Auf der "Kinderwiesn" mit Regine Sixt: So tickt Münchens Mietwagen-Königin mit Herz

Vom Münchner Familienunternehmen zum Weltkonzern: Mit ihrem Mann baute Regine Sixt ein echtes (Auto-)Imperium auf und setzt sich mit ihrer Regine-Sixt-Kinderstiftung "Tränchen trocknen" seit Jahrzehnten für Kinder weltweit ein. Doch was treibt die engagierte Münchner Unternehmerin an und um? Die AZ hat nachgefragt.
Franziska Hofmann |
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Immer nah dran an den Kindern: Regine Sixt (M.) mit Henry, seiner Mama (r.), Astrid Simader (l., Hauner-Verein) und Prof. Dr. Florian Hoffmann (Chefarzt am Dritten Orden München-Nymphenburg) bei der Kinderwiesn 2026.
Immer nah dran an den Kindern: Regine Sixt (M.) mit Henry, seiner Mama (r.), Astrid Simader (l., Hauner-Verein) und Prof. Dr. Florian Hoffmann (Chefarzt am Dritten Orden München-Nymphenburg) bei der Kinderwiesn 2026. © SIXT

Montag, kurz nach 12 Uhr auf der Münchner Theresienwiese. Das Schützenzelt ist gut gefüllt. Nur ein Tisch – ausgerechnet in der begehrten Hausbox – ist leer. Das Besteck ist fein säuberlich in Servietten eingerollt, die Teller sind unbenutzt.

Die Frau, der der Tisch gehört, sitzt. Allerdings nicht, wo sie eigentlich sollte. Denn Regine Sixt will lieber bei den knapp 200 Kindern im Mittelschiff des Schützenfestzelts sein

Bereits zum 26. Mal hat die Mietwagen-Königin am zweiten Wiesn-Montag traditionell zu "Regines Kinderwiesn" ins Schützen-Festzelt geladen. Wo noch eine Woche zuvor knapp 1500 hochkarätige Damen aus Wirtschaft, Politik und Medien bei der legendären Sixt-Damenwiesn mit Andreas Gabalier gefeiert haben, parken am Montag Rollstühle und Kinderwagen neben Bierbänken.

Seit 26 Jahren: Regine Sixt lädt 200 Kinder auf die Wiesn ein

Für ihre Stiftung "Tränchen trocknen" lädt die umtriebige Unternehmerin seit über einem Vierteljahrhundert knapp 200 Kinder aus 14 sozialen und medizinischen Einrichtungen ein, mit ihr auf der Wiesn zu feiern, zu essen und Fahrgeschäfte zu fahren – erstmals heuer mit dabei: sogar Kinder der Berliner Charité, die eigens für die Wiesn-Einladung nach München gereist waren. Für viele der schwerkranken kleinen Gäste ist es die erste und oft auch die einzige Möglichkeit, die Wiesn einmal live mitzuerleben. "Anfangs schauen sie oft noch etwas staunend und zurückhaltend, denn so viele Eindrücke auf einmal wollen erst einmal verarbeitet werden", beschreibt es die Gastgeberin selbst der AZ. "Aber spätestens beim ersten Clown bricht das Eis."

Ähnliches berichtet Astrid Simader vom Hauner-Verein in München. Simader und ihre Kollegin Guggy Borgolte sind heuer mit 15 Kindern, die im Haunerschen Kinderspital in München mit teils schweren chronischen Erkrankungen behandelt werden, zur Kinderwiesn gekommen. "Henry konnte ein paar Tage vorher nicht schlafen, weil er sich so gefreut hat", erzählt Astrid Simader der AZ am Rande des Trubels im Schützenzelt.

Doch woher rührt das unermüdliche Engagement der Münchner Mietwagen-Königin für die Kleinsten in der Gesellschaft? Und wer steckt hinter dem berühmten Sixt-Schriftzug, der so vielen Menschen tagtäglich auf den Autobahnen oder Flughäfen dieser Welt begegnet?

Regine Sixt steigt 1975 in das Unternehmen ihres Mannes ein

Regine Sixt steigt 1975 in das Unternehmen ihres Ehemanns, Erich Sixt, ein. Letzterer hatte das Familienunternehmen 1969 von seinem Vater Hans Sixt übernommen. Dass sich die Flotte binnen der nächsten Jahre und Jahrzehnte auf die beachtliche Zahl von knapp 197.000 Mietfahrzeugen (Stand 2025) vergrößern sollte, hat entscheidend mit der Strategie zu tun, die Regine Sixt und Ehemann Erich für ihr Unternehmen verfolgen.

Regine Sixt vor Jahren bei einem Osterbesuch der Münchner Kliniken.
Regine Sixt vor Jahren bei einem Osterbesuch der Münchner Kliniken. © Regine Sixt Kinderstiftung

Von Leadership Award bis Verdienstorden: Zahlreiche Preise für Regine Sixts Engagement

Regine Sixt ist von Beginn an weitaus mehr als die "Frau von" und formt mit ihrem Einstieg ins Familienunternehmen an der Seite ihres Mannes das "bayerische Traditionsunternehmen zum Weltkonzern", so drückt es Burkhard Riering, Herausgeber der Automobilwoche, aus, als er die Unternehmerin Anfang des Jahres mit dem "Automobilwoche Leadership Award" auszeichnet.

