Seehofer: Der schüchterne Horst

So schön hatte es die Kanzlerin mit der CSU noch nie. Die lässt sich jetzt von ihr dirigieren, um von ihrem Ansehen zu profitieren. Angelas Strahlkraft soll Seehofer wieder zur Alleinherrschaft verhelfen
| Angela Böhm
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Harmonie in Kloster Banz: Horst Seehofer und Angela Merkel
dpa Harmonie in Kloster Banz: Horst Seehofer und Angela Merkel

So schön hatte es Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der CSU noch nie. Die lässt sich jetzt von ihr dirigieren, um von ihrem Ansehen zu profitieren. Angelas Strahlkraft soll Seehofer wieder zur Alleinherrschaft verhelfen.

BAD STAFFELSTEIN Horst Seehofer kann ein richtiger Charmeur sein. Dann setzt er seinen Zucker-Blick auf und flötet. So wie kurz vor Weihnachten auf dem Parteitag von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CSU sei „fest entschlossen, dass wir in den nächsten Monaten ein schnurrendes Kätzchen sind und kein brüllender Löwe“, hatte er ihr da versprochen und sich selbst übertroffen. Jetzt, zur heißen Wahlkampf-Phase, ist er zum schüchternen Schmusekater mutiert. Denn „Mutti“ wie Seehofer Bundeskanzlerin Angela Merkel einst despektierlich nannte, muss dem kleinen Horst in Bayern helfen, dass er seine Alleinherrschaft zurückbekommt.

So wird Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Klausur der CSU-Landesgruppe in Kloster Banz umschwärmt. Seehofer schwört ihr Selbstdisziplin: „Sie müssen einfach mit dem schüchternen Seehofer die nächsten acht Wochen rechnen.“

Von Merkels Strahlkraft, von ihrem Ansehen will er bei der Bayern-Wahl profitieren. Und sein Sieg soll der Kanzlerin Flügel verleihen eine Woche später bei der Bundestagswahl. In der CSU spricht man von „Interessens-Identität“. „Da muss man lange zurückdenken, dass so viel Harmonie war“, sagte Seehofer kürzlich.

Dabei lautete bisher das Erfolgsrezept von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber: Kontroverse statt Harmonie. Erst Kohl und dann Merkel ließ die CSU nach ihrer Pfeife tanzen. Damals brauchten die Unions-Kanzler die kleine unbesiegbare Schwester aus Bayern, um ihre Macht zu sichern.

Seit dem Absturz der CSU 2008 aber hat sich das Blatt gewendet. Noch nie musste ein Kanzler so viel Wahlkampf in Bayern machen, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel das derzeit tut. „Du hast eine Präsenz in Bayern, wie sie vorher in dieser Dichte nie da war“, flötet Seehofer.

Dabei hatte er noch gedacht, das alte CSU-Rezept „Kanzler-Mobbing“ würde weiter funktionieren. Mit seinen roten Linien bei der Griechenlandhilfe hatte er Merkel ein Misstrauensvotum erteilt, war dann aber zum größten Fan der Kanzlerin umgeschwenkt, als das nicht zog.

Aus Taktik hat sich Seehofer Merkel unterworfen – zumindest bis zur Wahl. Die Hierarchie ist klar. „Die Verbundenheit von Bundespolitik und Landespolitik zeigt sich auch durch die Anwesenheit des Ministerpräsidenten und gleichzeitigen CSU-Vorsitzenden“, sagte Merkel. Meinen tut sie: Ich bin die Bundespolitik, Seehofer die Landespolitik.

Kein Krawall, kein Konflikt, keine Konfrontation. Die CSU sei inzwischen nur noch ein Landesverband der CDU, klagen die Konservativen. „Die Eigenständigkeit der CSU hat keinen Eigenwert mehr.“ Sie sei nur noch formell. Merkel selbst sagt feinsinnig in Banz: „Damit es Unterschiede gibt, muss es ja auch Unterschiede geben.“

Sie definiert die Unionspolitik und dirigiert die CSU. So hat Seehofer seine Streit-Themen in einem „Bayern-Plan“ abgelegt: PKW-Maut, eigene Erbschaftssteuer, bundesweite Volksabstimmungen über wichtige EU-Pläne. Das wird nie kommen. Für Seehofer aber ist das kein Thema. Einem Wahlerfolg in Bayern ordnet er alles unter.

Gastgeberin in Banz ist Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Merkel und sie haben einen engen Draht. Beide sind ruhig, überlegt und nicht auf Krawall gebürstet. Vieles haben die Frauen ohne Seehofer ausgehandelt. „Sie hat immer ein offenes Ohr für die Anliegen der CSU“, schwärmt Hasselfeldt untergeben. Seehofer hatte sie an die Spitze der Landesgruppe gehievt, um bei den Wählerinnen zu punkten. Reden tut er mit ihr aber kaum.

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