"Das ist echt der Kracher"

Claudia Jung über den Freien-Wähler-Erfolg, Gabriele Pauli und den Glamour-Faktor
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Bereitet sich auf das große Duell vor: Claudia Jung, die sich um Landtag um Bürgerprobleme kümmert.
Klaus Primke Bereitet sich auf das große Duell vor: Claudia Jung, die sich um Landtag um Bürgerprobleme kümmert.

Claudia Jung über den Freien-Wähler-Erfolg, Gabriele Pauli und den Glamour-Faktor

In der heilen Schlager-Welt ist sie die brave Blondine, die schöne Sängerin mit der Sehnsuchtsstimme.

Auf dem politischen Parkett ist sie dagegen der kunterbunte Hund: Claudia Jung (44, Sommerwein“) kandidierte unter ihrem echten Namen Ute Singer (Listenplatz 20) bei der Landtagswahl für die Freien Wähler.

Ob sie in den Landtag zieht, war bis Redaktionsschluss allerdings noch ungewiss.

Fest steht aber: Der Wahl-Tag war für die Gerolsbacherin und Mutter einer zehnjährigen Tochter „wie Weihnachten“.

AZ: Frau Jung, pardon – Frau Singer. . .

CLAUDIA JUNG/UTE SINGER: Jung ist schon total in Ordnung.

In diesem Fall doch lieber: Frau Singer. Immerhin geht es um die Freien Wähler und den 10,2-Prozent-Erfolg.

Ach, der Erfolg wird daran auch nix ändern. Ich mag den Namen Jung einfach viel, viel lieber.

Trotzdem haben die Wähler haben Singer angekreuzt.

Ja, und das ist auch wirklich klasse. Anfangs war das ja für viele verwirrend, dass ich als seltsame Quereinsteigerin nicht unter meinem Künstlernamen kandidieren durfte. Aber es hat sich offenbar herumgesprochen, dass Ute Singer und Claudia Jung tatsächlich ein und dieselbe Person sind.

Hat der Promi-Bonus geholfen?

Ich muss sagen, es ist Fluch und Segen zugleich. Durch meinen Normalberuf als Sängerin hatte ich sofort sehr viel Aufmerksamkeit und Publicity. Mehr als andere Anfänger. Ich musste weniger erklären, wer ich bin. Umso mehr musste ich dafür klar machen, was ich will. Eine Schlagersängerin in der Politik – das war für viele doch sehr komisch.

Warum?

Ich hatte gegen Oberflächlichkeit und schlimme Vorurteile zu kämpfen. Wer im Fernsehen auftritt, das denken scheinbar viele, macht sich keine tieferen Gedanken. Der will nur gut ausschauen und nicht für wichtige Sachen kämpfen. Da musste ich in den vergangenen Monaten wirklich viel Missionarsarbeit leisten.

Offenbar nicht umsonst.

Das Wahl-Ergebnis ist echt der Kracher. Ich freue mich gewaltig. Allerdings jubel ich erst richtig los, wenn ich in den Landtag komme. Jetzt ist es schon wie Weihnachten – aber wenn ich tatsächlich in den Landtag komme, ist das wie ein vorgezogener Geburtstag.

Ihre Chancen stehen doch gut?

Ich will das Schwarz auf Weiß sehen. Leider dauert das aber, dauernd verzögert es sich – und ich sitze seit Stunden auf heißen Kohlen.

Was ist, wenn’s nicht klappt?

Dann geht die Welt nicht unter.

Die 10 Prozent Ihrer Partei werden Sie aber sicher schon zu 100 Prozent gefeiert haben?

Und ob. Ich habe mir einen Aperol Sprizz gegönnt und ein bisschen gefeiert.

Haben Sie Mitleid mit der CSU?

Mitleid mit Beckstein? Hm, ich weiß nicht. Mitleid kriegt man geschenkt, nur Neid muss man sich erarbeiten. Das Ergebnis hat doch in Wahrheit niemanden überrascht. Ich finde es nur Schade, dass die CSU so einen Dämpfer braucht, um zu kapieren, was los ist. Hätten sich Beckstein und Huber früher mit den Wählern auseinander gesetzt, hätten sie gemerkt, dass es Gegenwind gibt.

Wird es personelle Konsequenzen geben?

Klar!

Welche?

Gute Frage. Das fragt sich jetzt ja jeder. Ob Frau Haderthauer oder jemand anderes – irgendein Bauernopfer wird es schnell geben müssen. Das ist manchmal ungerecht. Aber es geht nicht anders. Das ist wie beim FC Bayern. Wird da längere Zeit schlecht gespielt, muss der Trainer gehen. In der Spitze muss sich nun gewaltig was ändern. Wer in den Ring steigt, kriegt halt auch mal was auf die Nase oder fällt um.

Hat die CSU schon den Kontakt zu den Freien Wählern gesucht?

Sie wollen mit allen sprechen, hieß es. Mal sehen, was da rauskommt. Ich denke, die Wähler schreien regelrecht eine deutliche Sprache. Sie wollen die CSU zusammen mit der SPD.

Fehlt der CSU der weibliche Glamour-Faktor?

Mit Sicherheit.

Sie gelten – zusammen mit Gabriele Pauli – als Zugpferde der Freien Wähler. Wie ist Ihr Kontakt?

Ich kannte Frau Pauli nicht, wurde aber sehr früh oft auf sie angesprochen. Also wollte ich mir ein eigenes Bild machen. Ich suchte den Kontakt, wir verabredeten uns auf einen Kaffee, um uns zu beschnuppern. Danach trafen wir uns noch auf ein, zwei Veranstaltungen.

Und?

Das passt schon.

Klingt nicht gerade wahnsinnig begeistert.

Naa, das passt schon. Mich hat es nur erstaunt, wie es mit ihr ausgegangen ist. Ich hätte ihr mehr Erfolg gewünscht – und ich hätte auch gedacht, dass sie mehr reißen kann.

Wie sehen Sie sich selbst – unabhängig vom Einzug in den Landtag. Sind Sie zufrieden?

Riesig. Was will ich mehr? Ich bin sehr glücklich.

Nur Ihre Fans werden weinen.

Warum das?

Je mehr Sie sich politisch engagieren, desto seltener werden Sie doch als Sängerin auftreten?

Ach, nein. So kann man das nicht sagen. Wahrscheinlich werde ich sogar versuchen, künftig noch viel mehr zu singen als jemals zuvor.

Wieso?

Ich brauche dieses Kontrastprogramm. Und vor allem brauche ich diese Streicheleinheiten für meine Seele. Die bekomme ich im Landtag nicht – im Gegenteil: Da reißen sie mir in der Opposition eher den Kopf ab und lassen mich am ausgestreckten Arm verhungern. Aber auf der Bühne werde ich von meinen Fans geliebt – einfach nur dafür, dass ich gerade da bin und ein bisschen singe.

Interview:

Kimberly Hoppe

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