Seehofer schließt mit Söder Frieden

„Tollpatschigkeiten“, „bewusste Machospiele“, „Wir rödeln und du machst sowas!“: Nach Seehofers Attacken gegen Söder machen viele CSU-Mitglieder ihrer Wut Luft. Jetzt lenkt Seehofer ein.  
| Angela Böhm
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Horst Seehofer gestern im Bundesrat – bei der Sitzung, wegen der er im Landtag fehlte. Die letzten Tage haben ein paar Furchen in sein Gesicht gegraben. Foto: dapd
dapd Horst Seehofer gestern im Bundesrat – bei der Sitzung, wegen der er im Landtag fehlte. Die letzten Tage haben ein paar Furchen in sein Gesicht gegraben. Foto: dapd

„Tollpatschigkeiten“, „bewusste Machospiele“, „Wir rödeln und du machst sowas!“: Nach Seehofers Attacken gegen Söder machen viele CSU-Mitglieder ihrer Wut Luft. Jetzt lenkt Seehofer ein.

MÜNCHEN   Am Freitag um 16.48 Uhr kommt die Entwarnung:  Seehofer und Söder rauchen die Friedenspfeife.  " Ministerpräsident Horst Seehofer und Staatsminister Dr. Markus Söder haben sich heute zu einem intensiven Gespräch getroffen. Alle aufgeworfenen Fragen sind ausgeräumt. Beide werden auch in Zukunft für eine gute Entwicklung Bayerns eng zusammenarbeiten. Zu Einzelheiten des Gesprächs wurde Stillschweigen vereinbart", meldet die Staatskanzlei.

Seehofer hat  eingelenkt. Die Sache wurde ihm zu heiß. In der CSU-Basis brodelt es wegen seiner Mobbing-Attacken.

Sein ganzes Leben hat Maximilian Gaul für die CSU geschuftet: Als Bürgermeister im fränkischen Roßtal, als Vize-Landesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung, als Chef der Kreistagsfraktion. Sogar das Bundesverdienstkreuz hat er dafür erhalten. Doch jetzt hat der ehemalige Seminarrektor die Schnauze voll. Nach der Landtagsfraktion muckt nun auch die Parteibasis auf gegen Horst Seehofer.

„Mit solchen Lästereien über das eigene Personal macht man in wenigen Minuten alles zunichte, was wir an der Basis versuchen gut zu machen“, schreibt Gaul via Facebook empört an den „Parteichef und Ministerpräsidenten“. „Ich bin jetzt 43 Jahre in der Partei, aber ich bin nicht mehr bereit, meine Freizeit und mein Geld zu opfern, um mitzuhelfen, dass solche Tollpatschigkeiten oder, noch schlimmer, bewusste Machospiele bis zum Wahltag wieder vergessen werden“, macht er seinem Ärger Luft.

„Zu viele Schmutzeleien“, „charakterliche Schwächen“, „von Ehrgeiz zerfressen“, hatte Seehofer auf einer Weihnachtsfeier am Montag über seinen Finanzminister gelästert. Das bringt jetzt auch die Basis gegen ihn auf. Denn beim „Mobbing am Arbeitsplatz“ hört die Solidarität mit dem Chef auf.

Das war schon 2007 bei Edmund Stoiber und der damaligen Landrätin Gabriele Pauli der Fall. Da hatte sich die Basis weniger darüber aufgeregt, dass er sie bespitzeln ließ. Als er aber ein Gespräch mit Pauli mit den Worten, so wichtig sei sie nicht, ablehnte, war es der Anfang von seinem Ende.

Mit ihrer Wut hält sich Isabella Buchenrieder-Goossens, Schriftführerin des CSU-Kreisverbands Kehlheim, nicht zurück. „Weißt du eigentlich, dass wir Wahlkampf haben?“, faucht sie den lieben Horst auf Facebook an. „Wir kleinen CSU’ler rödeln auf allen Ebenen und du machst so etwas.“ Seine Aussage über Söder sei „völlig daneben“. Einen Hinweis für den Parteichef hat sie auch: „Nur zur Kenntnisnahme: Wir in Niederbayern möchten die nächsten Wahlen gerne gewinnen!! Und Ehrgeiz hat noch nie geschadet.“

Zur Kenntnis aber wollte Seehofer lange nicht nicht nehmen, was er mit seiner Rundum-Schelte angerichtet hat. Er reagierte so wie immer, wenn es für ihn brenzlig geworden ist – und ging auf Tauchstation.

Mehrmals hat ihn CSU-Fraktionschef Georg Schmid am Donnerstag in Berlin angerufen. Er solle schnell zurückkommen. Da braue sich was gegen ihn zusammen. Anzeichen für einen Aufstand machten sich breit. Söder-Getreue sammelten Truppen. Demonstrativ haben sich die CSU-Abgeordneten mit ihm solidarisiert, seine Haushaltsrede bejubelt. „Redet’s halt miteinander“, hatte Schmid Seehofer angefleht. Der ließ ihn abtropfen. Er sei nicht abkömmlich, weil er die Sitzung des Bundesrats vorbereiten müsse. Die war Seehofer wichtiger als der Weihnachtsfriede in der CSU.

"Die fallen doch alle um, wenn sie ihm in die Augen schauen!"

Warum sollte er auch einfliegen? Er fühlt sich haushoch überlegen, wenn es zur Machtprobe mit Söders Anhängern käme. „Die Truppe kann keinen Krieg gewinnen“, macht ein Seehofer-Mann Stimmung. „Die fallen doch alle um, wenn sie ihm in die Augen schauen müssen!“ Am  Freitag  besann sich Seehofer dann doch. Nach der Bundesratssitzung in Berlin traf er sich mit seinem Finanzminister.

„Irreparabel beschädigt“, sieht die Opposition Söder. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher spricht von einem „öffentlichen Vertrauensentzug“ und einer „beispiellosen Demontage“, wenn dem „Finanzminister vom eigenen Chef charakterliche Schwächen, pathologische Züge und Schmutzeleien attestiert werden“. Der SPD-Politiker: „Söders Vorgesetzter hat ihm dieministrable Grundeignung abgesprochen.“

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