Verdienstorden: Die bayerische Männerwirtschaft

Für den Verdienstorden finden die Minister kaum Frauen – nun will Bayerns Familienministerin Haderthauer eine Quote. Was Haderthauer konkret vorschlägt und wie sie ihre Kollegen im Kabinett unter Druck setzen möchte...
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Sie will mehr Frauen mit Orden: Familienministerin Christine Haderthauer.
Martha Schlüter Sie will mehr Frauen mit Orden: Familienministerin Christine Haderthauer.

MÜNCHEN - Für den Verdienstorden finden die Minister kaum Frauen – nun will Bayerns Familienministerin Haderthauer eine Quote. Was Haderthauer konkret vorschlägt und wie sie ihre Kollegen im Kabinett unter Druck setzen möchte...

Bayern ist offensichtlich immer noch das Land der Männer. Für die Verleihung des Bayerischen Verdienstordens am 9. Juli legten die Ministerien jetzt ihre Vorschlagslisten vor. Frauen sind darin Mangelware. So fand das Wirtschaftsministerium, das seit Oktober von der FDP regiert wird, keine einzige, die sich um den Freistaat verdient gemacht hätte.

Frauenministerin Christine Haderthauer (CSU) will das nicht mehr hinnehmen. Sie fordert jetzt eine strikte Quote für die Ordensverleihung: Und zwar Halbe-Halbe. „Schließlich machen sich Frauen um Bayern nicht weniger verdient als die Männer. “

Mit dem weiblichen Geschlecht aber tat sich die bayerische Staatsregierung bekanntlich noch nie leicht. Zwar schrieb sie inzwischen fest, dass 25 Prozent der Ausgezeichneten weiblich sein sollen. „Doch Papier ist geduldig“, sagt Haderthauer. Bei den derzeit 1817 lebenden Trägerinnen und Trägern des weiß-blauen Ordens wird diese Vorgabe nämlich bei weitem verfehlt.

Im Kabinett rügte Ministerpräsident Horst Seehofer diese Woche seine Minister, dass zu wenige Frauen für die höchsten Weihen vorgeschlagen wurden. FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil frotzelte da noch: „Ja, vor allem aus der Staatskanzlei.“ Und sorgte damit für Lacher. Bis er selbst am Pranger stand, weil sein Haus keine einzige Frau auf der Liste hat. Zeil zur AZ: „Das war für mich auch ganz neu. Ich lasse das jetzt prüfen.“

Für Christine Haderthauer ist die Sache klar: „In den Ministerien wird nur in den klassischen Männerdomänen geschaut. Dabei würde die Gesellschaft in allen Bereichen ohne das besondere Engagement und die herausragenden Tugenden der Frauen gar nicht funktionieren.“

Bisher wurden in Bayern unter anderem Deutschlands reichste Frau Susanne Klatten und die inzwischen ins Trudeln geratene Konzernchefin Maria-Elisabeth Schaeffler neben Filmstars wie Iris Berben und Veronica Ferres ausgezeichnet. Haderthauer: „Es gibt aber gerade auch in kleinen Familienunternehmen viele Frauen, die Herausragendes leisten. Vor allem aber in den gesellschaftlichen Netzwerken sind sie zu finden.“

Ihre Ministerkollegen will sie jetzt unter Druck setzen: „Jedes Ministerium soll künftig begründen müssen, warum es keine Frauen für den Orden gefunden hat.“

Angela Böhm

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