Als Kind im KZ: Franz Herzog von Bayern spricht über Horror-Erlebnisse

Bereits in jungen Jahren musste Franz Herzog von Bayern eine der schrecklichsten Zeiten der Menschheitsgeschichte miterleben. Er und seine Familie wurden von den Nazis ins Konzentrationslager gesteckt. Das Oberhaupt der Wittelsbacher spricht nun über seine Erfahrungen – und seine Sorgen über die Zukunft der Demokratie.
von  Sven Geißelhardt
Franz von Bayern wurde als Kind während der NS-Zeit in ein Konzentrationslager gebracht.
Franz von Bayern wurde als Kind während der NS-Zeit in ein Konzentrationslager gebracht. © imago/Rolf Poss

Millionen Menschen verloren zur NS-Zeit ihr Leben in Konzentrationslagern. Neben Juden, Menschen mit Behinderungen und queeren Personen wurden auch Widerständler und Gegner des Regimes in den Lagern interniert – wie Mitglieder der Familie Wittelsbach. Das Oberhaupt des Hauses Bayern, Herzog Franz, erlebte das KZ als Kind. In einem sehr persönlichen Interview blickt er zurück und warnt vor aktuellen Entwicklungen in der Politik und Gesellschaft.

Wittelsbacher im Konzentrationslager: Herzog Franz erinnert sich

Franz Herzog von Bayern war mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten mit seinen Eltern und drei Geschwistern nach Ungarn geflohen, da sich sein Großvater gegen Hitler gestellt hatte. "Da hat man vom Krieg nichts gemerkt", erinnert sich der heute 93-Jährige im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk zurück. "Da war ich noch in einer völlig heilen Welt für ein Kind."

Die Situation änderte sich 1944 allerdings extrem, denn die Wittelsbacher wurden von den Nazis verhaftet. Die Familie kam ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Franz von Bayern war damals elf Jahre alt. "Plötzlich war es auch für mich zu Ende und man lebte von einem Tag auf den anderen. Man hat als Kind damit gerechnet, das nicht zu überleben. Aber man war erstaunt, wie man es überlebt hat."

Obwohl das Oberhaupt der Wittelsbacher damals die wohl schlimmste Zeit seines Lebens erfuhr, fürchtete er sich nicht. "Das Merkwürdige ist: Ich habe nie eine Todesangst gehabt", sagt er dazu. "Wir wurden [ in Oranienburg, d.R. ] eingeliefert und ich erinnere mich genau, dass mir vollkommen klar war: Ich komme da nicht mehr lebend heraus. Als Kind war man aber nur neugierig. Wann wird es sein und wie wird es sein? Aber eine Todesangst hatten wir nie."

Oberhaupt von Haus Bayern warnt: "Die Geschichte kann sich wiederholen"

Die schrecklichen Erfahrungen haben Herzog Franz bis heute geprägt. Die weltweiten politischen Entwicklungen beobachtet er daher mit besonderer Sorge – und spricht eine deutliche Warnung aus: "Wir müssen immer aufpassen. Die Geschichte kann sich in Einzelheiten wiederholen, im Ganzen sicher nicht. Wir müssen uns immer klar sein, wo die Gefahren liegen. Das beginnt bei der Verrohung der Sprache und der Rücksichtslosigkeit im privaten und öffentlichen Leben bis in die Politik und Wirtschaft hinein. Wenn gewisse Grundlagen erodieren, wird es immer gefährlich, ganz egal, in welcher Form sich am Ende ein Unheil entwickelt."

Für den Wittelsbach-Chef sind Aufklärung und Erinnerung wichtig, denn in Europa sind Rechtspopulisten wieder auf dem Vormarsch. "Manchmal sehe ich die Gefahr, nicht nur in Deutschland, durch falsche Schlagworte, die einfach zünden und auf die die Menschen reinfallen", betont Herzog Franz. "Das ist sicherlich ein Punkt, bei dem man sich Sorgen machen muss."

Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch: Franz Herzog von Bayern in großer Sorge

Und was sagt der 93-Jährige zu den Entwicklungen in Deutschland? Die "Alternative für Deutschland" (AfD) wird in Teilen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und erhält aus der Bevölkerung viel Zuspruch. Franz von Bayern will dabei an seinem Grundsatz festhalten: "Ich äußere mich nicht zu einzelnen politischen Parteien." Dennoch sagt er klar und deutlich: "Ich bin absolut gegen jede Ausgrenzung, jede Verächtlichmachung von anderen Menschen und Gruppen, gegen jeden Rassismus, jeden Extremismus […] und Antisemitismus." Vor allem Letzteres bereitet dem Wittelsbacher große Sorge: "Es geht um die ganze Welt. Es hat immer geschwelt und jetzt kommt es stark an die Oberfläche."

Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen in Gesellschaft und Politik hat Franz Herzog von Bayern Hoffnung für die Zukunft – und richtet eine wichtige Botschaft an die junge Generation: "Am Ende sind sie es selbst, die ihre Zukunft bauen werden. Das sollen die jungen Leute wissen: Sie haben alle Chancen."

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