BSW-Politikerin schockt Lanz mit Aussage über Sahra Wagenknecht: "Sie sprechen nicht direkt miteinander?"

Die Kritik an Sahra Wagenknecht wächst. Bei "Markus Lanz" stichelte BSW-Politikerin Katja Wolf offen in Richtung ihrer Parteigründerin. Als der ZDF-Moderator mehr über den direkten Austausch mit Wagenknecht erfahren wollte, wurde er von Katja Wolf mit einer ehrlichen Aussage überrascht.
Natascha Wittmann |
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BSW-Politikerin Katja Wolf warnte bei "Markus Lanz" vor einer AfD an der Macht, während sie den Begriff der Brandmauer kritisch beleuchtete.
ZDF / Cornelia Lehmann 3 BSW-Politikerin Katja Wolf warnte bei "Markus Lanz" vor einer AfD an der Macht, während sie den Begriff der Brandmauer kritisch beleuchtete.
Im Gespräch mit dem ZDF-Moderator gewährte Katja Wolf einen überraschend ehrlichen Einblick in ihre Beziehung zu Sahra Wagenknecht.
ZDF / Cornelia Lehmann 3 Im Gespräch mit dem ZDF-Moderator gewährte Katja Wolf einen überraschend ehrlichen Einblick in ihre Beziehung zu Sahra Wagenknecht.
Journalistin Anne Hähnig (Bild) erklärte, dass Sahra Wagenknecht Anti-Mainstream sein wolle und kein Interesse daran habe, "eine Regierung mitzutragen".
ZDF / Cornelia Lehmann 3 Journalistin Anne Hähnig (Bild) erklärte, dass Sahra Wagenknecht Anti-Mainstream sein wolle und kein Interesse daran habe, "eine Regierung mitzutragen".

Am 6. September findet in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl statt. Kurz vor dem Urnengang sorgte ausgerechnet BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht für Wirbel. Sie brachte einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten ins Spiel - notfalls auch mit Stimmen der AfD. Damit setzte Wagenknecht ihre Linie fort, die "Brandmauer"-Debatte neu zu drehen. Doch im BSW ist diese Haltung umstritten. Bei "Markus Lanz" nahm der Moderator gleich zu Beginn das spannungsreiche Verhältnis zwischen BSW-Politikerin Katja Wolf und der Parteigründerin ins Visier. Er wollte wissen: "Sie und Frau Wagenknecht, wie würden Sie dieses Verhältnis eigentlich beschreiben?"

Wolf antwortete ausweichend: "Wir würden nicht zusammen in den Urlaub fahren oder jeden Abend miteinander telefonieren." Lanz hakte prompt nach: "Wann haben Sie sie das letzte Mal gesprochen?" Nach kurzem Zögern erklärte Katja Wolf schließlich: "Vor dem Parteitag im letzten Jahr." Auf Lanz' Nachfrage präzisierte sie: "Am 26. April, wenn ich mich recht entsinne."

Der Moderator zeigte sich sprachlos: "Wow! Also vor anderthalb Jahren, ja?" Wolf nickte, schob aber hinterher, dass es Videokonferenzen gebe, die zum parteiinternen Austausch beitragen würden: "Also ich will jetzt keinen falschen Eindruck erwecken." Lanz blieb dennoch fassungslos: "Sie sprechen nicht direkt miteinander?" Die BSW-Politikerin antwortete knapp: "Selten." Lanz bohrte nach, ob sie bei einem Anruf von Wagenknecht ans Telefon gehen würde. Katja Wolf stellte klar: "Natürlich!"

"Warum rufen Sie sie nicht an?"

Der ZDF-Moderator konterte irritiert: "Warum rufen Sie sie nicht an?" Wolf begründete das knapp mit ihren Prioritäten: "Ich habe Thüringen im Fokus. Ich habe meine Aufgaben in Thüringen. Frau Wagenknecht ist Vorsitzende der Grundwertekommission im Moment." Lanz hielt jedoch dagegen: "Das ist die Gründerin Ihrer Partei!"

