Poroschenko: Russland beginnt mit Invasion!

Die ukrainische Regierung meldet, dass russische Truppen die Grenzstadt Nowoasowsk eingenommen haben. Präsident Poroschenko hat einen Besuch in der Türkei abgesagt.
| dpa/az
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Russische Kampfpanzer sind nach Angaben der ukrainischen Regierung weiter auf dem Vormarsch in die Ukraine.
dpa Russische Kampfpanzer sind nach Angaben der ukrainischen Regierung weiter auf dem Vormarsch in die Ukraine.

Kiew - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russlands Militär einen Einmarsch in sein Land vorgeworfen. "Ich habe einen Besuch in der Türkei abgesagt, (...) da eine Intervention russischer Streitkräfte in der Ukraine stattfand", teilte Poroschenko am Donnerstag in Kiew mit. Die Lage im Raum Donezk, darunter die Ortschaften Amwrosijewka und Starobeschewo, habe sich "extrem verschärft". Mit Nachdruck forderte er Sondersitzungen des UN-Sicherheitsrats und des EU-Rates. "Die Welt muss sich zur heftigen Verschärfung der Lage in der Ukraine äußern", forderte Poroschenko, der am Samstag am Rande des EU-Sondergipfels in Brüssel erwartet wird.

Das ukrainische Militär hatte zuvor mitgeteilt, die Kontrolle über eine Grenzregion im Südosten weitgehend verloren zu haben, und Einheiten aus dem Nachbarland dafür verantwortlich gemacht. Bereits am Mittwoch hatte ein Militärsprecher von mehr als 100 russischen Fahrzeugen gesprochen, die im Osten der Ukraine unterwegs seien.

Die prorussischen Separatisten erklärten, sie würden seit langem von Soldaten aus dem Nachbarland unterstützt. "Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten", sagte der Separatistenführer Andrej Sachartschenko dem russischen Fernsehsender Rossija-24. "In unseren Reihen hat es etwa 3000 bis 4000 gegeben. Viele sind heimgefahren. Viel mehr sind aber geblieben. Leider gab es auch Tote."

Unter den "Freiwilligen" seien viele reguläre russische Soldaten, die ihre Freizeit an der ostukrainischen Front verbringen würden. "Sie ziehen es vor, ihren Urlaub nicht am Strand, sondern Schulter an Schulter mit ihren Brüdern zu verbringen, die um die Freiheit des Donbass kämpfen."

Rund um die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol im Süden der Ukraine spitzt sich die Lage Berichten zufolge zu. Die Aufständischen teilten mit, mit Panzern die Stadt Nowoasowsk nahe Mariupol erreicht zu haben. "Die Befreiung der Stadt ist eine Sache von Tagen", kündigte ein Separatistensprecher an.

 

 

 

Die ukrainische Armee bereitete sich auf eine Offensive der Separatisten vor. "Wir formieren zwei Verteidigungslinien und graben uns ein", sagte ein Militärsprecher. Die Region Mariupol am Asowschen Meer ist die Landverbindung zwischen Russland und der von Moskau im März einverleibten Halbinsel Krim. In der Großstadt Donezk wurden bei den schwersten Gefechten seit Tagen mindestens 16 Zivilisten getötet. Mehr als 20 Menschen wurden bei den Kämpfen zwischen Armee und prorussischen Aufständischen verletzt, wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte. Durch heftigen Artilleriebeschuss seien zahlreiche Wohnhäuser zerstört und die Wasserversorgung beschädigt worden. Der ukrainische Präsident Poroschenko erörterte in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Lage. Der prowestliche Staatschef habe dabei ein baldiges Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe unter dem Patronat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) angekündigt, teilte Poroschenkos Pressestelle in Kiew mit.

Die Verhandlungen finden vermutlich in der weißrussischen Hauptstadt Minsk statt. Dort hatten Poroschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag ihren Willen zu einer friedlichen Lösung des Konflikts bekräftigt, ohne das dies zu einer Entspannung der Lage geführt hätte.

Frankreichs Präsident François Hollande forderte erneut eine politische Lösung. Eine Präsenz russischer Truppen in der Ostukraine sei nicht hinnehmbar, sagte er am Donnerstag in Paris. Hollande appellierte an Russland, die Souveränität der Ukraine zu achten und die Unterstützung der Separatisten zu beenden.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren