Seehofer will die CSU "glühen" sehen

Jetzt kann offensichtlich nur noch ein „Sommermärchen“ die CSU retten. Parteichef Horst Seehofer holte sich nun sogar beim Kaiser Franz Beckenbauer Rat. „Seit unserem Gespräch bin ich wieder ein glücklicher Mensch.“
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Horst Seehofer
dpa Horst Seehofer

Jetzt kann offensichtlich nur noch ein „Sommermärchen“ die CSU retten. Parteichef Horst Seehofer holte sich nun sogar beim Kaiser Franz Beckenbauer Rat. „Seit unserem Gespräch bin ich wieder ein glücklicher Mensch.“

Das verkündete der bayerische Ministerpräsident am Samstag auf dem Europa-Parteitag der CSU in Deggendorf. Dort gaben die Christsozialen den Startschuss für die heiße Wahlkampfphase der kommenden vier Wochen.

Seehofer stapelt tief

Doch Seehofer selbst scheint die Europawahl schon abgeschrieben zu haben. Während er bei der vergangenen Landtagswahl die Messlatte für seine beiden Vorgänger Günther Beckstein und Erwin Huber extra hoch gelegt hatte, setzt er sie jetzt ganz tief an. Offensichtlich rechnet er sogar damit, dass das katastrophale Ergebnis bei der Landtagswahl von 43 Prozent noch tiefer rutschen könnte. „Drei Prozent rauf oder runter, das ist die Bandbreite“, erklärte er in Deggendorf.

Die Schuld für das angekratzte Image der CSU gibt Seehofer vor allem den Medien. Er fühlt sich von der Presse schlecht behandelt. „Wenn ich lese, was die Zeitungen über mich schreiben, dann könnte ich mir ja jeden Tag die Kugel geben“, giftete er. Vor allem über die Medien hatte er mit Beckenbauer gesprochen, um des Kaisers Geheimrezept zu erfahren. Egal, ob der seine Steuern seit Jahrzehnten nicht in Deutschland zahlt, seine Ehefrauen betrogen, uneheliche Kinder gezeugt und nicht immer Kluges von sich gegeben hat, von seinem Kaiserthron wollte ihn noch keiner stürzen. Im Gegenteil. Ganz Deutschland liegt ihm zu Füßen. Das hätte Horst Seehofer gerne auch. Ihm würde ja im Moment schon Bayern reichen.

Der "Kaiser" als Vorbild

Gelernt hat er aus dem Gespräch mit dem Kaiser eines: „Ich halten viel von Beckenbauers Grundsatz: ,Auf die alten Stärken setzen.'“ Ein Rechtfertigung für den Retro-Kurs des CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten. War er zu seinem Amtsbeginn vor gut einem halben Jahr noch im Jugendwahn, setzt Seehofer jetzt wieder auf die Alten.

Wie ein Sandwich wurde CSU-Europaspitzenkandidat Markus Ferber (44) auf dem Parteitag von den beiden Ehrenvorsitzenden Theo Waigel (70) und Edmund Stoiber (68) eingepackt. „Wir brauchen ein Signal der Hoffnung“ flehte der Bayernkurier, das offizielle CSU-Organ, auf den Plätzen der Delegierten mit seiner Schlagzeile.

"Wir müssen richtig glühen"

Doch auf dem Parteitag gab sich die CSU eher hoffnungslos. Spitzenkandidat Markus Ferber mühte sich zwar mit einer fulminanten Rede. Seehofer aber ließ Europa schnell links liegen und übte lieber schon an seiner Rede für den Bundestagswahlkampf. Nur gegen Gabriele Pauli, die Spitzenkandidatin der Freien Wähler stänkerte er und verspottete sie als Glühwürmchen, ohne ihren Namen zu nennen. Seine eigene Partei forderte er auf: „Wir müssen richtig glühen.“

Auf diesem Parteitag gelang das der CSU jedenfalls nicht. Nicht mal mehr die Bayernhymne brachte sie zusammen. Erst versagte das Band mit der Musik. „Dann sing ma halt selber“, stimmte Generalsekretär Alexander Dobrindt mit seiner Stellvertreterin Dorothee Bär das Lied an. Doch die beiden brachten den Text des Bayernliedes mit der Melodie der Deutschlandhymne völlig durcheinander und sangen so falsch, dass die Delegierten schrien: „Mein Gott! Aufhören! Erst in einem zweiten Anlauf schafften es die CSU gemeinsam „Gott mit dir du Land der Bayern“ zu intonieren. Von Sommermärchen war da nicht mal ein Hauch zu spüren.

Angela Böhm

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