Grab von Queen Elizabeth: Wirrwarr um letzte Ruhe der Königin

Mehr als 70 Jahre lang regierte Queen Elizabeth II. (†96) über Großbritannien und weitere Commonwealth-Staaten. Die Monarchin hinterließ ein Vermächtnis, das von Stabilität und Pflichtbewusstsein geprägt war. In der St. George's Chapel in Windsor fand die Queen nach der Trauerfeier am 19. September 2022 die letzte Ruhe. Doch immer wieder gibt es Schlagzeilen, die etwas anderes behaupten. Ist das Grab in Windsor in Wahrheit leer? Die AZ hat nachgeforscht.
Spekulationen um Grab von Queen Elizabeth: Wo fand sie ihre letzte Ruhe?
"Königin Elizabeth: Ihr Grab ist leer!": Mit solchen Schlagzeilen befeuerten diverse Klatsch-Blätter – sogenannte "Yellows" – in den vergangenen Monaten die Gerüchteküche. Die Queen und ihr Mann Prinz Philip (†99) seien angeblich nicht in Windsor, sondern auf Malta beerdigt worden: "Wie wir aus Palastkreisen erfahren haben, soll die Queen schon Jahre vor ihrem Tod ihren letzten Willen geändert haben", wird in Berichten, wie unter anderem in "Das Neue", geschrieben.
Zwischen 1949 und 1951 hatten Elizabeth und Philip auf Malta gelebt und dort wohl die glücklichsten Jahre verbracht. Nach ihrer Krönung 1952 musste sich das Paar voll dem Dienst der Krone verschreiben. Für die letzte gemeinsame Reise habe die Queen aber ihr Herz entscheiden lassen – und ein Grab auf Malta gewählt. Angeblich kennen nur ihre engsten Vertrauten und Familienmitglieder den genauen Standort.

Die AZ hat den britischen Palast kontaktiert, um herauszufinden, was wirklich hinter den gewagten Behauptungen der Klatschpresse steckt. Völlig frei erfunden oder doch etwas dran? Während die AZ noch auf Rückmeldung aus dem Königshaus wartet, melden sich hier drei Royal-Expertinnen zu Wort, die Licht ins Dunkel bringen.

Royal-Expertin zur AZ: "Die Queen war sehr traditionell"
Charlotte Gräfin von Oeynhausen hat mit der AZ über die Gerüchte gesprochen und klargestellt, dass Elizabeth definitiv auf dem Gelände von Windsor Castle beerdigt wurde: "Dies ist bestätigt und auch offiziell dokumentiert", so die Expertin. "Ich glaube, solche Gerüchte entstehen, weil es ein absolut schöner 'Gedanke' ist und es auch irgendwie zu ihrer und Philips Geschichte passt: Denn Sie lebte als junge Frau auf Malta und beide liebten das Land sehr."
Die Idee von einer heimlichen Beisetzung halte von Oeynhausen aber für "unrealistisch": "Die Queen kann man doch nicht einfach irgendwo heimlich beerdigen." Ein Anlass von solcher Relevanz lasse sich nicht einfach verstecken oder unbemerkt an einen anderen Ort verlegen. "Deshalb sind solche Gerüchte über Malta absolut unglaubwürdig", weiß die Royal-Expertin. "Zudem war die Queen sehr traditionell und alleine aus diesem Grund würde sie sich, meiner Meinung nach, nicht an einem heimlichen Ort beerdigen lassen."

Königspaar auf Malta: Expertin spricht von "glücklichster Zeit"
Auch Königshausexpertin Catrin Bartenbach hat sich für die AZ mit den Gerüchten auseinandergesetzt und verrät: "Es stimmt, dass Elizabeth und Philip als junges Ehepaar, als sie noch Thronfolgerin war, die glücklichste Zeit ihrer Ehe in Malta verbracht haben." Bartenbach, die 2025 das Sachbuch "Der royale Reiseführer: Europas Monarchien entdecken" herausgebracht hat, hat sich das Wohnhaus der Royals auf Malta vor einigen Jahren sogar selbst angesehen.
Über die "Villa Guardamangia" sagt die Expertin: "Damals war das Anwesen noch in einem beklagenswerten Zustand und ich habe mich damals tatsächlich auch gefragt, wenn der Queen diese Zeit so wichtig war, warum sie das Haus nicht persönlich erworben hat zwecks Renovierung." Wie Catrin Bartenbach weiß, wird das Anwesen derzeit mit öffentlichen Geldern in ein Museum umgebaut: "Es soll in den nächsten ein bis zwei Jahren irgendwann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden."

