Interview

Eric Schroth über queeres TV: "Viele Sender müssen mutiger werden"

Seit Kindertagen steht Moderator Eric Schroth bereits auf der Bühne und hat mit "TVNOW - Das Magazin" und "Verboten gut! Der Prince Charming Talk" zwei eigene Sendungen auf dem Streaming-Dienst der RTL-Mediengruppe. Mit der AZ hat er über seinen Job und sein Privatleben gesprochen.
| Sven Geißelhardt
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Eric Schroth moderiert seit Oktober 2020 "TVNOW - Das Magazin".
Eric Schroth moderiert seit Oktober 2020 "TVNOW - Das Magazin". © Foto: BrauerPhotos / F.Seidel

Eric Schroth wurde 2016 deutschlandweit als der hübsche "Anmeldeboy" bei der Casting-Show DSDS bekannt. Mittlerweile ist er ein festes Mitglied der TVNOW-Familie und steht seit dem 13. Oktober zusammen mit seinem Kollegen Cornelius Strittmatter für "TVNOW - Das Magazin" vor der Kamera.

Mit der AZ hat Eric Schroth über seine Anfänge in der Medienwelt, Erfahrungen auf der Bühne, sein Coming-out und die verrückte Welt der Reality-Shows gesprochen.

Herr Schroth, Sie arbeiten bereits seit Ihrer Kindheit als Moderator und Schauspieler. Wie ist es dazu gekommen?
ERIC SCHROTH: Tatsächlich war das schon im Kindergarten, dass ich kleine Rampensau-Gene hatte, super gerne auf der Bühne stand oder irgendwelche Sachen aufgeführt habe. Da war als Kind schon eine große Leidenschaft vorhanden. Ich habe das auch selbst mit in die Wege geleitet und meine Eltern dazu gedrängt, dass ich unbedingt irgendwo mitspielen muss. In Worms habe ich mich bei den Nibelungenfestspielen beworben und stand dann mit Schauspielern wie Mario Adorf und Maria Schrader in einer kleinen Nebenrolle auf der Bühne.

Eric Schroth wurde als DSDS-"Anmeldeboy" bekannt: "Damit hat keiner gerechnet"

Viele DSDS-Zuschauer kennen Sie ja noch als den "Anmeldeboy". Hatten Sie mit so großem Interesse an Ihrer Person gerechnet?
Zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht. Ich habe damals zwar schon länger den Moderationsweg verfolgt, aber ich wollte auch immer wissen, wie Fernsehshows entstehen und gemacht werden. Deswegen war ich damals nebenberuflich als Casting-Redakteur bei DSDS. Ich habe da einfach am Empfang gesessen, ohne Kamera. Natürlich konnte ich schon immer gut reden und habe die Leute schnell in Gespräche verwickelt und da sind ganz lustige Sachen bei rumgekommen. Irgendwann kam die Kamera dazu und dann hat man das als feste Side-Position etabliert. Dass es dann so groß durch die Presse geht, damit hat keiner gerechnet. Es war eine super tolle und aufregende Zeit.

Bei DSDS tauchen viele bunte Paradiesvögel auf. Was war der skurrilste Moment, den Sie in der Sendung erlebt haben? Ich habe gehört, dass es eine Situation mit einem geplatzten Kleid gab.
(lacht) Das war tatsächlich die allererste Situation. Da war eigentlich noch keine Kamera dabei. Eine total aufgedrehte und lustige Kandidatin stand vor mir und sagte: 'Eric, ich habe da ein Problem. Mein Kleid ist geplatzt.' Sie hatte ein sehr enges Teil an, das an der Naht komplett gerissen war. Ich habe das dann mit Gaffer Tape geklebt, was von der Kamera aufgenommen wurde. Es war eine superlustige Situation, die auch ausgestrahlt wurde, weil die Jury sich fragte, warum ihr Bauch mit Tape beklebt war.

"Manchmal liebe ich es, in der Masse zu verschwinden"

Mittlerweile sind Sie bei TVNOW mit gleich zwei Sendungen vertreten. Was sagen Ihre Eltern dazu, dass der Sohnemann im TV zu sehen ist?
Meine Mutter ist immer stolz wie Oskar. Für sie war immer klar, dass ich auf der Bühne oder vor der Kamera stehen werde. Mein Vater ist tatsächlich so, wie man sich einen Vater vorstellt: 'Der Junge muss was Richtiges lernen.' Anfänglich fand er meine Ambitionen gar nicht so gut, aus Angst, ich würde die Schule vernachlässigen. Und es war dann auch so, dass ich eine schwierige schulische Zeit hatte. Dann bin ich aber nach Köln gekommen und durch meinen Job beim Jugendzirkus hat sich das verbessert. Für meinen Vater kam der Knackpunkt, als ich 15 war und er mir beim Moderieren einer Show zuschaute. Ich kam in der Pause zu ihm ins Publikum und eine Frau drehte sich zu uns um. Sie fragte, ob ich das professionell mache und mein Vater antwortete stolz: 'Nee, macht er nicht. Aber er macht es gut und er ist mein Sohn.'

