Seehofer-Nachfolge: Die brave Ilse Aigner reiht sich ein

Aigner soll nicht Fraktionschefin werden, sondern mit Söder auf Augenhöhe ins Kabinett
| Angela Böhm
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Keine Vorentscheidung im Duell um Seehofers-Nachfolge: Gemeinsam im Kabinett sind Ilse Aigner und Markus Söder wieder auf Augenhöhe.
dpa | Foto: Michael Kappeller Keine Vorentscheidung im Duell um Seehofers-Nachfolge: Gemeinsam im Kabinett sind Ilse Aigner und Markus Söder wieder auf Augenhöhe.

MÜNCHEN Sie muss sich beugen. Ilse Aigner wird offenbar doch nicht Fraktionschefin. Die Kronprinzessin von Horst Seehofer reiht sich ins Kabinett ein. „Damit geht die Bundeslandwirtschaftsministerin unter ihrem Wert zurück nach Bayern“, heißt’s in der CSU. Triumphieren kann Rivale Markus Söder. Eine Vorentscheidung über die Seehofer-Nachfolge wäre damit verhindert.

Beim ersten Treffen der neuen Mehrheitsfraktion im Landtag ließ sich Aigner gestern nichts anmerken. „Ich weiß nur eines: dass ich selber noch nichts entschieden habe“, sagte Seehofer. Er wolle erst nächste Woche den Abgeordneten einen Vorschlag für Kabinett und Fraktion machen.

In der CSU aber geht man davon aus, dass Aigner Wirtschaftsministerin und auch für die Energiewende zuständig wird. Damit wären Söder und Aigner auf Augenhöhe. Allerdings müssen sie sich als Minister den Richtlinien von Seehofer beugen. Der hat sie damit beide voll im Griff.

Eine ganz andere Position hätte Aigner als Chefin der CSU-Landtagsfraktion gehabt, für die sie lange die Top-Favoritin war. Da stünde sie auf Augenhöhe mit Seehofer. Der müsste bei Abstimmungen im Landtag mit ihr besprechen: „Ilse, wie mach’ ma des jetzt?“ Mit den CSU-Abgeordneten im Rücken könnte sie ihm sogar sagen, wo’s lang geht.

Das Wichtigste aber: Die CSU-Fraktion bestimmt, wer in Bayern Ministerpräsident ist. Nach Artikel 44 der Verfassung wird der nicht vom Volk, sondern vom Landtag gewählt. Aigner hätte damit perfekt die Weichen für sich als Nachfolgerin stellen und eine Hausmacht in der Fraktion aufbauen können.

Das war Markus Söder ein Dorn im Auge. Genau deswegen spekulierte er selbst auf das Amt und wollte nicht freiwillig das Feld räumen. Auf einen Machtkampf mit Aigner hätte er es ankommen lassen. Schon im Vorfeld hatte der Finanzminister seine Leute in Stellung gebracht. Im Gegensatz zu Aigner ist er in Bayern bestens vernetzt. „Der verwendet einen Großteil seiner Dienstzeit für seine Karriereplanung“, sagt einer aus der Fraktion.

Zweikämpfen aber geht die Chefin der CSU-Oberbayern aus dem Weg. Sie will Harmonie. Und Seehofer auch.

Gleich nach der Landtagswahl hat er einzeln mit seinen Bezirksfürsten geredet. Die haben ihn offenbar misstrauisch gemacht. Bereits am Dienstag nach der Bayern-Wahl hatte die AZ berichtet, dass Aigner als Fraktionschefin nicht sicher sei und Seehofer über eine „weiche Lösung“ nachdenke: Mit seinem Staatskanzlei-Chef Thomas Kreuzer als Fraktionschef. Der soll nun den Vorsitz übernehmen.

Seehofer wechselt damit innerhalb von fünf Jahren zum dritten Mal seine „rechte Hand“ in der Regierungszentrale aus. Erst setzte sich sein Weggefährte Siegfried Schneider als Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien ab. Ersatz Marcel Huber wechselte nach acht Monaten an die Spitze des Umweltministeriums. Danach holte sich Seehofer Kreuzer. Der Schwabe gilt als loyal, hat nicht die geringsten Ambitionen, Ministerpräsident zu werden, und würde die Fraktion ganz im Sinne Seehofers führen

Aigner bleibt im Moment nur die Hoffnung: Dass der Horst nicht vergisst, wie brav sie sich jetzt unterordnet.

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