Verdacht der Untreue gegen Gabriele Pauli

Die schillernde Ex-Landrätin aus Fürth taucht nach Jahren wieder auf: Vor Gericht. Es geht um Immobilien und eine Vollmacht.
| Helmut Reister
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Gabriele Pauli im November 2014 in Westerland auf Sylt (Schleswig-Holstein) an der Promenade, nachdem sie hier ihr Programm für die damalige Bürgermeisterkandidatur vorgestellt hatte.
Gabriele Pauli im November 2014 in Westerland auf Sylt (Schleswig-Holstein) an der Promenade, nachdem sie hier ihr Programm für die damalige Bürgermeisterkandidatur vorgestellt hatte. © Nach ihren Überwerfungen wegen scharfer Kritik an Edmund Stoiber mit der CSU und den Freien Wählern sowie dem Scheitern mit ihrer eigenen Partei "Freie Union" hat Gabriele Pauli, einst Landtagsmitglied und Landrätin in Fürth, 2014 auf der Insel Sylt als B

Vom Glamour-Faktor, der Gabriele Pauli (64) selbst in Motorrad-Kluft einst noch anhaftete, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das könnte natürlich auch an der Kulisse ihres ersten öffentlichkeitswirksamen Auftritts seit Jahren gelegen haben. Ein karger Sitzungssaal des Nürnberger Landgerichts gibt in dieser Hinsicht nicht viel her.

In dem altehrwürdigen Justizpalast spielte sich in dieser Woche der zivilrechtliche Teil eines Falls ab, der für die ehemalige Fürther Landrätin noch richtig unangenehm werden kann. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Untreue gegen sie, wie Behördensprecherin Antje Gabriels-Gorsolke auf AZ-Anfrage bestätigte.

Einigung auf einen Vergleich

In dem Zivilprozess, in dem Pauli vom Gericht als Zeugin vorgeladen war, aber nicht aussagen musste, weil sich die streitenden Parteien auf einen Vergleich einigen konnten, ging es um ein Haus im Wert von einer Million Euro. 2017 hat es die Politikerin für ihre Tochter gekauft, die jetzt als Beklagte dastand und per Klage aufgefordert wurde, das Haus zurückzugeben.

Die Klage führt zu einem wohlhabenden Betrüger aus dem Immobilienbereich in die 1980er Jahre zurück - und zu einer Generalvollmacht von ihm. Die stellte er seinem Vater aus, als er vor dem Antritt einer mehrjährigen Haftstrafe abtauchte. Bis zu seinem Tod lebte er im Untergrund.

Vom Vater, der zu einem jahrelangen Pflegefall wurde, ging die Vollmacht auf die Mutter von Gabriele Pauli über. Sie kümmerte sich um alle Angelegenheiten des Mannes, inklusive der Verwaltung seines Millionen-Vermögens.

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Diese Vollmacht hat Cornelia, die Mutter, an ihre Tochter Gabriele Pauli weitergereicht. Diese wiederum erklärte der AZ, dass es sich dabei nicht um eine Nacht- und Nebelaktion gehandelt habe. "Die Weitergabe der Vollmacht", so Gabriele Pauli, "wurde über einen Notar geregelt und entsprach allen gesetzlichen Vorgaben."

Der Kauf eines Hauses aus dem Immobilienbesitz des inzwischen verstorbenen Pflegebedürftigen für ihre Tochter war für Gabriele Pauli mit dieser Vollmacht in den Händen kein Problem - zunächst zumindest. Die entspannte Situation änderte sich, als eine Erbin auftauchte, die Rechtmäßigkeit des Hauskaufs bezweifelte und - per Klage - die Rückgabe der Immobilie forderte.

Nun zieht die Tochter der ehemaligen Politikerin aus

Die komplizierte Rechtslage mit einem langen und offenen Ausgang, auf die der Richter der Zivilkammer hinwies, gab letztendlich auch den Ausschlag, dass sich Paulis Tochter und die Erbin auf einen außergerichtlichen Vergleich einigten. Paulis Tochter zieht aus dem Haus aus, führt es wieder dem Immobilienbestand des ursprünglichen Eigentümers und Vollmachtgebers zu. Im Gegenzug erhält sie 450 000 Euro für die Immobilie, die das Doppelte wert ist.

Die Vollmacht verwendete Gabriele Pauli auch noch in weiteren Fällen. Für die interessiert sich die Staatsanwaltschaft, die wegen Verdachts der Untreue gegen sie ermittelt. Auch dabei geht es um Immobiliengeschäfte. Wie Sprecherin Gabriels-Gorsolke erklärte, bestehe in diesen Fällen der Verdacht, dass die Vollmacht missbräuchlich verwendet wurde.

Zu den Details der Vorwürfe wollte sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern. Nach AZ-Informationen steht ein Haus aus dem Immobilienbestand des verstorbenen früheren Eigentümers im Zentrum der Ermittlungen. Gabriele Pauli soll es für 300 000 Euro zunächst an sich selbst verkauft haben - und nur relativ kurze Zeit später für weit über eine Million Euro an einen Interessenten. Dazu kommt der staatsanwaltschaftliche Vorwurf, dass sie den Erlös aus dem Verkauf einer weiteren Immobilie nicht weitergeleitet, sondern für sich behalten habe.

Gabriele Pauli kann die Ermittlungen gegen sie nicht nachvollziehen und will über ihren Anwalt erst einmal Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen. "Alles ist völlig korrekt abgelaufen", versicherte sie in einem Gespräch.

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