Für Amerikaner ist 'Wetten, dass..?' Kindergarten

Ron Williams steht seit vielen Jahren vor deutschen Fernseh-Kameras und auf Bühnen. Im Moment begeistert er im Münchner Cotton Club. Jetzt verrät der Entertainer, warum "Wetten, dass..?" für seine Landsleute so eine Herausforderung ist.
| (hub/spot)
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Ron Williams umgeben von den Cotton-Club-Köchen Stefan Marquard (li.) und Holger Stromberg
Robert Haas Ron Williams umgeben von den Cotton-Club-Köchen Stefan Marquard (li.) und Holger Stromberg

München - Ron Williams (72, "Gotta Do the Right Thing") blickt auf eine lange Bühnen- und TV-Karriere zurück. Im Moment steht der US-Amerikaner, der 2004 das Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz im Kampf gegen Rassismus erhielt, unter anderem im Münchner Cotton Club auf der Bühne. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät er, warum "Wetten, dass..?" für Hollywood-Stars kein Vergnügen ist und wie er Castingshows findet.

Julian Williams, den Sohn des Entertainers, in "Keep Your Light Shining" können Sie sich auf MyVideo noch einmal ansehen

 

Sie treten seit einigen Tagen im Münchner Cotton Club auf: Wie haben Sie die ersten Shows erlebt?

 

Ron Williams: Die Premiere war toll - auch wenn wir natürlich erst mal ein bisschen kämpfen müssen. Alfons Schuhbeck ist hier in München mit seinem "Teatro" der Platzhirsch. Aber wir sind zufrieden mit unserer Show und das Publikum ist jeden Abend begeistert.

 

Sie haben mit "Genießen erlaubt" auch acht Kochsendungen mit Schuhbeck gemacht. Haben Sie mit ihm gesprochen in letzter Zeit?

 

Williams: Dazu gibt es eine schöne Geschichte: Einer meiner größten Fans ist eine 100-jährige Frau und ihr Sohn ist Immobilienmakler in München, unter anderem für Industriegelände. Zu ihrem Geburtstag hat die alte Dame mich und meine Lebensgefährtin zum Essen eingeladen - zufällig bei Schuhbeck. Er kam dann auf meine Bitte hin selbst zu uns mit einer Flasche Champagner und wir haben auch über unsere baldige Konkurrenz gelacht. Nach dem Essen habe ich mit dem Makler-Sohn über unsere Pläne zum Cotton Club gesprochen - und so sind wir zum Ungererbad gekommen. Das ist also zufällig alles vor seiner Nase passiert.

 

Neben Ihnen treten im Cotton Club viele Artisten auf wie eine Schlangenfrau - haben Sie einen Favoriten?

 

Williams: Die Schlangenfrau Helene Sano ist toll, aber auch die anderen Artisten wie Hakuna Matata sind großartig. Und die Basketballnummern der Acrodunks aus New York sind der Hammer! Die Jungs haben das noch nie in einem Club gemacht, das ist nicht ungefährlich. Aber sie schaffen es jeden Abend. Das macht riesen Spaß! Dazu kommen die großartige Angela Brown sowie unser Orchester - und die Cotton-Club-Girls sind eine Augenweide. Nicht zu vergessen natürlich unsere Künstler in der Küche - das Menü von Holger Stromberg und Stefan Marquard ist sehr lecker.

 

Sie blicken auch auf eine lange Bühnen- und TV-Karriere zurück. Einige US-Stars wie Tom Hanks und Will Arnett haben zuletzt über "Wetten, dass..?" gelästert. Was macht die Show für US-Stars zum Alptraum?

 

Williams: Ganz einfach: Jeder, der das US-Fernsehen kennt, weiß, dass die Amis im Entertainment-Bereich Weltmeister sind. Dieses stehen gebliebene Format "Wetten, dass..?" war für mich immer wie eine Art "Gottesdienst". Die Show zieht von Stadthalle zu Stadthalle und dann kam der Hohepriester Thomas Gottschalk die Treppe herunter und man hat brav diese Spielchen über sich ergehen lassen.