Auch Journalistin Anne Hähnig unterstrich, wie ungewöhnlich diese Distanz wirke: "Die Partei heißt noch 'Bündnis Sahra Wagenknecht'. Also es ist natürlich ungewöhnlich, da brauchen wir nicht drum herumreden." Wolf versuchte daraufhin, die Differenzen politisch zu erklären: "Wir haben unterschiedliche Politikansätze. Das ist deutlich geworden in den letzten Wochen und Monaten. Für mich bedeutet Politik, in Verantwortung zu gehen und etwas verändern zu wollen."

Lanz stellte daraufhin eine Frage, der Wolf sichtlich ausweichen wollte: "Wenn Sahra Wagenknecht antreten würde als Ministerpräsidentin in Thüringen, würden Sie sie wählen?" Die Finanzministerin Thüringens blockte ab: "Die Frage stellt sich nicht!" Doch Lanz ließ nicht locker: "Ich habe sie ja gerade gestellt." Wolf beharrte: "Für mich stellt sich die Frage nicht. (...) Wir haben in Thüringen eine absolut stabile Landesregierung."

Als Wolf weiter argumentierte, fiel ihr Lanz ins Wort: "Sie weichen der Frage aus!" Die Politikerin wiederholte: "Die Frage stellt sich nicht!" Erst als Lanz nochmals nachsetzte, sagte Wolf trocken: "Es gibt überhaupt keinen Grund, eine stabil und gut arbeitende Landesregierung infrage zu stellen. Warum sollte ich das tun?"

"Die Partei ist wirklich zerrüttet"

Im Laufe der Sendung machte Journalistin Andrea Maurer deutlich, wie "verfahren" die Lage im BSW sei. "FAZ"-Journalist Reinhard Bingener stimmte zu: "Die Partei ist wirklich zerrüttet." Anne Hähnig sprach derweil von einem "strategischen Dilemma": "Die einen wollten Anti-AfD sein - da zähle ich Katja Wolf dazu, aber auch noch andere. Sie haben gesagt: 'Wir gehen ins BSW, um Björn Höcke zu verhindern'. Bei Sahra Wagenknecht war aber klar: Sie will Anti-Mainstream sein. Das war sie schon immer."

Hähnig spitzte weiter zu: Wagenknecht gefalle sich nicht in der Rolle, "eine Regierung mitzutragen, sondern Sahra Wagenknecht will tagsüber Hegel und Marx lesen, und abends in einer Talkshow die Bundesregierung kritisieren". Das Konfliktpotenzial sei daher laut der Journalistin früh erkennbar gewesen: "Dass das clashen würde", sei demnach bereits 2024 absehbar gewesen. "Und es gehörte auch wirklich ein bisschen Ignoranz dazu, um das alles wegzudrücken und nicht sehen zu wollen."

Lanz zeigte sich derweil mit Blick auf Wagenknechts Kurswechsel gegenüber der AfD ernüchtert: "Ich erinnere mich an so viele Gespräche hier mit Sahra Wagenknecht, die immer (...) sagte: Auf gar keinen Fall mit Rechten. (...) Jetzt passiert's offenbar doch." Katja Wolf räumte ein: "Ich habe ihr das auch geglaubt." Gleichzeitig kritisierte sie den Begriff Brandmauer: "Ich persönlich hadere ein bisschen auch mit dem Begriff Brandmauer, weil er eine Unschärfe in die Debatte bringt."

Auf Lanz' Nachfrage erklärte Wolf, es brauche ein Umdenken, "weil die Brandmauer benutzt wird in unterschiedlichen Zusammenhängen". Das Prinzip, nicht miteinander zu sprechen, sei "wirklich der falsche Weg". Zudem störe sie, dass der Begriff ideologisch aufgeladen sei: "Das stört mich an diesem Begriff, weil alles, was ideologisch überlagert ist, am Ende eine Debatte irgendwie auch kaputt macht".

Gleichzeitig zog Wolf eine rote Linie: "Für mich ist die Grenze das direkte in die Macht Verhelfen der AfD. Das darf nicht passieren." Lanz fragte deshalb zum Schluss: "Wenn diese Grenze überschritten werden würde, würden Sie rausgehen aus dem BSW?" Wolf blieb jedoch ausweichend: "Ich halte es tatsächlich für undenkbar."

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