Interview

Die Kessler-Zwillinge werden 170: "Unser Leben war Remmidemmi"

Sie sind Weltstars, bodenständig, unglaublich fit und fröhlich: Die Kessler-Zwillinge (zusammen demnächst 170) im großen AZ-Geburtstagsgespräch.
| Kimberly Hagen
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Gute Laune im Doppelpack: Ellen (l.) und Alice Kessler im Münchner Restaurant Les Deux kurz vor ihrem Geburtstag.
Gute Laune im Doppelpack: Ellen (l.) und Alice Kessler im Münchner Restaurant Les Deux kurz vor ihrem Geburtstag. © Kimberly Hagen

Rom, Dubai oder München: Ganz egal, wo sie unterwegs sind auf diesem Planeten - so ziemlich jede(r) erkennt sie, will ein Selfie oder starrt ihnen mit offenem Mund hinterher.

Alice und Ellen Kessler, die am 20. August  jeweils 85 werden, sind Weltstars. Doch die Show-Zwillinge, die als Tänzerinnen, Sängerinnen, Schauspielerinnen, Entertainerinnen von Amerika bis Frankreich gefeiert wurden, sind nicht nur bodenständig geblieben, sondern auch fit - und fröhlich.

Wie sie das alles hinkriegen, erzählen die Wahl-Grünwalderinnen im großen AZ-Geburtstagsgespräch.

AZ: Liebe Alice und Ellen Kessler, schon zum 80. sagten Sie mir, dass Sie gar nicht so alt werden wollten. Wie geht es Ihnen nun kurz vorm 85.?
ELLEN KESSLER: Wir haben typische Rentnerprobleme: Man glaubt, plötzlich viel Zeit zu haben - aber irgendwas ist immer kaputt, am Haus oder am Körper, und man kommt zu nix.
ALICE KESSLER: Schöner werden wir auch nicht (lacht). Aber wir können nicht klagen. Abgesehen von Rückenproblemen geht es uns gut. Wir brauchen zum Laufen keinen Stock, haben ein Haus, einen Garten, uns beide. Und wir haben noch nicht genug voneinander.

"Wir wollen jetzt keine Autogramme mehr schreiben"

ELLEN: Zum 80. haben wir noch einen Spagat gemacht, das lassen wir jetzt.
ALICE: Wir können ihn zwar. . .
ELLEN: . . . aber warum sollen wir ihn in unserem Gymnastikraum im Keller machen? Das ist irgendwie sinnfrei.
ALICE: Wobei es komisch ist. Niemand aus unserer Familie ist so alt geworden wie wir.
ELLEN: Unsere Mutter starb mit 69, unser Vater mit 72.

Liegt's bei Ihnen an der vielen Bewegung?
ELLEN: Wahrscheinlich. Wir haben mit sechs Jahren angefangen zu tanzen, waren mit elf in der Ballettschule.
ALICE: Mit 17 haben wir erste Autogramme geschrieben.
ELLEN: Was wir hiermit gern offiziell verkünden würden. . .

Im berühmten Lido in Paris: Die Bühne wird ihr Zuhause.
Im berühmten Lido in Paris: Die Bühne wird ihr Zuhause. © imago images/ZUMA/Keystone

. .. ja, bitte?
ELLEN: Wir möchten uns ab jetzt ein bisserl mehr zurückziehen und werden keine Autogramme mehr schreiben.
ALICE: Und bitte keine Selfies.
ELLEN: Es ist wirklich nicht böse gemeint, all die Anteilnahme und das Interesse an uns hat uns stets gefreut. Aber irgendwann ist es auch mal gut.
ALICE: Unser ganzes Leben war Remmidemmi und Fasching, heute genießen wir die Ruhe und unser Privatleben. Rote Teppiche waren eh nie unser Ding - auch vor Corona nicht.

Wenn das Rampenlicht der Alltag ist, ist der Rückzug der wahre Luxus?
ALICE: Und wie! Wir golfen gern, gehen mal ins Restaurant, das war's. Verreisen tun wir gerade auch nicht, weil wir nicht in den Flieger steigen wollen - trotz Corona-Impfung.

"Wir wollten immer total unabhängig sein"

Was machen Sie am 2 x 85.?
ELLEN: Keine Ahnung.
ALICE: Nix. Keine Geschenke, kein Ständchen, kein Trara.

