Antje-Katrin Kühnemann: "Ich gendere nicht!"

TV-Ärztin Kühnemann ist emanzipiert, aber mag keine "-in" oder "-innen". Warum sie strikt gegen diese "Verniedlichung" ist.
| Kimberly Hagen
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Das Gendern hat in ihren Augen nichts mit Emanzipation zu tun: Antje-Katrin Kühnemann.
Das Gendern hat in ihren Augen nichts mit Emanzipation zu tun: Antje-Katrin Kühnemann. © imago images/Eventpress

München - Sie war mit gerade mal 20 Jahren die jüngste deutsche Fernsehansagerin beim BR, setzte sich früh für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein und leitete unzählige Symposien zum Thema Frauen in Führungspositionen, als das alles noch kein großes Thema und der Gegenwind umso stärker war.

Antje-Katrin Kühnemann: "Das ist keine Emanzipation, sondern ein Rückschritt" 

Doch heute sagt die langjährige wie beliebte TV-Ärztin Antje-Katrin Kühnemann (76, "Die Sprechstunde") zur AZ diesen Satz, der in vielen Ohren zunächst verwirrend klingen mag: "Ich gendere nicht!"

Mehr noch: "Ich freue mich, als Frau denselben Beruf wie ein Mann ergreifen zu können - da will ich doch nicht auf eine Verniedlichung mit -in und -innen reduziert werden. Das ist keine Emanzipation, sondern ein Rückschritt. Wer wirklich emanzipiert ist, sollte in meinen Augen darüber stehen."

"...dabei passiert auch viel grauseliger Schmarrn"

Sie sei Doktor: "Es gibt ja schon länger die Ärztin und den Arzt, aber ich bleibe Frau Doktor - und nicht Frau Doktorin. Für mich ist das eine Berufsbezeichnung genauso wie beispielsweise Minister, keine Geschlechterzuweisung. Bloß, weil kein -in anhängt, muss ich mich nicht auf den Schlips getreten fühlen. Ich weiß, dass die Zeiten sehr aufgeregt sind und dass viele alles besonders richtig machen wollen. Doch dabei passiert auch viel grauseliger Schmarrn."

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Aber, wie Kühnemann ergänzt: "Viele TV-Moderatoren - damit meine ich auch weibliche - machen diese lange Kunstpause, die ich als besonders störend empfinde, weil sie unsere schöne Sprache und den Redefluss verhohnepipelt. Wenn man schon gendern will, sollte man sich bitte die Sekunde Zeit nehmen und etwa sagen: liebe Zuschauerinnen und Zuschauer. Und nicht: liebe Zuschauer...innen."

Kühnemann deutlich: "Ich bin keine -innen. Und ich verstehe nicht, warum das viele Frauen so klaglos hinnehmen oder gar toll und unterstützenswert finden. Ist das kleine Wort -innen der große Erfolg, der uns von jahrzehntelangem Einsatz für mehr Frauenrechte bleibt? Na, bravo. Das wäre äußerst schade und bedauerlich."

Antje-Katrin Kühnemann: Das denkt sie über die Frauenquote

Genauso absurd findet sie das Gendersternchen: "Diversgeschlechtliche Personen brauchen mehr, was sie in der Akzeptanz weiterbringt - als ein Sternchen."

Zum Thema Frauenquote hat sie eine ebenfalls klare Meinung: "Es sollte der Mensch den Job bekommen, der am besten geeignet ist - ganz egal, welches Geschlecht. Will ich als Frau eine gute Position ergattern, bloß, weil ich eine Frau bin? Das würde ich als diskriminierend empfinden."

"Ich liebe Männer, die die Tür aufhalten. Bin ich deshalb unmodern?"

Kühnemann, die mit ihrem geliebten Mann, Unternehmer Jörg Gühring (starb im Januar), oft über diese Themen gesprochen hat, hofft auf ein "bisserl Vernunft" der Menschen: "Früher konnten wir uns verständigen, ohne uns wegen angeblich fehlender politischer Korrektheit verbal an die Gurgel zu gehen. Ob wir Straßennamen umbenennen, Schachbretter nicht mehr schwarz-weiß sein sollten - es nimmt bisweilen verrückte Formen an. Ich liebe Männer, die mir die Tür aufhalten. Bin ich deshalb unmodern und ein altbackenes Frauchen? Nein, ich lege einfach Wert auf gutes Benehmen."

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