Welle von neuen Prozessen gegen NS-Täter möglich

Knapp 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg könnte eine Welle von neuen Prozessen gegen NS-Täter bevorstehen.
| dpa
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Stuttgart - Die NS-Fahndungsstelle in Ludwigsburg stellt heute die Ergebnisse ihrer Vorermittlungen vor. Zuletzt hatte es geheißen, dass die Zentralstelle gegen etwa 40 bis 50 Verdächtige wegen Beihilfe zum Mord im Konzentrationslager Auschwitz vorermittelt. Nun ist die Frage, wie viele Verfahren an die regional zuständigen Staatsanwaltschaften zur Einleitung regulärer Strafverfahren abgegeben werden. Denn die 1958 gegründete Zentralstelle kann die Verdächtigen nicht selbst anklagen.

Bisher blieben viele mutmaßliche Täter straffrei, weil der Bundesgerichtshof 1969 im Fall Auschwitz festgelegt hatte, dass für eine Verurteilung der Wächter die individuelle Schuld nachgewiesen werden muss. Die war vielfach nicht möglich. In den Vorermittlungen für den Prozess gegen den Aufseher im Vernichtungslager Sobibor, John Demjanjuk, hat aber die NS-Fahndungsstelle die Beihilfe zum Mord im KZ neu definiert. Demnach ist jeder belangbar, der in einem KZ dazu beigetragen hat, dass die Tötungsmaschinerie funktionierte - egal ob direkt als Befüller der Gaskammern oder indirekt etwa als Koch.

Die Angehörigen von Nazi-Opfern begrüßen mögliche neue Prozesse gegen mutmaßliche NS-Täter. "Diese Menschheitsverbrechen dürfen nicht ungesühnt bleiben und nicht vergessen werden", sagte Ulrich Sander der Nachrichtenagentur dpa. Er spricht für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA), in der sich Überlebende und Angehörige von NS-Opfern engagieren.

Derweil begann in Hagen am Montag bereits ein weiterer NS-Verbrecherprozess. Der 92-jährige Siert Bruins soll 1944 an der Erschießung des niederländischen Widerstandskämpfers Aldert Klaas Dijkema beteiligt gewesen sein.

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