Boris Becker meint: An Alexander Zverevs Tiefpunkt "ist mit ihm psychologisch irgendwas passiert"

Mit 29 Jahren ist bei Alexander Zverev offenbar der Erfolgs-Knoten geplatzt. "Warum erst jetzt?", fragt sich Tennis-Legende Boris Becker in seinem Podcast - und gibt als Antwort einige interessante Beobachtungen zu Protokoll.
von  Jens Szameit
Boris Becker (rechts) staunt über den Wandel des deutschen Tennis-Stars Alexander Zverev.
Boris Becker (rechts) staunt über den Wandel des deutschen Tennis-Stars Alexander Zverev. © Getty Images (Collage)

Das Wimbledon-Finale gegen den Italiener Jannik Sinner konnte Alexander Zverev nicht gewinnen. Dennoch hat sich in der Tenniswelt die Beobachtung etabliert: Der Hamburger hat sich als Sportler mit 29 Jahren noch mal neu erfunden.

Mit seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den French Open Anfang Juni sei von Zverev "eine Last gefallen", glaubt Boris Becker. Das sei während der Turnier-Wochen in Wimbledon nicht zu übersehen gewesen: "Er war leichtfüßig, er war sogar charmant in den Interviews, man hat ihn nicht nervös gesehen", sagte der Ex-Weltklassespieler im Podcast "Becker Petkovic". Die Frage, die sich stelle, sei nur: "Warum erst jetzt?"

Die Antwort sucht der dreifache Wimbledon-Champion im Psychologischen: "Da ist irgendwas passiert mit ihm, zwischenmenschlich, privat, beruflich", grübelt Becker im Gespräch mit Ex-Tennis-Star Andrea Petkovic. Dass Zverev heute variabler und offensiver spiele, führt er vor allem auf das frustrierende letzte Jahr zurück.

Becker über Zverev: "Man kann ihn auf seinem Telefon nicht mehr erreichen"

"Ich kann mich noch an die Pressekonferenz in Wimbledon erinnern", erklärt Becker. Nach seinem Erstrunden-Aus 2025 hatte Zverev mentale Probleme eingestanden. Er fühle sich einsam, seine damals vierjährige Tochter Mayla nannte er als einzige Person, die ihn glücklich mache. Nach diesen Worten habe er ihn "umarmen" wollen, gibt Becker im Podcast zu verstehen. Heute glaubt er: "Nachdem er die erste Runde verloren hatte, ist mit ihm psychologisch irgendwas passiert."

Aus eigener Erfahrung wisse Becker, dass nach zehn, elf Jahren auf der Profi-Tour der Punkt komme, an dem es "nicht den ganzen Tag nur um Tennis gehen" könne. Er selbst habe gemerkt: "Ich brauche ein privates Leben außerhalb des Tennisplatzes, das mich auffängt, das mich auch liebt, wenn ich verloren habe."

Einen ähnlichen Sinneswandel glaubt er aktuell bei Zverev zu beobachten, der seit 2021 mit TV-Moderatorin Sophia Thomalla liiert ist: "Er macht es jetzt clever, man kann ihn einfach auf seinem Telefon nicht mehr erreichen, inklusive seiner Partnerin nicht." Dieses Aus-der-Welt-Sein sei gleichwohl nur eine "Vortäuschung falscher Tatsachen". Zverev, so Becker, könne sich nicht ewig in seinem "Mietshaus verbarrikadieren" oder "so tun, als gäbe es den Rest der Welt nicht".

Deswegen, glaubt Becker, habe Zverev noch ein Zeitfenster von eineinhalb bis zwei Jahren, in dem er aus seiner aktuellen Top-Form sportliches Kapital schlagen könne. Danach müsse es "eine Veränderung geben".

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