Welche Pandemie? Deutschland nähert sich der Normalität

Deutschland macht sich locker und SPD-Experte Lauterbach zieht mit: Er ist optimistisch für den Sommer, plädiert für Lockerungen - und spricht über die Wiesn.
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Schlendern durch die Münchner Innenstadt, Public Viewing mit Freunden, Feiern im Sommer - wird all dies bald wieder möglich sein?
Schlendern durch die Münchner Innenstadt, Public Viewing mit Freunden, Feiern im Sommer - wird all dies bald wieder möglich sein? © picture alliance/dpa

München - Die Corona-Zahlen in Deutschland sehen von Tag zu Tag besser aus - das Robert-Koch-Institut gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag mit 35,2 an.

Das ist der niedrigste Wert seit Mitte Oktober. Alle Bundesländer sind unter den politisch bedeutsamen Inzidenz-Wert von 50 gerutscht. Auf den Intensivstationen lagen laut DIVI-Intensivregister zuletzt so wenige Corona-Patienten wie seit Anfang November nicht mehr.

Hoffnung auf weitere Lockerungen

Selbst der SPD-Gesundheitsexperte und chronische Corona-Mahner Karl Lauterbach macht Hoffnung auf weitere Lockerungen im Sommer.

Er sagte der Bild am Sonntag: "Wir haben das Gröbste hinter uns und sind am Ende dieser schweren Zeit angekommen. Wenn sich bis zum Herbst 80 Prozent der Menschen in Deutschland impfen lassen, ist eine fulminante Rückkehr der Pandemie mit einem weiteren Lockdown extrem unwahrscheinlich."

Lauterbach: EM-Public Viewing "zu riskant"

Mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft, die vor der Tür steht, plädierte Lauterbach für Lockerungen. Gegen ein gemeinsames Schauen im Außenbereich eines Restaurants mit neun Freunden spreche nichts.

Für klassisches Public Viewing mit Hunderten Fans reiche die Impfquote jedoch nicht aus. "Das wäre zu riskant", sagte er.

Lauterbach glaubt an Oktoberfest 2022

Lauterbach wagte zudem eine Prognose für die Wiesn kommendes Jahr: "Durch die Kombination aus Impfquote und spontanen Infektionen haben wir bis dahin viel abgeräumt", sagte er. "Ich glaube, 2022 ist das Oktoberfest wieder ganz normal möglich"

2021 seien derartige Veranstaltungen noch nicht möglich. Richtige Hochzeitsfeiern und große Partys, so Lauterbach zur "Bild am Sonntag" weiter, sollten "mindestens noch bis Herbst" verboten werden.

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Wie steht es um Partys?

"Gemäßigtes Feiern geht schon im Sommer, aber noch keine rauschenden Partys. Ob das ab Oktober möglich ist, hängt von der Impfquote und den Infektionszahlen ab."

Bei einer Inzidenz unter zehn könne seiner Meinung nach zudem die Maskenpflicht "zumindest im Außenbereich" aufgehoben werden.

Generell befänden wir uns derzeit noch in einer empfindlichen Phase der Pandemie. "Wenn wir jetzt zu schnell lockern und sich dann die indische Variante ausbreiten würde, riskierten wir einen schweren Rückfall."

Immer mehr Schulen kehren zum Regelbetrieb zurück

Unterdessen kehren immer mehr Bundesländer zum Regelbetrieb in den Schulen zurück. Dazu zählt auch das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen, wo die Schulen ab heute flächendeckend wieder mit Präsenzunterricht starten.

Voraussetzung ist, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unter 100 liegt. Dies war am Freitag in allen Kommunen der Fall. Die Masken- und Testpflicht gilt aber weiterhin.

Auch Länder wie Niedersachsen, das Saarland oder Hamburg kehren zu Wochenbeginn zum Normalbetrieb mit ganzen Klassen zurück.

Deutschlands Impfziel

Lauterbach wies darauf hin, dass Deutschland sein Impfziel in der Corona-Krise nur mit einer konsequenten Impfung von Kindern und Jugendlichen erreiche. "Unser Impfziel von 80 Prozent schaffen wir nicht, ohne auch die Zwölf- bis 18-Jährigen zu impfen".

Bei den Jugendlichen sei eine Quote von 65 Prozent anzustreben. Aus den RKI-Zahlen von Sonntag geht hervor, dass auch Thüringen als letztes Bundesland die 50er-Marke unterschritten hat. Die dortige Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 47,5.

Besonders gut ist die Entwicklung in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern (14,7), Schleswig Holstein (17,9), Brandenburg (20,0), Hamburg (22,4) und Niedersachsen (23,1).

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Der Rückgang wird von Experten mit Immunschutz durch Impfungen und überstandene Infektionen, wärmeren Temperaturen und Schnelltests bei Schule, Arbeit und Freizeit in Verbindung gebracht. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass aggressive Virus-Varianten die Situation nochmal brenzliger machen.

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