Wadephul zu Krisenbesuch in Israel - Solidarität und Warnung

Der deutsche Außenminister kommt überraschend zu einem Solidaritätsbesuch nach Israel. Dort macht er sich ein Bild vom Leben im Krieg. Er findet aber auch warnende Worte.
von  dpa
Der Krieg im Iran steht bei dem Treffen im Vordergrund.
Der Krieg im Iran steht bei dem Treffen im Vordergrund. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Bei einem unangekündigten Krisenbesuch mitten im Iran-Krieg hat sich Außenminister Johann Wadephul hinter Israel gestellt, zugleich aber vor Chaos und einem Auseinanderfallen des Irans gewarnt. "Niemand kann ein Interesse an Chaos oder Bürgerkrieg oder dem Zerfall Irans haben", sagte der CDU-Politiker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Gideon Saar in Jerusalem. "Die Auswirkungen wären erheblich und würden wir auch in Europa zu spüren bekommen", fügte Wadephul hinzu.

Gleichzeitig richtete er klare Forderungen an Teheran: Das militärische Nuklearprogramm und das ballistische Raketenprogramm des Landes müssten überprüfbar beendet werden. Außerdem dürfe der Iran künftig keine Gefahr mehr für seine Nachbarn darstellen. Dafür müsse der Iran die "Unterstützung von Terrorhandlangern wie Huthi, Hisbollah und Hamas" einstellen.

Es müsse jedoch die territoriale Integrität des Irans gewahrt werden. Große Teile der Zivilbevölkerung hätten in den vergangenen Jahrzehnten stark gelitten unter der Unterdrückung. "Wir brauchen eine regionale Friedensordnung, die die Sicherheit der Staaten und Menschen in der Region, insbesondere der Seewege, die wichtige Handelswege sind, gewährleistet", forderte Wadephul. 

Raketenalarm während des Besuchs

Der Besuch war aus Sicherheitsgründen bis zu dem Treffen geheim gehalten worden. Wadephul ist der erste europäische Außenminister, der das Land seit Kriegsbeginn am 28. Februar besucht. Israel und die USA hatten den Iran an jenem Tag gemeinsam angegriffen. Israel fühlt sich durch das iranische Raketen- und Atomprogramm in seiner Existenz massiv bedroht. Auch die USA verweisen immer wieder auf die Bedrohung durch die iranische Führung.

Wegen der erhöhten Gefährdungslage angesichts der andauernden und wiederholten Angriffe aus dem Iran sowie aus dem Libanon von der Hisbollah-Miliz mit Raketen und Drohnen auf Israel reiste der Minister nicht wie sonst üblich bei Reisen mit einem Airbus der Flugbereitschaft der Bundeswehr an, sondern mit einem Militär-Transportflugzeug der Bundeswehr vom Typ A400M. 

Während seines Besuchs gab es tatsächlich auch Raketenalarm in Israel. Kurz vor seinem Abflug musste Wadephul das Flugzeug am internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv wegen eines Voralarms verlassen und sich in Sicherheit bringen. Kurz darauf kam jedoch die Entwarnung. Beim Wiedereinsteigen sagte Wadephul "Alles wohlauf hier!" und zeigte mit dem Daumen nach oben. In der Stadt Beit Schemesch gingen einem Bericht des Nachrichtenportals "ynet" zufolge Trümmer herunter.

Wadephul besichtigt Zerstörung durch iranische Raketen

Zu Beginn seines Besuchs in Israel informierte sich Wadephul in ebenjener Stadt westlich von Jerusalem über Zerstörungen durch einen verheerenden iranischen Raketenangriff. Dabei wurde er von Saar begleitet. Bei dem Raketeneinschlag in Beit Schemesch wurden am 1. März neun Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt. Der Angriff gilt als der mit der höchsten Opferzahl in Israel seit Beginn des Iran-Krieges. 

In Beit Schemesch berichtete eine Frau mit dem Vornamen Smadar über den Angriff mit einer ballistischen Rakete, bei dem ihr Wohnhaus zerstört und ein Schutzraum voll getroffen worden war. Die Frau konnte ihre Kinder retten, ihr Ehemann kam bei dem Angriff ums Leben. Eindrücklich schilderte sie die Momente der Attacke: "Alles ist auf uns heruntergefallen. Es war dunkel, wir hatten keine Luft, um zu atmen." Bei dem Angriff sei nicht nur ihr Haus zerstört worden, sondern alle Erinnerungen mit ihm, sagte die Frau unter Tränen. "Alles ist weg, die Erinnerungen, die Bilder, alles ist verbrannt."

In Israel kamen im Zuge der aktuellen Raketenangriffe vor allem aus dem Iran insgesamt bislang 13 Menschen ums Leben. Das israelische Gesundheitsministerium meldete zudem mehr als 2.300 Personen, die in Krankenhäusern behandelt worden seien. Berichten zufolge sind darunter neben durch Raketenangriffe Verletzten auch viele Menschen, die sich auf dem Weg in Schutzräume verletzt haben. Zudem werden auch Personen gezählt, die wegen Angstzuständen, ausgelöst durch die Angriffe, behandelt wurden.

Wadphul auf Solidaritätsreise zunächst auf Zypern

Am Vormittag hatte Wadephul auf der Mittelmeerinsel Zypern mit seinem Kollegen Konstantinos Kombos über die Konsequenzen aus dem Krieg beraten. Zypern ist der EU-Staat, der der Krisenregion im Nahen Osten geografisch am nächsten liegt. Die Insel im östlichen Mittelmeer liegt nur etwa 150 bis 250 Kilometer vom Libanon und Israel entfernt. Der Nato gehört Zypern nicht an.

Merz hatte vor wachsenden Risiken des Iran-Kriegs gewarnt

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Freitag erklärt, die Bundesregierung teile die Ziele der USA und Israels, die das iranische Nuklear- und Raketenprogramm, Teherans Bedrohung Israels sowie seine Unterstützung von Terrorismus beträfen. Mit zunehmender Dauer und Ausweitung der Kämpfe sehe man aber auch wachsende Risiken. Ein endloser Krieg sei nicht in deutschem Interesse. Merz warnte vor weitreichenden Folgen für Europa, unter anderem in den Bereichen Sicherheit, Energieversorgung und Migration. 

In der Bundesregierung gibt es unter anderem Sorgen angesichts der sprunghaft gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges. Zudem fürchtet man, dass hohe Energiepreise die Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen.

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