Catrin Bartenbach bestätigt zwar den besonderen Stellenwert Maltas für die Königsfamilie – doch halte sie die Gerüchte dennoch für unglaubwürdig. "Die verstorbene Queen hat sowohl in ihrem privaten Umfeld als auch öffentlich immer wieder von ihrem Wunsch gesprochen, dereinst in der Grabkapelle King George VI. Memorial Chapel, seitlich angebaut an die St. George's Chapel in Windsor Castle und fertiggestellt 1969, bestattet zu werden", weiß die Royal-Expertin.
Dieser Ort hatte für Queen Elizabeth eine unverwechselbare Bedeutung: "Dort, wo ihre Eltern schon lange ruhen, außerdem auch die Urne mit den sterblichen Überresten ihrer geliebten Schwester, Prinzessin Margaret." Diese war auf eigenen Wunsch hin eingeäschert worden, damit auch für sie an dem Ort Platz wäre, wo ursprünglich nur vier königliche Ruhestätten vorgesehen waren.

Vor allem aber wartete der einbalsamierte Leichnam von Prinz Philip, der im April 2021 verstorben war, in Windsor auf die Queen: "Damit beide schließlich gemeinsam in dem für Sie vorgesehenen Doppelgrab ihre letzte Ruhe finden konnten", weiß Catrin Bartenbach.

Royal-Expertin dementiert Gerücht: Queen in Windsor beigesetzt
Zuletzt setzte sich die AZ auch mit der Royal-Podcasterin Annelie Malun in Verbindung und bat um ihre Einschätzung zu den skurrilen Grab-Theorien. "Aus Erfahrung weiß ich, dass diese Geschichten frei erfunden werden", meint die Expertin, ohne zu zögern. "Meine Einschätzung ist: Das ist nicht wahr."
Denn auch Annelie Malun ist mit der besonderen Geschichte der St. George's Chapel vertraut: "Mehr als 20 Mitglieder der Königsfamilie sind [dort] beigesetzt." Die Gedenkkapelle für King George VI. habe Queen Elizabeth 1962 in Auftrag gegeben, erklärt die Expertin: "Mit dem Hintergrund, dort die Familie im Tod zu vereinen. Das ist ein Grund, weshalb sie dort beigesetzt worden ist, neben ihrem Vater, ihrer Mutter sowie ihrer Schwester, Prinzessin Margaret."

Malun bestätigt, dass Prinz Philip nach dem Ableben seiner Ehefrau in das gemeinsame Grab gelegt wurde: "Er war von seiner Beisetzung bis zum Tod der Queen 2022 vorübergehend in einem anderen Teil, im sogenannten Royal Vault (königliches Gewölbe) beigesetzt worden", erklärt die Expertin. "Nach dem Tod der Queen wurden sie dann in der Gedenkkapelle vereint." Eine romantische Vorstellung – die wohl auch von der Malta-Geschichte nicht übertrumpft werden könnte.

100. Geburtstag: Queen Elizabeth hätte 2026 Meilenstein gefeiert
Am 21. April 2026 wäre Queen Elizabeth II. stolze 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass werden mit Sicherheit viele Menschen in die St. George's Chapel nach Windsor reisen, um der verstorbenen Monarchin zu gedenken. Dass Royal-Fans dort vor einem leeren Grab stehen werden, ist nach unserer AZ-Recherche quasi ausgeschlossen. Denn die Royal-Expertinnen sind sich einig, dass an den Gerüchten um ein geheimes Grab auf Malta nichts Wahres dran ist.