Syrien-Einsatz: Hälfte der Tornados ist nicht einsatzbereit

Nicht einmal jeder zweite Tornado der Bundeswehr ist einsatzbereit für den Militärschlag gegen den IS. Verteidigungsministerin von der Leyen beschwichtigt, man brauche ohnehin nur sechs Flugzeuge für den Einsatz.
| mbu/dpa
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56 Prozent der Tornado-Flotte stehen in der Werkstatt. Trotzdem habe die Bundeswehr noch genügend Aufklärungs-Jets für den Kampf gegen den IS übrig, so Verteidigungsministerin von der Leyen.
dpa/az 56 Prozent der Tornado-Flotte stehen in der Werkstatt. Trotzdem habe die Bundeswehr noch genügend Aufklärungs-Jets für den Kampf gegen den IS übrig, so Verteidigungsministerin von der Leyen.

Berlin - Die Regierung hat am Dienstag klar gemacht, dass sich die Bundeswehr an der internationalen Anti-Terror-Koalition in Syrien und Irak beteiligen soll. Neben einem Tankflugzeug und einer Fregatte soll allen voran mit Aufklärungsflugzeugen des Typs "Tornado" Unterstützung im Militärschlag gegen des Islamischen Staat (IS) geleistet werden. So der Plan.

Nun stellt sich die Frage: Ist das teils marode Kriegsgerät der Bundeswehr überhaupt einsatzbereit für eine Mission in Nahost? Im vergangenen Jahr hatte die Bestandsaufnahme zu einer großen Debatte über den Zustand der Bundeswehr-Ausrüstung geführt. Und offenbar ist es um die Einsatzbereitschaft des Kriegsgeräts immer noch nicht gut bestellt. Denn: Von den insgesamt 93 Tornados steht ein Großteil in der Werkstatt.

Nach einem Bericht des Verteidigungsministeriums zum Zustand der Hauptwaffensysteme sind bei der Luftwaffe von 93 angeschafften Tornados 66 in Betrieb und davon wiederum nur 29 einsatzbereit (44 Prozent). Das sind noch weniger als bei der entsprechenden Untersuchung vor einem Jahr; damals waren noch 38 Jets für einen Einsatz verfügbar.

 

Mit dem Auslaufmodell Tornado in den Kampf gegen den IS

 

Kein Grund zur Panik, meinte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hingegen am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Trotz der Mängel an den vielen Tornado-Jets sehe sie keine Probleme für den geplanten Einsatz gegen den Islamischen Staat. "30 Tornados sind einsatzbereit, und wir brauchen davon sechs. Das heißt wir haben einen breiten Spielraum, der vorhanden ist", sagte die Ministerin in der TV-Sendung.

Ob dieser Spielraum ausreicht, das entscheidet letztendlich der Bundestag, der das Bundeswehr-Mandat am Freitag verabschieden soll.

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Zuvor allerdings steht der Tornado-Bericht auf der Tagesordnung des Bundestags-Verteidigungsausschusses. Die mangelnde Einsatzbereitschaft wird in dem 81-seitigen Papier unter anderem auf die "mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile" zurückgeführt.

 

5,6 Milliarden Euro sollen die Truppe wieder auf Vordermann bringen

 

Die Tornados sind zwischen 23 und 34 Jahre alt und gelten als Auslaufmodelle. Aber auch beim Nachfolger Eurofighter sieht es nicht besser aus. Hier hat sich die Einsatzbereitschaft im Vergleich zum letzten Bericht von 57 auf 55 Prozent verschlechtert. Von den besonders anfälligen Transall-Transportflugzeugen sind 57 Prozent einsatzbereit. Angestrebt wird eine Einsatzbereitschaft von mindestens 70 Prozent.

"Die Lage der fliegenden Systeme bleibt unbefriedigend", urteilt Generalinspekteur Volker Wieker in dem aktuellen Bericht. 117 Maßnahmen seien ergriffen worden, und 5,6 Milliarden Euro sind für einen Zeitraum von zehn Jahren dafür veranschlagt.

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Doch Wieker warnt vor zuviel Euphorie: "Rasche Erfolge konnten nicht erwartet werden", schreibt er in dem Papier, über das auch die "Bild am Sonntag" schon berichtete. Die Maßnahmen würden erst mittelfristig Wirkung entfalten. "Dennoch ist es gelungen, die Entwicklung der materiellen Einsatzbereitschaft zu stabilisieren und eine Trendumkehr in wesentlichen Bereichen zu realisieren."

Heute berät der Bundestag erstmals über den Einsatz von bis zu 1200 Soldaten. Stimmt das Parlament am Freitag zu, dann will die Bundesregierung schon in der nächsten Woche mit der Stationierung von Tornados im türkischen Incirlik beginnen.

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