Viele Gemeinsamkeiten: Rot-grüne Harmonie in Düsseldorf

Die Protagonistinnen der möglichen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen sind eingespielt: Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne) sind per Du – und auf Kuschelkurs.
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SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft.
dpa SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft.

DÜSSELDORF - Die Protagonistinnen der möglichen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen sind eingespielt: Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne) sind per Du – und auf Kuschelkurs.

Was für ein Unterschied: Vor genau 15 Jahren gab es die ersten rot-grünen Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen – und die Protagonisten wirkten mit jedem Tag abgekämpfter, müder, genervter und grimmiger. Am Montag war die dritte Runde der aktuellen Gespräche, und die beiden Frauen Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Löhrmann (Grüne) sind nicht nur längst beim Du, sondern wirken eingespielter denn je.

Damals, Ende Juni 1995, verhandelten für die SPD Johannes Rau und Wolfgang Clement, frisch frustriert vom Verlust der absoluten Mehrheit und alle beide SPD-Urgesteine bis in die Knochen, noch sehr fremdelnd mit der Umweltpartei, damals vertreten von Bärbel Höhn und Michael Vesper. Nächtliche Krisensitzungen, Dauerkrach und Machtspielchen dauerten auch die Regierungsjahre an.

Heute verhandeln zwei Frauen, die sich vom Typ her sehr ähnlich sind. Die SPD-Frau Kraft (49) und die Grüne Löhrmann (53) sind Kinder des Ruhrgebiets – aus Mülheim und Essen. Beide sind manchmal ruppig oder schnoddrig, beide sehr pragmatisch ohne den Hang zu großen ideologischen Überbauten. Löhrmann war Deutsch- und Englischlehrerin, bevor sie 1995 in die Politik ging; die vier Jahre jüngere Kraft Unternehmensberaterin, bevor sie 2000 den gleichen Schritt tat. Als die SPD-Frau 2001 Ministerin wurde, freute sich die Grüne ausdrücklich für sie; auch in der Opposition unter Rüttgers bildeten die beiden ein schlagkräftiges Team.

Anders als bei Gerhard Schröder und Joschka Fischer geht es hier weniger um die Frage Koch und Kellner – die beiden machen den Eindruck, sie seien auf Augenhöhe. „Wir können uns die Meinung sagen, verletzen uns dabei aber nicht. Und wir können uns im Zweifel sogar trösten“, sagt die Grüne über die Rote. Und Löhrmann hatte auch keine Scheu, öffentlich zu sagen, wie bescheuert sie das findet, als Kraft zwischenzeitlich von der Opposition aus regieren wollte. Mittlerweile wird nun im Detail verhandelt, und es wird ein Punkt nach dem anderen abgeräumt: weg mit den Studiengebühren, mehr Mitspracherechte im öffentlichen Dienst. Selbst bei wunden Punkten wie Kohlekraftwerke gegen Klimaschutz ist die Kompromissbereitschaft hoch. Schon im Wahlkampf hatten sich die beiden zu Wunschpartnern erklärt, in die ersten Sondierungen mit anderen Parteien zogen sie unüblicherweise im Doppelpack.

Was vor 15 Jahren noch gewöhnungsbedürftig war, ist heute völlige Normalität. In diesem Fall stimmt die Chemie mehr als zwischen vielen Parteifreunden – das ist allerdings auch nötig für eine Regierung ohne Mehrheit. tan

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