Als Horst Lichter den wahren Wert des "Bares für Rares"-Objektes erfährt, ruft er entsetzt: "Oh Gott, ehrlich?"
Mit großen Hoffnungen kamen Ingrid und Heinrich aus Ludwigshafen zu Horst Lichter in die Mittwochsausgabe von "Bares für Rares". Immerhin war ihr "schönes Gemälde" fast 200 Jahre alt. Doch als Friederike Werner das Bild genauer unter die Lupe nahm, folgte für das Paar eine ernüchternde Überraschung.
Ingrid hatte das Bild von ihrem Onkel geerbt und gestand: "Ganz ehrlich, wusste ich damals gar nicht, was es ist und wie viel das Bild eigentlich wert ist." Inzwischen wusste sie jedoch, dass es sich um etwas Besonderes handelte. Lichter wurde hellhörig: "Du vermutest, dass es wertvoll ist?" Ingrid nickte, und Heinrich bestätigte: "Richtig."
"Es sieht zumindest sehr wertvoll aus", fand Lichter. Ganz unbegründet war dieser Eindruck nicht: Eine frühere Expertise hatte den Wert des Gemäldes auf stolze 14.000 Euro geschätzt. Als Heinrich die Summe nannte, rief Lichter: "Mein lieber Kokoschinski." Ingrid betonte: "Das ist ein echter Kreul von 1832, das kann nicht jeder bieten."
Horst Lichter bittet Verkäufer: "Seid mir nicht böse"
Doch wie beurteilte Expertin Werner das Gemälde? Sie erkannte den studierten Maler Johann Friedrich Carl Kreul aus der Biedermeierzeit und Spätromantik, der zur selben Zeit wie der bekannte Maler Carl Spitzweg lebte. "Hui", reagierte auch Lichter bei dem Namen - Spitzweg war auch ihm ein Begriff.
Das Bild war auf Holz gemalt - eine Technik, die laut Werner besonders feine Darstellungen ermöglichte. Zudem war sie von der Detailgenauigkeit beeindruckt: "Man erhält fast den Eindruck, es handelt sich um eine Porzellanmalerei." Die Feinheit der Ausführung sei "kaum zu übertreffen".
Zudem dachte sie bei dem Motiv an ein bekanntes Werk: "Ich musste gleich an Friedrich Overbecks 'Italia und Germania' in der Münchner Pinakothek denken." Die Frauendarstellung erinnerte sie an das allegorische Gemälde. Doch der Titel verriet eine andere Botschaft als Freundschaft: "Der sehnsüchtig erwartete Brief."
Den genannten Brief hielt eine der Frauen in der Hand - wohl "mit einer Todesnachricht über ihren Liebsten, den sie erwartet hat", vermutete Werner wegen des schwarzen Siegels und den traurigen Blicken. Danach sprach sie den "sehr wertigen und eindrucksvollen Rahmen" an, der zwar passend zur Zeit war, aber unfein restauriert wurde.
Auch das Gemälde selbst war in keinem sehr guten Zustand, bemängelte Werner: "Lässt zu wünschen übrig." Denn auf der Bildoberfläche erkannte die Expertin "unzählige Bläschen, als würde sich der Firniss auflösen". Danach fasste Lichter zusammen: "Das müsste man alles einmal überarbeiten" und Werner nickte zustimmend.
Für Heinrich stand der Wunschpreis trotzdem fest: 10.000 Euro. Doch um ihre deutlich niedrigere Einschätzung zu begründen, holte Werner etwas weiter aus. "Vor 25 Jahren hätte man einen guten vierstelligen Betrag erhalten", doch inzwischen waren Biedermeier-Bilder auf dem Kunstmarkt deutlich weniger gefragt und hatten erheblich an Wert verloren.
Am Ende taxierte Werner nur 500 bis 600 Euro - und das sogar inklusive des historischen Rahmens. "Oh Gott, ehrlich?", wirkte auch Lichter entsetzt. "Wir sind ein wenig enttäuscht", gab der Verkäufer zu. Dafür wollten die beiden nicht verkaufen. Lichter hatte Verständnis und bat höflich: "Seid mir nicht böse."
"Bares für Rares": Das waren die weiteren Objekte der Sendung
Als weiteres Objekt der Sendung wurde ein Schreibtisch samt Rollcontainer und Stuhl von Detlev Kümmel den zwei Designern Peter Gysi und Ernst Moeckl für die Firma Horn Collection zugeschrieben. Für das Set aus den 1970er-Jahren wurden 700 Euro gewünscht, bis 1.000 Euro geschätzt und von Benjamin Leo Leo Euro 650 Euro gezahlt.
Eine außergewöhnliche Schenkkanne aus Siderolith wurde von Friederike Werner "wie ein Stück aus der Natur" beschrieben und als "wunderbarer Jugendstil" um 1900 datiert. Für das Objekt von Künstler Johann Maresch (Böhmen) wurden 500 Euro gewünscht. Die Expertin schätzte 300 bis 400 Euro und Susanne Steiger zahlte 500 Euro.
Drei Nutzfahrzeuge samt vier Anhänger aus Blech, Holz und Gummi datierte Detlev Kümmel in den 1950er-Jahren. Für das Spielzeug der bekannten Firma Steiff wünschte sich der Verkäufer 350 Euro. Der Experte schätzte das Konvolut auf 500 bis 600 Euro. Friedrich Häusser zahlte letztlich 600 Euro.
"Glitzer, Glitzer, Glitzer", beschrieb Lichter den strahlenden Cocktail-Ring, den Heide Rezepa-Zabel als Schmuck aus den 1960er-Jahren an Op-Art erinnerte. Der Wunschpreis für den Ring aus 585er Gelbgold und Diamanten (Carat 0,36) lag bei 700 Euro. Die Expertin taxierte 1.000 bis 1.200 Euro. Anaisio Guedes zahlte sogar 1.350 Euro.
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