wege zu gehen. Wobei ich absolut nichts gegen die Filmförderung habe, sofern die Gelder gut, gewissenhaft und gerecht verteilt werden. Ich denke mir nur: Warum den Steuerzahler unnötig belasten, wenn man es auch anders lösen kann? Zumindest sollte man versuchen, es zu kombinieren.

Mit dem Namen Snowdance assoziiert man natürlich auch das US-amerikanische Independent-Festival Sundance, begründet von Robert Redford. Was unterscheidet die beiden Veranstaltungen?

Lauterbach: Wir haben uns viele frische Konzepte für das Snowdance ausgedacht. Etwa die Speed-Castings, bei denen Nachwuchsschauspieler die Möglichkeit haben, sich vielen verschiedenen Leuten aus dem Fach vorzustellen. Neben den ganzen Filmen haben wir verschiedene Aktivitäten, mit denen wir die Zuschauer begeistern und langfristig binden wollen. Aber natürlich, den Namen haben wir in Anlehnung an die amerikanische Vorlage gewählt. Robert Redford hat uns viel Glück für das Snowdance gewünscht.

Auf der Internetseite zum Snowdance heißt es: "Ein Forum für ungewöhnliche Filme". Gibt es in Deutschland zu wenig ungewöhnliche Filme?

Lauterbach: Wer will schon beurteilen, ob es zu wenig, oder zu viel ist. Ich meine, es wäre natürlich auch nicht sinnvoll, wenn jetzt jeder anfängt, Filme zu machen. Das würde zu einer Inflation führen, woraufhin man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen würde. Es gehört auf jeden Fall mehr dazu, als sich irgendwo eine Kamera auszuleihen, um einen Film zu machen. Man muss die nötige Leidenschaft, das richtige Talent mitbringen. Wenn das vorhanden ist, dann sollte man sich auf seinem Weg nicht beirren lassen. Ob es aber aktuell zu wenige ungewöhnliche Ideen gibt, wage ich nicht zu beurteilen.

Gerne werden in Independent-Filmen Themen angesprochen, die Produktionsfirmen schlichtweg zu heikel sind...

Lauterbach: Das ist richtig. Ich selbst habe aus diesem Grund eine Produktionsfirma gegründet, nämlich "Handschlag Film". Wir haben inzwischen schon den zweiten Film fertiggestellt. Beide Filme wären so in Deutschland nie finanziert worden, deswegen haben wir diesen Weg gewählt. Das war tatsächlich die einzige Möglichkeit, unseren Traum zu verwirklichen, weil dieser eben nicht beinhaltete, eine der herkömmlichen Geschichten auf die Leinwand zu bringen. Unser erster Film war beispielsweise ein Gangster-Drama ganz in der Tradition eines Jean-Pierre Melvilles oder Martin Scorseses, also etwas, das in Deutschland so quasi gar nicht stattfindet.

Bei dem Gangster-Drama handelt es sich um den Film "Harms", den Sie auch beim Snowdance vorstellen und in dem Sie einen Ganoven spielen, der den Coup seines Lebens landen will. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Lauterbach: Nicolai Müllerschön, der Regisseur, und ich sind beide Fans des alten französischen Gangsterfilms mit Jean Gabin oder Alain Delon. Mit meiner Rolle in "Harms" kommt endlich mal wieder ein deutscher Gangster, was es so schlichtweg nicht gab in letzter Zeit. Wenn überhaupt gibt es Polizeifilme, vorwiegend im Fernsehen in Form des Tatorts. Das letzte Gangster-Drama, an das ich mich erinnern kann, war "Die Katze" aus dem Jahr 1987. Natürlich würden wir für solche Projekte gerne Unterstützung bekommen, die Filmförderung spielt in solchen Fällen nur einfach nicht mit.

Haben Sie schon Zuschauer-Reaktionen auf Ihren Film erhalten?

Lauterbach: Der Film ist bereits auf einigen Festivals gelaufen, unter anderem beim Münchner Filmfest, wo er sehr gut angekommen ist. Die Leute wollen Filme sehen, die sonst nicht in die Kinos gekommen wären. Das heißt nicht, dass wir Kunst-Sperenzchen, machen. Für uns muss ein Film in erster Linie spannend sein. Das heißt aber auch nicht, dass permanent die Reifen quietschen müssen oder wild durch die Gegend geschossen wird. Ich bin konservativ, was das Kino angeht. Filme sollten nicht zu künstlerisch verkopft sein.

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