 

Und Amerikaner verstehen das nicht?

 

Williams: Für Amerikaner ist sowas Kindergarten! In den USA kommt ein Gast in eine Show, plaudert und geht. Bei "Wetten, dass..?" sitzt man stundenlang auf einer Couch, ohne etwas zu tun. Das verstehen US-Stars nicht, die finden das irgendwie peinlich.

 

Wie finden Sie Markus Lanz?

 

Williams: Man kann über Gottschalk sagen, was man will - aber er hatte genau das, was dieses TV-Format brauchte: einen Schalk im Nacken und seine Art zu reden, Smalltalk zu machen. Dazu kam die Tatsache, dass er lange in Kalifornien lebte und die Nähe zu Hollywood hatte. Schade, dass er gegangen ist. Markus Lanz' Art kommt scheinbar nicht an und das tut mir sehr leid für ihn.

 

Und wie finden Sie Thomas Gottschalk in seiner Nach-"Wetten, dass..?"-Ära?

 

Williams: Vielleicht fehlt jemand, der ihm sagt, was er anders machen soll. Dieser Vorabend-Talk im Ersten hat wehgetan. Seine Sendungen bei RTL kenne ich aber nicht.

 

Was sehen Sie privat am liebsten im TV?

 

Williams: 3sat, Arte, BBC, CNN, gute skandinavische Filme und Dokus, natürlich auch ARD, Phoenix und ZDF. Ich bin ein Nachrichtenmensch, schaue aber auch gerne Boxen und Fußball, auch bei den Privaten. Und Servus TV gefällt mir. Die Österreicher machen sehr gutes Fernsehen. Das deutsche Fernsehen ist oft etwas trocken und zu nüchtern.

 

Was halten Sie als Entertainer von Castingshows?

 

Williams: Die sehe ich ungern. "The Voice of Germany" habe ich anfangs geschaut. Das ist okay, gute Unterhaltung. Mein Sohn Julian war bei der ProSieben-Show "Keep Your Light Shining" dabei. Er hat aber von Anfang an gesagt, dass er keinen Vertrag unterschreiben und nur das Geld gewinnen will. Das kam natürlich nicht so gut an.

 

Würden Sie Nachwuchskünstlern raten, in solche Castingshows zu gehen?

 

Williams: Das muss jeder selbst entscheiden, ich würde aber sagen: nein. Wer gerne ins Fernsehen möchte, für den ist das vielleicht das Richtige. Es bringt aber nicht viel. Es gibt einige, die den Durchbruch geschafft haben und das ist auch gut so. Die Sender brauchen die jungen Leute aber eigentlich nur als Futter für ihre Unterhaltung. Natürlich können dadurch Talente entdeckt werden, ich persönlich würde dennoch davon abraten. Auf die Verträge kommt es an.

 

Was steht bei Ihnen außer dem Cotton Club noch an Projekten an?

 

Williams: Ich hatte das große Glück, dass ich schon in den 80er Jahren die Produzentin Margit Kempf kennen lernen durfte. Ich bin seit langem einer ihrer Hauptdarsteller. Sie war die erste Produzentin, die auf die Idee kam, Bühnen-Themen mit afroamerikanischen Hauptfiguren umzusetzen: Wir haben zusammen die Martin-Luther-King-Story "I Have a Dream" gemacht. Danach kam die "Ray Charles Show", später "Endlich frei - Die Nelson Mandela Story" und seit 2012 "Die Harry Belafonte Story", die noch bis 2016 läuft. Die Theaterstücke sind und waren extrem erfolgreich, auch in Österreich und der Schweiz. Als nächstes steht ein Programm mit dem Arbeitstitel "Onkel Toms Hütte Reloaded" an. Neben meiner "Sweet Soul Music Revue" startet nächstes Jahr im April zudem meine One-Man-Show mit dem Arbeitstitel "Hautnah mit Ron Williams" mit dem Jörg Seidel Swing Trio.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren