Eichinger: „Schade, dass ich ohne Dialekt spreche“

Im AZ-Interview spricht Nina Eichinger über die Kindheit in Starnberg, eine neue Show, das Leben in der Öffentlichkeit – und den plötzlichen Tod ihres Vaters  
| Kimberly Hoppe
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Dirndl zieht sie nicht nur zur Wiesn an. Richtig Bairisch sprechen kann Nina Eichinger, die Tochter des verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger, aber nicht.
Gregor Feindt Dirndl zieht sie nicht nur zur Wiesn an. Richtig Bairisch sprechen kann Nina Eichinger, die Tochter des verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger, aber nicht.

 

Im AZ-Interview spricht Nina Eichinger über die Kindheit in Starnberg, eine neue Show, das Leben in der Öffentlichkeit – und den plötzlichen Tod ihres Vaters

Sie ist der TV-Sonnenschein – immer freundlich, strahlend und einfach ausgesprochen nett: Nina Eichinger (29 sitzt gut gelaunt bei Käfer und isst noch schnell eine Brezn, weil sie den halben Tag noch nichts gegessen hat. Sie gibt seit morgens Interviews zu der neuen Fernseh-Serie „mia san mia - Die Bayerische Talentshow“ (Start: 14. Oktober, 20.15 Uhr, Bayerischer Rundfunk), die sie – natürlich auch mal im Dirndl – moderiert.

Im AZ-Gespräch ist sie jetzt gestärkt und spricht über Castingsshows, Freiheitsdrang und den schlimmen Verlust ihres geliebten Papas, Filmproduzent Bernd Eichinger (t 61).

AZ: Nina, können Sie einen Schweinsbraten zubereiten?

NINA EICHINGER: Ehrlich gesagt nicht, weil ich Schwein fast gar nicht esse – höchstens drei Mal in meinem Leben bis jetzt, dafür liebe ich die Tiere viel zu sehr. Aber Kasspatzen kann ich gut. Beim Apfelstrudel müh ich mich noch ab, da muss mich meine Oma nochmal in die Mangel nehmen.

Wie bayerisch sind Sie sonst?

Ich bin schon irgendwie traditionsbewusst, habe anders als andere Bundesbürger eine Tracht daheim, die ich nicht nur zur Wiesn anziehe. Ich bin naturverbunden und brauche die Berge. Aber sonst wird’s dünn – meine beiden Familien kommen aus Bayern und ich bin in München geboren.

Trotzdem sprechen Sie absolut dialektfrei.

Ja. Meine Eltern haben immer versucht, hochdeutsch mit mir zu reden, damit ich keinen Dialekt bekomme. Dann war das Verheerende, dass ich in Starnberg auf eine englische Schule gegangen bin. Ich find’s schade. Ich versteh zwar das Meiste, wenn nicht grad hardcore-mäßig gesprochen wird. Zum Sprechen fehlt mir selbst ein bisschen das Selbstbewusstsein. Da hab ich eine innere Hemmung. Mich ärgert’s sehr, ich hab das auch oft mit meinen Eltern diskutiert, weil ich finde, dass das etwas ist, was man in der Kindheit mitbekommt.

Sind Sie von klein auf Wiesn-Fan?

Ja! Ich hab fünf Dirndl, allerdings zieh’ ich die nicht nur zur Wiesn an, sondern auch zu runden Geburtstagen und Familienfesten – das war bei meiner Familie schon immer. Mein Lieblingsfeiertag ist sowieso der 1. Mai.

Sie waren in der DSDS-Jury, jetzt „mia san mia“ – hätten Sie sich früher auch bei einer Castingshow beworben?

Ich weiß es nicht. Wenn man so gar keine Ahnung von der künstlerischen Welt hat, ist es eine tolle Chance, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich selbst hätte es nicht gemacht, weil ich ein zu großer Schisser bin.

Haben Sie das Leben in der Öffentlichkeit nicht schon durch die Muttermilch mitbekommen?

Naja, eigentlich komme ich ja aus einer großen Ärztefamilie, die einzigen beiden, die den medizinischen Weg nicht eingeschlagen haben, waren mein Vater und meine Mutter. Meine Mutter will gar nix mit der Öffentlichkeit zu tun haben und mein Vater war da so eine Mischung. Er war da zwar locker mit dem Teilen auch mal privater Informationen, andererseits hat er es gehasst, sich in die Öffentlichkeit zu stellen. Mit fremden Leuten zu reden, fand er furchtbar und schweißtreibend.

Hätte es Ihr Vater lieber gehabt, dass Sie mehr in Richtung Film gegangen wären?

Wir hatten einmal so ein Gespräch. Von Anfang an war klar, Produktion kommt für mich nicht in Frage. Mein Vater sagte immer zu mir, dass ich vor die Kamera gehöre. Das ist Deine Stärke, dass Du so sympathisch rüberkommst, meinte er. Schauspielerei ist noch ein Traum von mir, da möchte ich mich noch mehr ausprobieren.

Hilft die Arbeit, lenkt sie ab bei der Trauer um Ihren Vater?

Ich glaube schon. Das ist wie bei Liebeskummer oder bei allen anderen Problemen, erst will man sich nur vergraben, dann fällt einem die Decke auf den Kopf und schließlich erkennt man, dass es ganz wichtig ist, sich auch mit anderen Themen und Problemen auseinander zu setzen. Wenn man gestresst ist, fällt einem manchmal erst vier Stunden später auf, was eigentlich nochmal Schlimmes passiert ist, aber dann ist es zumindest vier Stunden her. Man darf sich nicht nur um sich selbst drehen.

Ist die immer gut gelaunte Nina auch mal völlig down?

Ja, total! Ich kann sehr bockig sein. Klar bin ich auch mal zu Tode betrübt, was nicht nur mit dem Tod meines Vaters zu tun hat.

Was tun Sie gehen schlechte Laune?

Ich muss dann raus – an die frische Luft. Ich werde schnell zickig und unausstehlich, wenn ich zu lange drinnen bin. Das hat mein Vater oft mitbekommen, der war ja mehr so der Stubenhocker. Der hat es total genossen, sich tagelang zuhause zu verschachteln. Er versuchte oft, mich da mitreinzuziehen - und ich wurde zur Furie (lacht).

Was hilft noch?

Tiere – immer wieder die beste Therapie.

Schauen Sie sich seit dem Tod ihres Vaters seine Filme an?

Hmm, ich weiß nicht. So lange ist das ja alles noch nicht her. Und ich würde auch nicht sagen, dass ich damit schon durch bin. Es gibt immer wieder so Phasen, dann schaust du dir um Mitternacht 1000 alte Fotos an und drei Tage später schiebst du alles weg. Aber klar schau ich mir oft alte Sachen an – mal bin ich danach total fertig, mal tröstet es.

Leben Sie nach dem plötzlichen Verlust Ihres Vaters bewusster?

Mal mehr, mal weniger. Ununterbrochen darf man sich damit nicht beschäftigen, sonst wird man ja verrückt. Kimberly Hoppe

 

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