Buch von Christine Kaufmann: Es geht um Sex mit Tony Curtis

AZ exklusiv: Das amouröse Vermächtnis von Christine Kaufmann († 72). Im ersten Teil schreibt sie über ihre erste Liebe Tony Curtis.
| Kimberly Hoppe
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Auf der Via Veneto: Christine mit ihrer Mutter Genevieve.
dpa 6 Auf der Via Veneto: Christine mit ihrer Mutter Genevieve.
Glamour-Paar: Tony Curtis und Christine Kaufmann umlagert in Rom 1965.
dpa 6 Glamour-Paar: Tony Curtis und Christine Kaufmann umlagert in Rom 1965.
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Christine Kaufmann mit Kimberly Hoppe (r.), Claudia Karl-Fischer und Tanja Gassenhuber (l., beide Verlag Attenkofer).
Privat 6 Christine Kaufmann mit Kimberly Hoppe (r.), Claudia Karl-Fischer und Tanja Gassenhuber (l., beide Verlag Attenkofer).

Vier Jahre lang arbeitete Christine Kaufmann († 72, "Monaco Franze") an diesem Buch. Es lag ihr besonders am Herzen, sollte ein freches Fazit ihrer amourösen Abenteuer sein. Lebendig, vor Energie und Lebenslust sprühend – so wie sie es immer war. Eine Woche, nachdem "Liebesgeschichten", das am 20. Mai in der Abendzeitung München Collection (Verlag Attenkofer) erscheint, fertig war, starb die Münchner Schauspielerin mit den Weltruhm-Wurzeln an den Folgen ihrer Leukämie-Erkrankung.

Die AZ druckt exklusiv Auszüge. Im ersten Teil schreibt sie über ihre erste große Liebe, Hollywood-Legende Tony Curtis († 2010, "Manche mögen’s heiß"), in den sie sich mit gefährlich jungen 16 Jahren verliebte, und der sie ihrer Mutter "abkaufen" sollte.

Meine Üppigkeit, gepaart mit naiven Augen, und eine gewisse Fremdartigkeit transformierten mich in Italien zu einem Zuckerwatte-Star.

Plötzlich kam das Angebot für eine Hauptrolle in einem Hollywood-Schinken. Schon der Flug alleine nach Argentinien war der Beginn einer schicksalhaften Reise. Etwa fünf Tage vor meiner Mutter würde ich alleine nach Argentinien fliegen, sie musste wegen Visaproblemen ein paar Tage warten. So flog ich, eine vollbusige Ware, mit Ende 16 zum ersten Mal überhaupt alleine irgendwohin. Am Ende dieser Reise nach Salta in Argentinien sollte das Schicksal mit weit geöffnetem Maul auf mich warten. Ein knappes Jahr später würde Tony Curtis mich meiner Mutter abkaufen. In Buenos Aires wurde ich mit einer Limousine abgeholt, behandelt mit jener liebevollen herzlichen Professionalität, die man in Hollywood potenziellen Stars angedeihen lässt. Die Flüge waren alle schrecklich, aber nicht fatal.

Glamour-Paar: Tony Curtis und Christine Kaufmann umlagert in Rom 1965.
Glamour-Paar: Tony Curtis und Christine Kaufmann umlagert in Rom 1965. © dpa

Und im Hotel in Salta klopften zwei Männer (Tonys Boten) an die Tür. Ich öffnete nur mit einem Handtuch bedeckt und bekam eine Einladung zum Abendessen. Morgen nach den Dreharbeiten lud mich TC ein. Wunderbar. Warum auch nicht? Am nächsten Tag drehten wir als Erstes eine Liebesszene. Wie so oft hieß das "Küsse mit einem Fremden". Danach wurde ich auf einem Scheiterhaufen verbrannt, nicht ganz, denn Tony als Sohn von Taras Bulba (Yul Brynner) rettete mich. Der Rest des Filmes sollte in Hollywood gedreht werden. Eine filigrane Argentinierin, vielleicht eine Assistentin, begleitete mich abends zu Tonys Haus.

Im Inneren des Hauses war ein langer Tisch aus dunklem Holz. Darauf stand eine Schale mit weißen Kamelien. Es lief Miles Davis’ "Bilder einer Ausstellung". Das bemerkte ich zu Tony. Wir aßen (nicht viel) und plötzlich waren die anderen Gäste weg.

