Christine Kaufmann: Heiße Whisky-Küsse mit Henry Miller und die Trennung von Tony Curtis

Zweiter Teil der AZ-Serie zu ihrem Buch "Liebesgeschichten“: Christine Kaufmann schreibt über den großen Schriftsteller und Dean Martin junior.
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Wilde Zeiten: Christine Kaufmann im Jahre 1974.
SchneiderPress/H.G. Kaufmann 5 Wilde Zeiten: Christine Kaufmann im Jahre 1974.
Seine Küsse schmeckten nach Whisky: Henry Miller († 1980).
imago 5 Seine Küsse schmeckten nach Whisky: Henry Miller († 1980).
„Das Küken schmeckte süß“: Christine Kaufmann über Teenie-Idol Dean Martin jr. († 1987).
imago 5 „Das Küken schmeckte süß“: Christine Kaufmann über Teenie-Idol Dean Martin jr. († 1987).
Affäre mit Folgen (v. r.): Tony Curtis (befreundet mit Dean Martin und Sammy Davis jr.) trennt sich von Christine, die sich mit dem Martin-Sohn trifft.
imago 5 Affäre mit Folgen (v. r.): Tony Curtis (befreundet mit Dean Martin und Sammy Davis jr.) trennt sich von Christine, die sich mit dem Martin-Sohn trifft.
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Anna Wakhévitch war meine geliebte Freundin. Eine junge blonde Russin mit einem sinnlich verträumten Gesicht, verheiratet mit Ted Haworth, ein mit dem Oscar ausgezeichneter Set-Designer ("Some Like It Hot“). Anna und ich waren im gleichen Alter, irgendwie müssen wir wie Entenküken zwischen Adlern gelebt haben.

Die Abendessen in diesen Tagen waren gesellschaftliche Treffpunkte – und nicht einzuladen oder eingeladen zu werden, entsprach einer Art Enthauptung. Unser lesbisches Küchenpersonal kochte vorzüglich und mein europäischer Geschmack sorgte für Eleganz und Wohlbefinden.

An diesen Abenden waren es vor allem die Autoren, die Regisseure, also die Leute hinter der Kamera, die für würzige Gespräche sorgten. Tony war ein witziger Mann, spannend und amüsant. Kombiniert mit mir, seiner merkwürdig schönen und ewig schwangeren Frau, ein Magnet und eine Kuriosität.

Henry Miller z. B. fand mich toll, weil es eine Ähnlichkeit mit Anaïs Nin gab und wir über Balzac sprechen konnten. Nach dem Essen bildeten sich kleine Grüppchen, die Männer rauchten Zigarren und in einem der Nebensalons saßen Anna und ich auf dem Boden und fragten das Ouija-Board verschiedene Dinge. Der Raum war nur von dem Licht beleuchtet, das in Streifen aus dem großen Salon fiel und die kleine Bibliothek schummrig erhellte. Wir trugen beide lange Zöpfe und lange Kleider, die weich und weit genug waren, um sich bequem und dennoch kostbar aussehend auf dem Boden zu platzieren.

Das Ouija-Board funktioniert so: Man legt die Finger auf eine kleine Holzplatte mit Füßchen und erhält die Antwort auf Fragen durch das Verschieben des Boards auf verschiedene Buchstaben. Mit geschlossenen Augen gaben wir uns der magischen Stille hin – aus dem Nebenraum perlendes Gelächter der Frauen und das Gebrumme schöner Männerstimmen.

Plötzlich fühlte ich die Wärme eines männlichen Gesichtes auf der rechten Seite. Ohne die Augen zu öffnen, drehte ich mich in Richtung Mund, ich dachte erst, es sei Tony… Obwohl! Ein etwas anderer Geruch war da und der Duft einer anderen Männlichkeit. Ich ließ den Kuss zu. Er war schön, ein erfahrener, männlicher Kuss.

Das Ende kam in Tanzschritten daher. Versüßt durch die Küsse eines 17-Jährigen. Vorbei die Zeit als Gastgeberin, vorbei die Zeit ohne Sex und Lust. Die Musik der 60er war keine Musik zum Zuhören. Es war Musik zum Tanzen und zum Ausbrechen.

Der Hedonismus war auferstanden mit Schlaghosen. Der Teufel gab einen Ball, wer mochte nicht auf der Gästeliste stehen?

Nachts entführte mich ein neuer Begleiter, Steve, der nach Sharon Tates Tod Selbstmord begehen sollte. Wir suchten Kaschemmen auf, in denen Bands den neuen Zeitgeist eintrommelten. Die Musik, aufpeitschend und archaisch, machte aus mir, der braven Hausfrau, eine Voodoo-Tänzerin.

Plötzlich gab es einen neuen Club, in dem man sich traf: The Factory. Eine ehemalige Fabrik in Santa Monica. Mein nächtlicher Wallfahrtsort. Janet Leigh, Tonys erste Frau, stand eines Nachts vor mir. Wir fielen uns wortlos in die Arme. Meine Trennung von Tony war stadtbekannt und wir umarmten uns wie Schwestern. Waren wir doch zwei von Blaubarts Frauen, die ihn überlebten.

Ein blonder Jüngling saß eines Nachts an meinem Tisch und warf mir unmissverständliche Blicke zu. Dean Martin junior, damals ein bekannter Teenie-Popstar. Er war 17 und fand mich schön. Dean Martin, der Sänger, sein Vater und ein Freund von Tony. Ich griff zu, das 17-jährige Küken schmeckte süß. Es gab stundenlanges Geschmuse, alles, was ich vermisst hatte. Das Kindsein, die Pubertät, Vertrauen, Angstlosigkeit… Ich wusste, diese Beziehung würde das Ende meiner Ehe besiegeln, weil es Tonys Ego anschoss.

Dabei war es ganz unschuldig, kindhaft. Manchmal spielte Dean junior im Garten seines Hauses Gitarre und ich tanzte im Mondlicht. Wir trafen uns jeden Abend, nachdem die Kinder schliefen, von ihrer Nanny betreut. Ich lief aus dem Haus und hüpfte im Minikleid (Valentino ade!) über den Rasen, stellte mich neben das große Tor und irgendjemand ließ mich raus.

Einige Stunden später kam ich nassgeschwitzt zurück. Irgendjemand ließ mich wieder rein. Das Ausgehen hatte Folgen, die ich herbeisehnte. Eines Nachmittags rief Tony mich aus Las Vegas an. Hier das exakte Gespräch: TC: "Ich höre, du gehst mit Dean Martin junior aus?“ Ich: "Ja.“ TC: "Ich will, dass du mein Haus verlässt.“ Ich: "Morgen ziehe ich aus.“ TC: "Du darfst nichts mitnehmen.“ Ich: "Du kannst dir die Picassos, Sofas, Kunstwerke und Schmuck in den Arsch stecken, ich nehme nur die Kinder und meine Kleider, der Rest gehört dir.“ TC: "Die Kinder werde ich dir auch noch wegnehmen.“

Morgen lesen Sie: Warren Beatty ist für Christine Kaufmann der rücksichtsvolle Liebhaber – und Eric Clapton der erste langhaarige Liebhaber.

Christine Kaufmann über Tony Curtis:

 

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