Es ist nur einer von vielen Preisen, die die Mietwagen-Königin über die Jahre für ihre unternehmerische, aber auch ihre karitative Tätigkeit mit der Regine-Sixt-Kinderstiftung "Tränchen trocknen" erhält. Unter den zahlreichen Ehrungen findet sich etwa auch der Bayerische Verdienstorden (2011) oder die Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem vereinten Europa (2014).

Regine Sixt: "Ich wollte immer so sein wie Unicef"

"Die Kinderhilfe und Sixt sind in München geboren und in der Welt zu Hause", drückt es Regine Sixt selbst aus. "Ich habe mich schon immer besonders um an Krebs erkrankte Kinder gekümmert, zuerst durch meine Kinderhilfe e.V. Und ich sah die Chance, durch Sixt eine weltweite Stiftung zu etablieren. Ich wollte immer so sein wie Unicef. Von der Bandbreite sind wir auf einem guten Weg." Inzwischen ist die Stiftung in mehr als 110 Ländern präsent.

Die nächste Generation: Alexander und Konstantin Sixt führen heute die Geschäfte

Während Erich Sixt seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Sixt SE ist, wird das operative Geschäft von den Söhnen des Unternehmer-Paares, Alexander und Konstantin Sixt, geführt. Ihnen hat es Regine Sixt auch zu verdanken, dass zwei Frauen in ihr Leben gekommen sind: Schon heute unterstützen die Schwiegertöchter Andrea und Noni Sixt ihre Schwiegermutter tatkräftig bei der Arbeit für die Regine-Sixt-Kinderstiftung "Tränchen trocknen".

Die nächste (Sixt-)Generation: Mietwagen-Königin Regine Sixt und ihre Schwiegertöchter Noni (r.) und Andrea Sixt (l.) bei der Damenwiesn 2025.
Die nächste (Sixt-)Generation: Mietwagen-Königin Regine Sixt und ihre Schwiegertöchter Noni (r.) und Andrea Sixt (l.) bei der Damenwiesn 2025. © Foto: S. Brauer/BrauerPhoto

Schwiegertochter Noni Sixt: "Gerade als Mutter bewegen mich die Schicksale"

Noni Sixt etwa schleppt sich am zweiten Wiesn-Montag sogar trotz Sportverletzung am Fuß auf die Festwiese. "Gerade als Mutter bewegen mich die Schicksale, die einem hier bei 'Regines Kinderwiesn' begegnen, sehr", sagt sie der AZ. Umso schöner für die Ehefrau von Konstantin Sixt: "Zu sehen, wie glücklich die Kinder sind, die sich schon ein Jahr im Voraus freuen, bei 'Regines Kinderwiesn' dabei zu sein. Ein Hendl im Festzelt essen, Fahrgeschäfte fahren – das ist für unsere Kinder vielleicht ganz normal, aber für diese Kinder oft nicht."

Und das Engagement geht sogar noch eine Generation weiter: "Vergangenes Jahr waren meine Kinder auch mit dabei und total angetan. Sie begleiten mich auch oft in die Waisenhäuser und Institutionen. Das hatten wir gar nicht erwartet, dass sie schon so viel Interesse an der Stiftung zeigen."

Regine Sixt erinnert sich: Seinen Wunsch erfüllte sie zuerst

Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 (zunächst noch als Verein) hat die Regine-Sixt-Kinderstiftung "Tränchen trocknen" über 440 Projekte in über 70 Ländern realisiert. An ein prägendes Erlebnis erinnert sich Regine Sixt bis heute: "Wir haben nach Tschernobyl an Krebs erkrankte Kinder nach München geholt. Auf der Kinderkrebsstation traf ich einen Jungen, den kleinen Christopher, der furchtbar weinte. Als ich mich auf seine Bettkante setzte, fragte er mich: Warum trocknest du nicht meine Tränen? Das tat ich dann. Er wollte einmal zum Formel-1-Rennen. Sein Traum war es, Michael Schumacher zu treffen. Das habe ich dann möglich gemacht. Er saß mit Schumacher im Rennauto."

Von Kreißsaal bis Lebensmittelpaket: Aktuelle Projekte der Regine-Sixt-Kinderstiftung

Sein Wunsch war der erste von vielen, den die Unternehmerin in all den Jahren erfüllen konnte. Ein Ende? Ist für Regine Sixt noch lange nicht in Sicht – im Gegenteil: Aktuell unterstützt die Stiftung im Nordwesten Kenias etwa den Bau eines neuen Kreißsaals mit OP-Funktion ("Bisher müssen Notfälle mehr als 150 Kilometer in das nächste Krankenhaus gefahren werden") oder hilft nach der Flutkatastrophe in Nepal mit Lebensmittelpaketen und kinderfreundlichen Schutzräumen.

"Ich sage allen, wenn wir glauben, unsere Aufgabe wäre endlich erfüllt und unsere Anstrengungen hätten sich gelohnt, taucht sehr oft die innere Leere auf. Deshalb müssen wir alles dafür einsetzen, dass unsere Stiftung gedeiht und weiterwächst. Damit wir helfen, dass es Tausenden von Kindern besser geht auf der Welt."

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