Thorsten Wer!?

Nach ihrem Scheitern macht Andrea Ypsilanti den ihr ergebenen Hinterbänkler Thorsten Schäfer-Gümbel zum Spitzenkandidaten. Sein Motto: "Sag niemals nie"
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FRANKFURT - Nach ihrem Scheitern macht Andrea Ypsilanti den ihr ergebenen Hinterbänkler Thorsten Schäfer-Gümbel zum Spitzenkandidaten. Sein Motto: "Sag niemals nie"

Mit dem Mut der Verzweiflung: Nach dem Desaster um Andrea Ypsilanti hat die hessische SPD am Wochenende den völlig unbekannten Hinterbänkler Thorsten Schäfer-Gümbel als neuen Spitzenkandidaten auserkoren – ein enger Vertrauter seiner gescheiterten Vorgängerin. Ihr „Jünger“, sagt die Hessen-CDU. Jetzt hat der 39-Jährige gerade mal acht Wochen Zeit, um den Wählern halbwegs zu erklären, wer er ist und warum er Ministerpräsident von Hessen werden will.

„Thorsten Schäfer-Wer? Wozu treten die überhaupt noch an? Das wird ein Fehlstart ins Superwahljahr und alles wegen dieser Irren und ihrer Deppenclique“, smste ein nicht-hessischer SPD-Funktionär entsetzt der AZ, als er – überrascht wie alle außerhalb Ypsilantis Führungszirkel – von der Personalie erfuhr.

"Ich denke, dass man uns eine zweite Chance gewährt"

Der Landesparteirat der hessischen SPD stimmte am Samstag dem Ypsilanti-Vorschlag für Thorsten Schäfer-Gümbel einstimmig zu. Ypsilanti machte deutlich, dass sie Partei- und Fraktions-Chefin bleiben werde: „Ich lasse meine Partei jetzt nicht allein.“ Als Spitzenkandidatin könne sie nicht antreten, „weil die anderen Parteien schon Kampagnen über meine Glaubwürdigkeit in der Tasche haben“, sagte sie. „Ich will den Wahlkampf nicht belasten.“ Dass ihr Vertrauter als Person nicht bekannt sei, mache nichts: „Ich stehe ja an seiner Seite“, sagte sie mit ungebrochenem Selbstbewusstsein. „Ich denke, dass man uns eine zweite Chance gewährt.“

Ein SPD-Landesvorstandsmitglied sarkastisch: „Wenn jetzt alle berichten, wie unbekannt der ist, wird er schon bekannt werden.“ Der eigentlich als Spitzenkandidat gehandelte nordhessische SPD-Chef Manfred Schaub erklärte, er habe nie zur Verfügung gestanden. Intern hieß es, dass er zu oft an Ypsilantis Seite aufgetreten sei und man bewusst jemand völlig Unbelasteten wollte. „Ich halte es für besser, jetzt mit jemanden aus der jüngeren Generation anzutreten“, stellte Ypsilanti den gebürtigen Bayern (siehe unten) vor.

Thorsten Schäfer-Gümbel versuchte, das Beste daraus zu machen: „Neue Herausforderungen reizen mich immer“, sagte er nach seiner Nominierung. Ja, es sei ihm bewusst, dass der Wahlkampf „anstrengend werden könnte“.

"Es war ungerecht, wie sie gescheitert wurde"

Aus seiner Loyalität und Bewunderung für Ypsilanti machte er keinen Hehl: „Sie hat die SPD in Hessen wieder mit Stolz und Zuversicht ausgestattet.“ Und: „Es war deshalb ungerecht, wie sie in dieser Woche gescheitert wurde“, erklärte er grammatikalisch gewagt. Sein Wahlkampf-Motto? „Jetzt erst recht.“ Und die Koalitionsaussage? „Wie bei Bond: Sag niemals nie.“

Der denkbarste der Koalitionspartner, die Grünen, schüttelt allerdings nur noch den Kopf. Landeschef Tarek al-Wazir weigerte sich, zur Personalie Schäfer-Gümbel Stellung zu nehmen.

tan

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