Das können wir von Heidi Klum lernen

"Das Leben ist zu kurz, um etwas zu tun, was einem nicht gefällt", sagt Heidi Klum. Wie man mit seiner Arbeit glücklich wird, verrät Expertin Dr. Isabelle Kürschner im Interview.
| (hub/spot)
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München - Jeder kann seine Arbeit künftig so gestalten, dass er sie mit Freude ausübt, verspricht Dr. Isabelle Kürschner in ihrem Buch "New Work: Wie wir morgen tun, was wir heute wollen" (Goldegg Verlag, 236 Seiten 19,95 Euro). Im Interview erklärt die Expertin im Bereich New Work, wie man im Job glücklich wird und was wir von Heidi Klum und Steve Jobs lernen können.

Das Buch "New Work: Wie wir morgen tun, was wir heute wollen" gibt es hier

 

Die meisten Menschen machen ihren Job, um Geld zu verdienen. Kommt dabei der Spaß zu kurz?

 

Dr. Isabelle Kürschner: Von Heidi Klum stammt das Zitat: "Das Leben ist zu kurz, um etwas zu tun, was einem nicht gefällt. Klar, man kann sich mal irren, aber man sollte sich immer wieder fragen, ob der Spaß an der Arbeit noch stimmt." Doch was brauchen wir, um im Job glücklich zu sein? Immer seltener wird die Antwort lauten: den großen Dienstwagen, die schnelle Karriere oder den dicken Bonus am Jahresende. Viele Menschen streben in ihrer Arbeit nach Sinn, Erfüllung und Spaß. Das klappt nicht jeden Tag, das ist klar. Und sicher gibt es auch längere Durststrecken, in denen wir uns mal durchbeißen müssen. Aber alles in Allem sollten wir uns bemühen, eine Arbeit zu finden, die uns dauerhaft erfüllt und zumindest zufrieden, besser noch: glücklich macht.

 

Der frühere Apple-Chef Steve Jobs sagte einmal: "Der einzige Weg, großartige Arbeit leisten zu können, ist zu lieben, was du tust." Was raten Sie denjenigen, die bislang noch nicht den Job gefunden haben, in dem sie wirklich glücklich sind?

 

Kürschner: Das Zitat von Steve Jobs geht sogar noch weiter: "Wenn du das noch nicht gefunden hast, dann halte die Augen offen. Mit deinem ganzen Herzen wirst du wissen, wenn du es endlich gefunden hast." Da unterstreiche ich jedes Wort. Wir haben heute das unglaubliche Glück, dass wir uns bewusst für einen Beruf - unsere Berufung - entscheiden können. Im Weg stehen können uns dabei nur unsere eigene Faulheit oder Angst.

 

Derzeit fällt häufig der Begriff Arbeit 4.0. Was bedeutet dieser Begriff überhaupt?

 

Kürschner: Vieles, was wir heute mit Arbeit verbinden - feste Arbeitsverhältnisse, feste Arbeitszeiten, feste Arbeitsorte - wird sich in Zukunft mehr und mehr auflösen. Diese Veränderungen können wir gut finden oder weniger gut. Aufhalten können wir sie nicht. Persönlich stehe ich dem Wandel positiv gegenüber und ich bin überzeugt: Arbeit 4.0 bietet für jeden von uns die Möglichkeit, unsere Arbeitswelt nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

 

Wer profitiert denn besonders vom Wandel der Arbeitswelt?

 

Kürschner: Vom Wandel profitieren zunächst einmal alle, die sich mehr Freiheit, Eigenverantwortung und Flexibilität wünschen. Viele Menschen haben schon lange das Bedürfnis, aus den alten Mustern der Arbeit auszubrechen. Das wünschen sich vor allem diejenigen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen und müssen. Denn künftig werden nicht Gesetze und Förderprogramme die Vereinbarkeit ermöglichen, sondern die Regeln der neuen Arbeitswelt. Regeln, in denen nicht Präsenz, sondern Ergebnisse zählen. Bei denen es auf Kreativität und Unternehmergeist ankommt, anstatt auf stromlinienförmige Karriereverläufe. Wo Führung kein Lebensziel mehr ist, sondern eine Etappe im Berufsverlauf. Das kann vor, während oder nach einer Familienphase sein, genauso wie nach einem Sabbatical oder einer Weiterbildung.

 

Warum vermuten Sie, dass künftig jeder seine Arbeit so gestalten kann, dass er sie mit Freude ausübt?

 

Kürschner: Weil wir als Einzelne - sei es als Arbeitnehmer oder Selbstständige - noch nie so viel Gestaltungsmacht hatten wie heute. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sich das Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in vielen Bereichen umkehren könnte. In unserem heutigen Verständnis ist ein Arbeitgeber jemand, der Arbeit, die erledigt werden muss, zu vergeben hat. Ein Arbeitnehmer hingegen ist derjenige, der diese Arbeit annimmt und ausführt. Wir können dieses Konstrukt freilich auch anders herum denken. Dann wäre ein Arbeitnehmer derjenige, der die Arbeitskraft eines anderen annimmt und ein Arbeitgeber jemand, der Arbeitskraft, Wissen und besondere Fähigkeiten zu vergeben hat. Damit wird sich das Machtverhältnis - immer vorausgesetzt, die Nachfrage- und Angebotssituation stimmt - grundlegend verändern.

 

Dass Arbeitnehmer die Tage bis zur Rente zählen, kommt also nicht mehr vor?

 

Kürschner: Es sollte in Zukunft zumindest immer seltener vorkommen. Viele von uns wollen heute, im Hier und Jetzt leben und sich nicht alles für später aufheben. Ich halte das Konzept des Aufschiebens - das tue ich nach Feierabend, am Wochenende, im Urlaub oder eben im Ruhestand - für überholt. Während eine gewisse Vorsorge und Absicherung fürs Alter vernünftig ist, sollten wir sie nicht als Vorwand dafür nutzen, die schönsten Jahre unseres Lebens nur damit zu verbringen, zu schuften und sie herbeizusehnen. Ich kann daher Konzepten wie dem des Harvard Professors Richard B. Freeman viel abgewinnen, der vorschlägt, Auszeiten vom Job künftig nicht erst am Ende des Berufsverlaufes zu ermöglichen, sondern auch zwischendurch und dafür eben im Alter länger zu arbeiten.

 

Was raten Sie Arbeitnehmern ganz besonders?

 

Kürschner: Ein gesundes Maß an Gestaltungsfreude, Neugier und Mut an den Tag zu legen. Wir können so viel bewegen wie noch nie - nutzen wir die Chancen und packen es an! Ich denke dabei immer an ein Zitat von Oprah Winfrey: "Die größte Entdeckung aller Zeiten ist, dass ein Mensch seine Zukunft ändern kann, indem er lediglich seine geistige Einstellung ändert."

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