Seehofer sucht verzweifelt neuen Finanzminister

Herrmann will nicht, Söder zögert, zwei Frauen sind im Gespräch - aber der Ministerpräsident sondiert auch außerhalb der Politik, ob’s jemand aus der Wirtschaft macht
| Angela Böhm
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Wer soll nach Georg Fahrenschon bayerischer Finanzminister werden?
dpa Wer soll nach Georg Fahrenschon bayerischer Finanzminister werden?

München - Eigentlich wollte Horst Seehofer ganz schnell seinen neuen Finanzminister bekannt geben – um seinen alten, Georg Fahrenschon, vergessen zu machen. Doch so leicht findet der Ministerpräsident keinen Ersatz für den Abtrünnigen, der überraschend von Bord geht und am 30.November in Berlin Chef des Sparkassenverbandes werden will. Niemand reißt sich um den Job im Kabinett. Denn derzeit ist das Finanzressort ein Feld mit vielen Minen. Und pfleglich umgegangen mit seinem obersten Kassenwart ist Seehofer nie. So liefen am Wochenende die Drähte heiß.
Innenminister Joachim Herrmann hat dem Ministerpräsidenten gleich eine Abfuhr erteilt. Er sehe sich als Innen- und nicht als Finanzpolitiker. Auch der oberfränkische Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk winkte ab. Er ist Staatssekretär im Bundesfinanzministerium bei Wolfgang Schäuble. Er sei gefragt worden, stünde aber nicht zur Verfügung, ließ er wissen. Die CSU-Landtagsfraktion hätte ihn eh nicht gewollt.

Am Sonntag suchte Seehofer auch nach einem Kandidaten außerhalb der Politik aus Wirtschaft oder Wissenschaft. Signalisiert haben soll Arbeits-und Familienministerin Christine Haderthauer, dass sie auch mit Finanzen umgehen könne. Auch die Chefin der Frauen-Union, die EU-Abgeordnete Angelika Niebler, wird für den Posten genannt. Beide gehören wie Fahrenschon zur Oberbayern-CSU.

Auch Umweltminister Markus Söder ist im Gespräch, soll sich aber zieren, weil mit dem Finanzministerium jetzt kein Blumentopf zu gewinnen sei. Er wäre lieber Innenminister geworden, wenn Herrmann gewechselt hätte.

Zwei Schwaben dagegen drängen an die Spitze. Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer, der Fahrenschon jetzt schon bei Verhandlungen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vertrat, könnte nahtlos übernehmen. Thomas Kreuzer, Schulstaatssekretär, hat den Landesbank-Untersuchungsausschuss geleitet und sich mit seinem Herrschaftswissen ins Kabinett katapultiert.
Für Seehofer ist die Situation eine Katastrophe. Er tobt und redet nicht mehr mit Fahrenschon, weil der nichts mit ihm abgesprochen hat. Dabei wollte der künftige Sparkassen-Chef noch vor zwei Wochen auf dem Parteitag unbedingt in die CSU-Spitze gewählt werden.

In München wäre dem Ex-Kronprinzen, mit der CSU 2013 eine ungewisse Zukunft bevor gestanden. In Berlin wartet auf ihn Sicherheit und ein angebliches Jahresgehalt von einer Million Euro. Bis Allerheiligen will Seehofer einen Nachfolger präsentieren.

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