Vor der Kamera sind sie für jeden Spaß zu haben, wie man in ihrer Sendung "TVNOW – Das Magazin" sieht. Aber wie tickt der private Eric Schroth?
(Lacht) Ich bin auch privat für jeden Spaß zu haben und mache viel mit. Aber bei Freunden und Familie, mit denen ich ein sehr enges Verhältnis habe, kann ich mich auch mal zurücknehmen. Natürlich erwartet man von einem Moderator und Bühnenkünstler, dass er immer im Fokus steht, aber manchmal liebe ich es auch, einfach dazusitzen und in der Masse zu verschwinden. Von daher gibt es auch den ruhigen Eric Schroth.

Weiß Eric Schroth, für welchen Kandidaten sich "Prince Charming" entscheidet?

Sie haben 2016 die TV-Hochzeit von Daniela Katzenberger organisiert und die Arbeit daran als "sehr rosa" bezeichnet. Wie schwer ist es, für so eine bekannte TV-Persönlichkeit ein Event zu gestalten? Gibt es da viele Extra-Wünsche?
Schwer ist immer relativ. Damals war ich ja noch gar nicht so lange im Wedding-Business und die Zusammenarbeit mit Daniela Katzenberger kam zustande, weil wir uns so gut verstanden haben. Das ist auch die Grundvoraussetzung, ob prominent oder nicht, wenn es um so ein persönliches Thema wie Hochzeiten geht. Als Wedding-Planer verbringt man mit den Brautpaaren so unglaublich viel Zeit und baut eine besondere Bindung auf. Man weiß ja, Daniela steht auf Pink und Glitzer. Dem dann gerecht zu werden und eine edle Prinzessinnen-Hochzeit, die trotzdem Tussi-like ist, zu organisieren, war eine schöne Aufgabe.

2016 organisierte Eric Schroth die TV-Traumhochzeit von Kult-Blondine Daniela Katzenberger.
2016 organisierte Eric Schroth die TV-Traumhochzeit von Kult-Blondine Daniela Katzenberger. © BrauerPhotos / K.Schulz

Über "Prince Charming" berichten Sie ja in dem offiziellen Podcast auf. Ohne Namen zu nennen: Wissen Sie, für welchen Kandidaten sich Alexander Schäfer entscheidet?
Tatsächlich weiß ich das nicht. Ich bekomme die neueste Folge erst ein paar Tage vor der Ausstrahlung, schaue sie mir an und mache meine Zusammenfassungen. Ich habe keine Ahnung wer gewinnt und mutmaße nur. Auch aus Alex ist nichts rauszubekommen, trotzdem versuche ich es immer wieder (lacht).

"Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr geoutet"

Sie gehen in der Öffentlichkeit sehr offen mit Ihrer Homosexualität um und unterstützen die queere Community in den sozialen Medien. Gab es mal einen Moment, in dem Sie das aufgrund von Anfeindung bereut haben? Erst vor wenigen Wochen berichtete der ehemalige 'Prince Charming'-Kandidat Martin Angelo von einer homophoben Attacke…
Ich habe es auf gar keinen Fall bereut. Man muss dazu sagen, dass ich kein Geheimnis daraus gemacht habe, aber bis letztes Jahr nie öffentlich darüber gesprochen oder es thematisiert habe. Ich dachte: Muss man das noch? Das ist mein Privatleben. Diese Gedanken haben sich geändert, als ich vergangenes Jahr ein Interview mit meinen lieben Kollegen Cornelius hatte, mit dem ich auch das "TVNOW Magazin" mache. Er fragte mich im Zuge des Coming-Out-Days nach meinen persönlichen Erfahrungen. Das war das erste Mal, dass ich öffentlich darüber gesprochen habe. Privat geoutet bin ich seit meinem 15. Lebensjahr. Trotzdem fühlte es sich komisch an, so als ob man sich angreifbar machen würde. Danach habe ich aber keine negativen Erfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil. Ich habe gemerkt, wie wichtig das ist und wie viel Mut das anderen machen kann, auch öffentlich dazu zu stehen. Auch ich habe in der Kindheit Mobbing erfahren. Wenn man nicht in das vermeintliche Bild der Norm passt, dann wirst du ausgegrenzt und angefeindet. Ich habe das zwar gut überstanden, es hat mich aber dennoch unbewusst geprägt. In der Öffentlichkeit zu sagen, 'Hey Leute, ich bin schwul und das ist gut so', war schwer. Heute sehe ich das anders und ich habe keine negativen Erfahrungen damit gemacht.

