Spaenle contra die Junge Union

Neue Mitglieder der Jungen Union sorgen für „Kampfabstimmungen“ in zwei Ortsverbänden. In der Maxvorstadt verliert Stadtrat Hans Theiss sein Mandat. Das ärgert den Münchner CSU-Chef.
| Eva von Steinburg
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Der Münchner CSU-Bezirksvorsitzende Ludwig Spaenle.
dpa Der Münchner CSU-Bezirksvorsitzende Ludwig Spaenle.

München - In der Münchner CSU rumort es. Es scheint, als mischten sich junge Mitglieder an der Basis in das CSU-Personalkarussell ein. Sehr zum Ärger von Ludwig Spaenle, dem CSU-Bezirksvorsitzenden.

In einer „Brandrede“ am Montag vor dem CSU-Bezirksvorstand sagt er, wie „sauer“ er über jüngste dubiose Machenschaften und Mauscheleien in den Ortsverbänden sei: „Es ist unklug und nicht korrekt, wenn CSU-Mandatsträger nicht an Gestaltungsaufgaben beteiligt werden.“

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Mehrere etablierte Lokalpolitiker werden abgewählt

Was er meint? Gerade wählt die CSU neue Ortsverbände. Neue, junge Mitglieder, vor allem der JU, sorgen bei zwei „Kampfwahlen“ für Überraschungen. Im Ortsverband Neuhausen werden etablierte Lokalpolitiker abgewählt, gleichzeitig zieht ein halbes Dutzend JU-Mitglieder in den Vorstand.

Bei der Wahl im Ortsverband Maxvorstadt, am 20. Februar, steht eine Gruppe von 15 neuen Mitgliedern zehn Alteingesessenen gegenüber. Das Ergebnis: Der ehrenamtliche CSU-Stadtrat Hans Theiss verliert sein Mandat. Ortsverbandschef Günther Westner, Ex-Münchner JU-Chef, wird mit absoluter Mehrheit wiedergewählt.

Das Pikante: Der Energieelektroniker Westner hatte einst eine wichtige innerparteiliche Abstimmung gegen den Mediziner Theiss verloren. Eine späte Rache, eine Art Putsch, vermuten nun Insider. Denn es ist absolut unüblich und unerwünscht, dass ein Stadtrat in seinem Ortsverein abgewählt wird. Theiss muss seinen Platz räumen. „Das ist halt jetzt so. Auch wenn ich und die CSU-Führung es missbilligen“, sagt Ludwig Spaenle.

Er stellt klar, dass die obskuren Mehrheiten „nicht einmal eine Handvoll Ortsverbände“ betreffen. Erkenntnisse darüber, dass die JU Mitglieder mit Geld geworben habe (wie mit 500 Euro für jedes Neumitglied bei der Hohlmeier-Affäre vor 12 Jahren) hat er nicht.

Der CSU-Funktionär, der die Wahl in seinem Ortsverband manipuliert haben soll, ist Günther Westner (38). Er verteidigt sich so: „Ich werde als Drahtzieher illegaler Machenschaften hingestellt, das verstehe ich nicht. Wir haben nichts gemacht, außer in unserem Ortsverband demokratische Wahlen abzuhalten. Es ist positiv für die CSU, dass wir nun junge Leute haben - und die sind nicht ferngesteuert.“

„Ich bin sicher, dass alles legal gelaufen ist“

Zu wenig Einfluss für die Jüngeren? Westner ist bekannt dafür, den Generationenwechsel in der CSU voranzutreiben. Das Durchschnittsalter in seinem Ortsverband Maxvorstadt ist 43 Jahre, in den anderen 60. Westner wurde dort mit 31 zu 1 Stimmen als Vorsitzender wiedergewählt.

Der aktuelle Münchner JU-Chef ist Stephan Pilsinger. Als Impulsgeber der CSU setzt er sich für bezahlbare MVV-Tickets und Sportplätze ein. Der 28-jährige: „Westner gehört nicht mehr zur JU.“

Zum JU-Stimmenkauf vor zwölf Jahren meint er: „Ich bin sicher, dass mit den neuen Mitgliedern alles legal gelaufen ist. Seit damals haben wir unsere Satzung unheimlich verschärft.“

Damit meint er: „Neue CSU-Mitglieder dürfen jetzt erst nach zwei Monaten wählen. Mauscheleien, wie gezielte Mitgliederwanderungen vor Wahlen, sind nicht mehr möglich“.

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