Vor der Kamera hatten wir uns ja schon geküsst und so folgte für mich der Liebesakt mit einem Mann, bei dem ich nie das Gefühl hatte, dass wir etwas anderes sind als EIN Mensch. Die dunklen Haare, die samtige Haut, die blauen Augen, die Lust an philosophischen Gesprächen, welche nie in der Wirklichkeit landeten. Am nächsten Tag bestieg er das Schiff zurück nach Amerika. Meine Mutter kam an und hörte den Klatsch. Es muss für sie gewesen sein, als ob sie ein Schwarm von Krähen angreift.

1963 fing das Rennen an. Der erbitterte Zweikampf um die Beute. Beide Kämpfer waren charmant mit blitzenden Augen, schnellem Geist und einer gefährlichen Waffe ausgestattet. Der Monomanie.

"Direkt nach der Hochzeit wurde ich schwanger"

Die Beute, ich, war aus einem merkwürdigen Material beschaffen. Ich hatte mich als kleines Kind in mein Inneres gerettet. Und das verlieh mir, nun mit sexuellen Attributen ausgestattet (mit dichtem dunklen Haar und großen Brüsten), geschmückt durch meinen eigenen Golden Globe, das alles verlieh mir eine strahlende Uneinnehmbarkeit. Ich war für Tony quasi unwiderstehlich, denn er interessierte mich nicht wirklich. Längst hatte ich die Sehnsucht nach Geborgenheit aufgegeben und nahm daher sein Spiel mit der üblichen inneren Distanz auf. Tony folgte mir nach Berlin und zeigte sich mit mir.

Mein Alter, noch nicht 18, war in Europa nicht so gefährlich wie in den USA. Da nennt man Mädchen unter 18 Jail Baite (= Gefängnisköder). In Deutschland hingegen war ich nunmehr eine junge Schauspielerin, die in den USA einen Preis gewonnen und einen Star als Verehrer hatte. Für einen Film verdiente ich jetzt 50.000 Mark und in Hollywood warteten schon der nächste Film und die nächste Gage. Es lag nun etwas in der Luft, das meine Mutter zu einem besonderen Schritt veranlasste.

Es war klar, Tony wollte mich unbedingt heiraten und ich würde im Gegenzug dafür keine Filme mehr drehen müssen. Das bedeutete für mich keine Angst mehr vor dem Versagen, vor den missbilligenden Blicken meiner Mutter und dem vielfältigen Neid, der auf mich prasselte wie giftiger Regen auf einen zu kleinen Schutzanzug.

Mein Preis war die Freiheit. Meine Mutter stellte mir daher eine Rechnung für alles, was seit meiner Kindheit für mich ausgegeben wurde. Bei ihrer Abrechnung fehlten noch 10.000 Dollar, abgesehen von dem ganzen Geld, das sie ohnehin eingesteckt und von dem sie nichts zur Seite gelegt hatte. Aber das reichte ihr nicht. Daher noch ein gemeinsamer, angespannter Flug nach Los Angeles. Dort bekam sie 50 Prozent meiner Gage von Tony vorgestreckt. Danach flog sie zurück nach Europa und baute Häuser in Mallorca. Ich machte noch einen letzten Film mit Tony und wurde direkt nach der Hochzeit schwanger. (...)

Falls der geneigte Leser folgende Frage hat: "Wie ist ein Gott im Bett?" Das kann ich nicht beantworten, am ehesten eignet sich ein Vergleich mit griechischen Sagen. Zeus will Danaë befruchten und verwandelt sich in goldenen Regen.
So war es für mich, ich wurde schwanger, ohne zu ahnen, was Sex sein kann.

Hinter den Kapiteln

Du schreibst, wie ich denke", sagt sie vor vier Jahren bei einem Treffen. "Lass uns zusammen ein Buch machen, ein freches." Durch die Arbeit entwickelt sich zwischen Christine Kaufmann und mir, der LEUTE-Kolumnistin, eine Freundschaft, die so schön wie ungewöhnlich ist. Was haben wir gewerkelt, gelacht (über das Leben an sich und die Liebe im Besonderen) und geflucht (über Computer-Abstürze).

Christine Kaufmann mit Kimberly Hoppe (r.), Claudia Karl-Fischer und Tanja Gassenhuber (l., beide Verlag Attenkofer).
Christine Kaufmann mit Kimberly Hoppe (r.), Claudia Karl-Fischer und Tanja Gassenhuber (l., beide Verlag Attenkofer). © Privat

Wenige Tage vor ihrem Tod ist das Buch fertig geworden, gestern ist es frisch aus der Druckerei gekommen. Als ich es in den Händen hielt, musste ich schlucken. Aber ich weiß: Christine würde es lieben. Es wird sie lebendig halten.

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