Eric Schroth über LGBTQI-Unterhaltungsformate: "Es ist ein wichtiges Thema aus der Mitte des Lebens"

Der Erfolg von "Prince Charming" hat gezeigt, dass queere Shows im deutschen TV kein Nischenprogramm sind. Trotzdem sind LGBTQI-Unterhaltungsformate noch etwas rar. Was müssen Sender da aus Ihrer Sicht noch leisten, um mehr Diversität abzubilden?
Das ist eine schwierige Frage, weil ich auch in die Sendestrukturen nicht eingebunden bin. Ich glaube, dass TVNOW mit "Prince Charming" etwas ganz Großes in diese Richtung geleistet hat. Dieses Sendekonzept lag lange in vielen Schubladen und es hat sich keiner rangetraut. Ich bin heilfroh, dass TVNOW den Arsch in der Hose hatte und dieses Thema so groß gemacht hat. Man sieht ja, was dabei rumkommt. Die Leute mögen es und finden es unterhaltsam. Jetzt läuft es auch im Free-TV, was super für die Präsenz ist. Ich glaube, dass viele Sender an dieser Stelle einfach etwas mutiger werden müssen. Aber wir sind auf einem guten Weg und Shows wie "Prince Charming" und "Queen of Drags" zeigen, dass es ein wichtiges Thema aus der Mitte des Lebens ist.

Sind Sie vergeben oder Single? Würden Sie Ihren Partner in der Öffentlichkeit präsentieren?
Ich bin schon sehr lange in festen Händen und seit acht Jahren mit meinem Partner zusammen, seit fünf Jahren sogar schon verheiratet. Öffentlich präsentieren müssen wir uns aber nicht, denn es ist unser Privatleben. Ich bin unfassbar glücklich, jemanden an meiner Seite zu haben, der mich bei all dem unterstützt und mir eine große Stütze ist. Deshalb muss da jetzt nicht unbedingt ein Pärchenbild von uns in der Öffentlichkeit sein. Wir wissen, was wir aneinander haben und das ist gut.

Bald steht ja wieder das "Dschungelcamp" an. Würden Sie eigentlich auch selbst bei der Show mitmachen?
(Lacht) Wenn ich es moderieren dürfte, auf jeden Fall. Ich liebe das "Dschungelcamp" und bin ganz großer Trash-Fan, aber als Kandidat sehe ich mich in diese Show nicht.

Im "TVNOW-Magazin" haben Sie viele bekannte Promis aus verschiedenen Reality-Formaten zu Gast. Was war denn die lustigste Situation, die Sie mit einem VIP erlebt haben?
Wir haben einen Beitrag zu "Ninja Warrior" gedreht. Im Rahmen des RTL-Spendenmarathons waren viele Promis vor Ort, die dann auch mit mir und Cornelius vor der Kamera standen. Unter anderem war Torsten Legat dabei, der uns in der MAZ vom Klo holen sollte. Er lachte sich kaputt und sagte: 'Ich habe ja schon viel gemacht, aber warum soll ich euch denn vom Klo holen?' Der gesamte Beitrag bestand nur aus solchen skurrilen Szenen und alle VIPs haben mitgemacht. Solche Situationen machen besonders viel Spaß, wenn auch die Promis für so einen Spaß zu haben sind.

Momentan läuft das "TVNOW-Magazin" auf dem Streaming-Dienst von RTL. Ist es geplant, diese Sendung auch im Free-TV auszustrahlen?
Ich würde es mir natürlich sehr wünschen. Da steckt einfach viel Liebe drin und ich glaube, dass dieses Format den Zuschauer mit viel Lachen und Herz inspirieren kann, was man alles streamen kann. Man erfährt auch etwas über die Hintergründe der Stars, was man bisher noch nicht wusste und lernt die Menschen, die uns mit Reality-Shows unterhalten, besser kennen. Von daher fände ich es schön, wenn die Sendung auch im linearen Programm ausgestrahlt werden würde. Momentan steht das glaube ich nicht zur Debatte, aber wer weiß.

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