Wildbad Kreuth: CSU-Tagungsort wird zum Wellnesshotel

Für die CSU gibt es nun endgültig kein Zurück mehr nach Wildbad Kreuth. Die Eigentümerin plant ein Gesundheits- und Wellnesshotel – obwohl sie noch kürzlich andere Pläne hatte.
| Otto Zellmer
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Wildbad Kreuth, jahrelang Heimat der CSU-Winterklausuren. Jetzt hat Herzogin Helene in Bayern andere Ideen.
dpa Wildbad Kreuth, jahrelang Heimat der CSU-Winterklausuren. Jetzt hat Herzogin Helene in Bayern andere Ideen.

Wildbad Kreuth - Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen. Die Weißwurst und der süße Senf, das wäre so ein Beispiel. Oder das Ladegerät und der Akku. Und da gibt es die CSU und Wildbad Kreuth. Dieses wunderbare Bild, wenn die Granden der Christsozialen jeden Winter aufs Neue auf ihrer Klausur durch den Schnee zur Schar der Pressevertreter stampfen, um über dies und jenes Auskunft zu geben. Doch diese malerische Kulisse mit dem ehemaligen Kurbad, gelegen nahe dem Tegernsee am Fuße des Hohlensteins, dürfte es für die CSU in diesem Jahr wohl zum letzten Mal gegeben haben.

Denn nach Informationen der „Tegernseer Stimme“ plant die Hausherrin, Herzogin Helene in Bayern, aus dem Tagungsgebäude ein Wellness- und Gesundheitshotel entstehen zu lassen. Da wäre für die CSU dann kein Platz mehr. Der legendäre „Kreuther Geist“, der die jährlichen Klausuren der CSU-Landesgruppe im Bundestag und der CSU-Landtagsfraktion umweht, bleibt für immer in der Flasche.

Das einstige Kurhotel ist Eigentum der Wittelsbacher, sie erbten das Bad. 1974 pachtete die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) – benannt nach dem Ex-Ministerpräsidenten und CSU-Chef – das Gebäude.

Sie nutzte die 11 000 Quadratmeter des einstigen Sanatoriums jahrzehntelang als Tagungshaus und Bildungszentrum – mit der CSU als prominenten Gast im Winter.

Vielleicht noch kleinere Empfänge – aber keine Seminare mehr

Doch im März dieses Jahres war Schluss für die Hanns-Seidel-Stiftung als Mieter. Deren Vorsitzende gab die Schlüssel ab an die Vermieterin, Herzogin Helene. Hintergrund war eine saftige Mieterhöhung, welche die Stiftung nicht hätte stemmen können.

Eigentümerin Herzogin Helene hatte im Jahr 84 000 Euro Miete von der HSS verlangt, zuzüglich Unterhaltskosten. Ein eher symbolisches Sümmchen. Im Raum stand Anfang 2015, die Miete auf 360 000 Euro zu erhöhen, also fast das Vierfache. Herzogin Helene sagt, dass in den Verhandlungen keine Preise genannt worden seien.

Trotzdem: Dass sie die Miete stark erhöhen wollte, daran gibt es keine Zweifel. Ein Sprecher der Herzogin rechtfertigt sich. Er sagt, die bisher verlangte Miete würde „nicht annähernd einer Orts- und Marktüblichkeit“ entsprechen.

In der CSU und bei der HSS war daraufhin von „Rauswurf“ und „Mietwucher“ die Rede. „Ich kann da einen finanziellen Gap (eine Lücke, Anm. d. Red.) größeren Ausmaßes nicht hinnehmen“, hatte Horst Seehofer vor einem Jahr vor Beginn einer Vorstandssitzung der Stiftung gesagt. Auf so ein finanzielles Abenteuer wolle er sich nicht einlassen. Auch wenn die Entscheidung, von Kreuth wegzumüssen, eine „schwerwiegendere als der Umzug der Parteizentrale“ sei.

Herzogin Helene, eine Nichte von Wittelsbacher-Chef Franz Herzog von Bayern, plante noch im Frühjahr dieses Jahres, das ehemalige Sanatorium in ein Tagungshotel umzubauen. Und sie behauptet zu wissen, dass die CSU „definitiv zurück nach Kreuth“ wolle, wie sie der „Tegernseer Stimme“ verriet. Für 2017 ginge das allerdings wegen der Umbauarbeiten nicht. „In einen Rohbau ohne Heizung und Wasser zu tagen, kann man niemandem zumuten“, sagte die Adelige.

Jetzt, ein paar Monate später, hat Herzogin Helene doch wieder andere Pläne. Sie setzt auf einen „namhaften“ Investor und plant ein Gesundheits- und Wellnesshotel. Ihre Ideen hat sie bereits dem Gemeinderat von Kreuth mitgeteilt. Musikfeste seien in dem Gebäude dann noch denkbar, oder kleinere Empfänge. Aber keine Seminare mehr – und erst recht keine CSU-Klausuren.

Was er dazu sage, wurde Horst Seehofer im vergangenen Jahr gefragt, wenn der „Mythos Kreuth“ verfliegen würde, wenn es die idyllischen Winterbilder aus Kreuth nicht mehr gebe. Seine Antwort: „Wenn Sie Wert legen auf Bilder und Umgebung, da mangelt’s in Bayern wirklich nicht.“ Landschaftlich schöne Tagungsorte gebe es also auch anderswo. Gesagt, getan: 2017 zieht es Gerda Hasselfeldt und ihre CSU-Landesgruppe ins Kloster Seeon, die Landtagsfraktion mit Chef Thomas Kreuzer verschlägt’s ins oberfränkische Kloster Banz.

Falls ein CSU-Politiker doch tatsächlich den „Kreuther Geist“ vermisst: Vielleicht entdeckt man ihn ja als Gast des neuen Wellnesshotels – fernab von straffer Tagesordnung und etlichen Journalisten.

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