Reaktionen: Europäische Rückendeckung für Macron

Die große Entscheidung steht zwar noch aus – doch in Brüssel zeigt man sich erleichtert.  
| Mirjam Moll
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Frankreich ist gespalten. Um das Amt des Präsidenten ringen der Polit-Jungstar Macron und Marine Le Pen.
Daniel Karmann/dpa Frankreich ist gespalten. Um das Amt des Präsidenten ringen der Polit-Jungstar Macron und Marine Le Pen.

Die große Entscheidung steht zwar noch aus – doch in Brüssel zeigt man sich erleichtert.

Es gab nur eine einzige Wahl – zwischen der Verteidigung dessen, was Europa verkörpert und der Option, die seine Zerstörung zum Ziel hat. Deshalb fanden wir es nützlich, den Kandidaten anzurufen, der die europäische Option verteidigt hat."

Mit diesen Worten rechtfertigt ein EU-Kommissionssprecher gestern jenes Telefongespräch, in dem Präsident Jean-Claude Juncker noch am Sonntagabend dem stärksten Kandidaten bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen, Emmanuel Macron, zu dessen Erfolg gratulierte.

Dass sich der Behördenchef so offen positionierte, während der zweite und entscheidende Urnengang in Frankreich noch bevorsteht, hatte für Aufsehen gesorgt. Doch damit stand Juncker nicht alleine. Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini gab dem 39-jährigen Präsidentschaftsanwärter Rückendeckung.

"Der stärkste Kandidat ist der europäischste"

Dass der unabhängige Kandidat so deutlich vor Marine Le Pen lag, sorgte in Brüssel für ein Aufatmen. "Der stärkste Kandidat ist der europäischste", sagte der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok der AZ. Jo Leinen von der SPD meint: Der parteilose Kandidat habe das Potenzial, "dem deutsch-französischen Paar neuen Schwung" zu verleihen".

Ex-Parlamentspräsident und Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) denkt weiter. "Dann könnten wir, er als Präsident in Frankreich und ich als Kanzler, auf der Grundlage einer nachhaltig gestärkten deutsch-französischen Kooperation, die Reform der EU in Angriff nehmen", sagte Schulz.

Sollte dennoch Le Pen in der Stichwahl gewinnen, droht Europa ein Referendum über den "Frexit": "Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Frankreichs aus der EU ist aber gering", glauben die Experten des Centrums für Europäische Politik.

SPD-Politiker Leinen warnt jedoch: Immerhin habe das Lager der Europakritiker zusammengerechnet "über 40 Prozent" erreicht. "Das zeigt ein erschreckendes Potenzial an Nationalismus und Europaskepsis." Macron muss kämpfen – nicht nur für Frankreich.

Wo Macron und Le Pen verloren haben: Kuriose Wahl-Fakten zu den Kandidaten

Macron:
Er hat in seiner Wahlkreis-Gemeinde Le Touquet nur den zweiten Platz belegt. Der sozialliberale Kandidat lag mit 30,39 Prozent hinter dem Konservativen François Fillon (50,8 Prozent).

Le Pen I:
Mehr als 7,5 Millionen Menschen haben für die Rechtspopulistin gestimmt – doch insgesamt gibt es 50 (kleine) Gemeinden, in denen Le Pen kein einziges Wähler-Kreuzerl erhalten hat.

Le Pen II:
Die Front-National-Chefin liegt bei den in Bayern lebenden Franzosen weit hinter Macron: Er erhielt laut französischem Konsulat in München 57 Prozent der Stimmen, Le Pen nur drei.

Lesen Sie auch: Marcon und Le Pen - Wahl in Frankreich: Europa am Scheideweg

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