Sabine will’s werden

... aber darf sie auch? Am Montag entscheidet die FDP, ob sie mit einer jungen Truppe um Lindner und Rösler in die Zukunft geht – oder lieber einen Übergang mit Leutheusser-Schnarrenberger will.
| Angela Böhm
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... aber darf sie auch? Am Montag entscheidet die FDP, ob sie mit einer jungen Truppe um Lindner und Rösler in die Zukunft geht – oder lieber einen Übergang mit Leutheusser-Schnarrenberger will.

München -  Solche Symbol-Bilder sind jetzt ganz nach ihrem Geschmack: Im gläsernen Lift fährt
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schnurstracks nach oben. Wie eine Ehrenformation haben sich dort die Kamerateams aufgestellt, um jede ihrer Regungen einzufangen. Wird die Starnbergerin am Montag Guido Westerwelle an der Spitze der Liberalen ablösen? Die Bundesjustizministerin
versteckt sich hinter einem Dauerlächeln und schweigt.

Eigentlich sollte sie an diesem Freitagmittag im Münchner Presseclub hoch über dem Marienplatz über ihre Rechtspolitik reden. Wie die weiter geht nach den beiden desaströsen Landtagswahlen. Dabei wollen alle nur wissen, wie es weiter geht mit der FDP. „Wir werden fair miteinander umgehen”, sagt sie. Und: „Wir werden keinen Mediator brauchen.” Sie hoffe auf ein ordentliches Verfahren. Schließlich brauche die FDP für die Zukunft ein Team „das sich gegenseitig vertrauen kann”. Sie wolle alles tun, damit kein „Scherbenhaufen angerichtet” werde.
Längst hat sie ihren Hut in den Ring geworfen. Nur sagen will sie das nicht. Am Montag wird die FDP-Spitze die Weichen stellen, ob die Partei mit ihrem jungen 30er-Team, Generalsekretär Christian Lindner (32), Gesundheitsminister Phillip Rösler (38) und dessen Staatssekretär Daniel Bahr (34), in die Zukunft gehen will. Oder ob für eine Übergangszeit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die am 26. Juli ihren 60. Geburtstag feiert, die Liberalen führen soll. Guido Westerwelle (49) jedenfalls wird seinen Vorsitz nach zehn Jahren räumen.

Gut konnte es Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit Westerwelle eh nie. Jahrelang hatte der die Linksliberale von oben herab behandelt, als die FDP in Bayern keine Rolle spielte. Erst als sie als Landeschefin 2008 die CSU sensationell in die Koalition zwang, kam Westerwelle auch an ihr nicht mehr vorbei. Nun könnte ihre Stunde gekommen sein.

Zwischen den Zeilen lässt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ihre Bewerbung für den höchsten Posten der Liberalen durchblitzen. Bei ihrer Bürgerpolitik hat die FDP das Vertrauen der Wähler verloren. Bei den Bürgerrechten nicht. Und dafür steht sie: die Justizministerin. „Wer kann in den nächsten zwei Jahren Glaubwürdigkeit verkörpern? Das müssen wir diskutieren”, sagt Sabine Leutheusser -Schnarrenberger lächelnd und zählt ihre Pluspunkte auf. Sie habe Gesetze der letzten Regierungen kassiert, die zu weit gegangen seien und die Sicherheitsverwahrung von Sexualstraftätern geregelt. Kinderpornos wolle sie nicht im Netz sperren, sondern gleich löschen: „Der Dreck muss raus.” Und nach „Stuttgart 21” sei sie schon dabei ein künftiges Planungsverfahren zu gestalten, das die Bürger frühzeitig mit einbeziehe.”

Die Bayern-FDP hat Leutheusser-Schnarrenberger hinter sich: „Sie ist ein profilierter Kopf”, sagt Landtagsfraktionschef Thomas Hacker (43). Wenn’s nicht klappt: Am kommenden Samstag wählt die Bayern-FDP ihre Parteispitze. Leutheusser- Schnarrenberger wird wieder antreten. Thomas Hacker soll dann ihr Vize werden. Ihre langjährige Weggefährtin Renate Will (63) wird nicht mehr kandidieren. Ein schönes Abschiedsgeschenk hat sie ihrer Busenfreundin schon gemacht. Will war es, die Westerwelles Rücktritt gefordert und Leutheusser-Schnarrenberger als Nachfolgerin ins Spiel gebracht hat.

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