Obwohl Sie so viel Erfolg hatten, die halbe Welt Ihnen zu Füßen lag, sind Sie so unaufgeregt und bodenständig. Waren Sie nie am Abheben?
ALICE: Dafür fehlte uns die Zeit. Als wir mit 15 aus dem Osten nach Düsseldorf sind, mussten wir gleich Geld verdienen.
ELLEN: Das wollten wir auch.
ALICE: Wir haben miterlebt, wie unsere Mutter wegen unseres Vaters gelitten hat. Er hatte sie früh verlassen, sie war finanziell aber abhängig von ihm. Furchtbar. Das wollten wir nie für uns.
ELLEN: Wir haben uns früh geschworen, dass wir selbstständig werden. Wir wollten immer total unabhängig sein.

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Sehr früh sehr emanzipiert.
ELLEN: Das Wort gab es damals noch gar nicht.
ALICE: Wir haben anfangs nicht verstanden, warum Alice Schwarzer auf die Straße gegangen ist. Wir hatten unsere Karrieren und unser eigenes Geld. Rückblickend natürlich auch sehr privilegiert.

Was halten Sie vom Gendern?
ALICE: Absurd und blöd. Wie unsere Freundin Antje-Katrin Kühnemann es auch kürzlich in der AZ gesagt hat: Wir sind kein "in" oder "innen".
ELLEN: Wir haben schlimmere Probleme wie die Klimakatastrophe, um die wir uns kümmern sollten.

Glamouröse Kostüme sind ihre Alltagskleidung - wie hier 1959.
Glamouröse Kostüme sind ihre Alltagskleidung - wie hier 1959. © imago images / United Archives

Wer wird Merkel beerben?
ALICE: Herr Söder!
ELLEN: Er ist am repräsentativsten von allen - inhaltlich und optisch. Sehr schade, dass er nicht zur Wahl steht. Bei den anderen Dreien. . .
ALICE . . . sind wir noch ratlos.
ELLEN: Frau Baerbock wähle ich nicht, dann müsste ich mit 85 das Radeln anfangen (lacht).

"Wir essen alles und haben keine Allergien und keine Probleme"

Statt Radeln machen Sie Gymnastik. Was ist die beste Übung, um fit zu bleiben?
ELLEN: Sit-ups.
ALICE: Die Kobra-Übung. Stärkt die Wirbelsäule. Man legt sich mit dem Bauch auf den Boden und stemmt den Oberkörper mit den Armen nach oben. Mit der Faszienrolle arbeiten wir auch gern. Jede von uns macht jeden zweiten Tag 30 bis 45 Minuten Gymnastik, während die andere Mittagessen kocht. Das ist schon sehr praktisch.

Sie essen nach wie vor alles?
ALICE: Ja! Viel Fett, viel Fleisch, viel Fisch. Wir haben keine Allergien und keine Probleme.
ELLEN: Wir trinken auch gerne Bier oder Wein, aber nicht mehr so viel wie früher (lacht).

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Klingt nach einem Beauty-Tipp der originellen Art. Was empfehlen Sie noch für ein gutes Lebensgefühl?
ELLEN: Nicht zu viele Sorgen machen. Was wäre wenn? - So denke ich nie.
ALICE: Viele Menschen in unserem Alter denken viel zu viel über Krankheiten und den Tod nach. Das bringt nur schlechte Laune. Man sollte sich lieber am Hier und Jetzt erfreuen.

Was hält den Kopf aktiv?
ELLEN: Fremdsprachen. Wir sprechen Italienisch, Französisch, Englisch, tauschen uns mit ausländischen Freunden oft aus, das hält geistig jung.
ALICE: Und kein Social Media. Wir schreiben Mails, sind online, aber jeden Trend muss man nicht mitmachen.

Schüchtert Männer das doppelte Kessler-Dasein ein?
BEIDE: Ja.
ALICE: Wobei wir auch durch unseren Vater von früh an Männern gegenüber immer etwas misstrauisch waren.
ELLEN: Das ist ja die Frage, die uns am meisten gestellt wird.

Blond, groß, schlank - und zwei: die Markenzeichen der Kessler-Zwillinge. Bis heute werden sie fast überall erkannt.
Blond, groß, schlank - und zwei: die Markenzeichen der Kessler-Zwillinge. Bis heute werden sie fast überall erkannt. © imago images/Prod.DB

Welche?
ELLEN: Ob wir uns vorstellen können, uns noch mal zu verlieben. Vorstellen können wir uns viel, aber mit einem Mann leben? Nein, danke.
ALICE: Wenn ich einen Mann, der halbwegs in unserem Alter ist, kennenlernen würde - dann würde ich mir erstmal ein Attest geben lassen, dass er gesund ist und ich nicht gleich die Krankenschwester spielen müsste. Um Ellen würde ich mich immer liebevoll kümmern. Aber um einen Mann? Nicht mehr, sorry!

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