Vattenfall wirft Krümmel-Chef raus

Nach dem Kurzschluss im Atomkraftwerk räumt der Konzern zerknirscht Fehler ein.
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Geschasst: Hans-Dieter Lucht, der Leiter des Kernkraftwerks Kruemmel.
AP Geschasst: Hans-Dieter Lucht, der Leiter des Kernkraftwerks Kruemmel.

HAMBURG - Nach dem Kurzschluss im Atomkraftwerk räumt der Konzern zerknirscht Fehler ein.

Drei Tage nach der Notabschaltung des Atomkraftwerks Krümmel bei Hamburg hat der Energiekonzern Vattenfall Fehler eingeräumt und den bisherigen Kraftwerksleiter Hans-Dieter Lucht hochkant rausgeworfen. Der schwedische Betreiber räumte darüber hinaus ein, dass man „vergessen“ habe, ein vorgeschriebenes Überwachungsgerät zu installieren. Ein Kurzschluss in einem der Transformatoren hatte die Schnellabschaltung ausgelöst.

Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka erklärte den Unfall zur Chefsache und kündigte an, die Maschinentransformatoren nicht zu reparieren, sondern durch neue zu ersetzen. Kosten: 16 Millionen Euro. Das AKW bleibt mindestens neun Monate lang abgeschaltet. Bereits im Sommer 2007 war in Krümmel ein Trafo ausgebrannt – daraufhin stand das AKW zwei Jahre lang still.

Auch das zuständige Kieler Sozialministerium bestätigte, dass die Vorgaben der Atomaufsicht in Krümmel nicht vollständig befolgt worden seien. „Ich begrüße aber, dass Vattenfall binnen kürzester Zeit meine Forderung ,Erneuern statt Reparieren' erfüllt hat“, sagte die Kieler Ressortchefin Gitta Trauernicht (SPD).

Unterdessen köchelt die politische Debatte um die Atomkraft weiter: CDU-Forschungsministerin Annette Schavan nannte die Panne in Krümmel einen „Einzelfall“. Es gebe „keine akuten Sicherheitsgefahren in deutschen Atommeilern.“ Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger stellte für den Fall eines schwarz-gelben Wahlsieges sogar unbegrenzte Laufzeiten für Atommeiler in Aussicht. SPD und Grüne rufen dagegen zum Boykott auf: „Vattenfall-Kunden, die das Verhalten des Konzerns für inakzeptabel halten, können zwischen Dutzenden anderen Stromanbietern wählen und so Druck machen“, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn geht noch weiter: „Ältere AKWs wie das in Krümmel müssen unverzüglich vom Netz, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen“, sagte sie der AZ – und verweist auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage ihrer Fraktion zu alten AKWs wie Biblis und Brunsbüttel: „Nein, sie gehören nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken. Sie entsprechen nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.“

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