Politiker würdigen Genscher bei Staatsakt in Bonn

Mit einem feierlichen Staatsakt in Bonn hat die Bundesrepublik Deutschland am Sonntag Abschied von ihrem langjährigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher genommen.
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James Baker, ehemaliger Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, geht beim Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher am Sarg vorbei.
dpa 4 James Baker, ehemaliger Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, geht beim Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher am Sarg vorbei.
Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) unterhalten sich vor dem Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn.
dpa 4 Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) unterhalten sich vor dem Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn.
Die Tochter des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, Martina Zudrop (l-r), ihr Mann Generalmajor Reinhardt Zudrop, die Witwe Barbara Genscher, Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagpräsident Norbert Lammert stehen nach dem Staatsakt vor dem ehemaligen Bundestag in Bonn.
dpa 4 Die Tochter des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, Martina Zudrop (l-r), ihr Mann Generalmajor Reinhardt Zudrop, die Witwe Barbara Genscher, Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagpräsident Norbert Lammert stehen nach dem Staatsakt vor dem ehemaligen Bundestag in Bonn.
Die Ehrenformation der Bundeswehr marschiert an Barbara Genscher (M), Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher.
dpa 4 Die Ehrenformation der Bundeswehr marschiert an Barbara Genscher (M), Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Staatsakt für den verstorbenen früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher.

Bonn - Der verstorbene Politiker sei ein "Titan unter den Diplomaten Europas" gewesen, sagte der ehemalige US-Außenminister James Baker in seiner Rede. Mehrfach klang an, dass sich Genscher in den letzten Wochen seines Lebens große Sorgen sowohl um die Einheit Europas wie auch um die Beziehungen zu Russland gemacht hatte.

Lesen Sie hier: Abschied vom ewigen Außenminister

Der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel würdigte seinen Vorgänger und FDP-Parteifreund als einen "Akteur der Weltpolitik" und gleichzeitig als "Menschenfreund" und "Brückenbauer". "Er war ein Meister des Gesprächs", sagte Kinkel. "Er prägte den Wandel vom Rüsten zum Reden."

Die deutsche Einheit sei Krönung seiner politischen Arbeit gewesen: "Die Wiedervereinigung war ganz stark das Werk Helmut Kohls und Hans-Dietrich Genschers." Kinkel betonte, das Vermächtnis Genschers seien das geeinte Europa, das transatlantische Bündnis mit den USA, aber auch gute Beziehungen zu Russland.

 

Gauck: "Deutscher Patriot und überzeugter Europäer"

 

"Als er bei öffentlichen Auftritten zum Schluss schon im Rollstuhl saß, hielt er noch flammende Vorträge zu seinem Europa, verbunden mit dem Wunsch des Neubeginns der Beziehungen zu Russland. Immer wieder wies er darauf hin, es müsse in diesem Kontext ein Szenario geschaffen werden, bei dem niemand als Verlierer dastehe." Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck Genscher als einen "deutschen Patrioten und überzeugten Europäer" hervorgehoben.

In seiner "glücklichsten Stunde als Politiker" habe er den DDR-Flüchtlingen in der Prager Botschaft der Bundesrepublik ihre Ausreise angekündigt. Doch ebenso leidenschaftlich wie für die deutsche Einheit habe sich Genscher für das geeinte Europa eingesetzt.

 

In seiner Heimatstadt Halle ein Rockstar

 

Ex-Außenminister Baker erinnerte sich, Genscher sei nach der Wiedervereinigung in seiner Geburtsstadt Halle wie auch in anderen Städten der ehemaligen DDR "wie ein Rockstar gefeiert" worden. Der evangelische Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer bezeichnete Genscher als den "fröhlichste(n) Hallenser aller Zeiten".

Lesen Sie auch: Altkanzler Kohl: Europa ist nicht die Lösung für Flüchtlinge

Zahllose Politiker seien von ihm nach Halle "geschleppt" worden, so dass die Stadt in Sachsen-Anhalt "weltberühmt" geworden sei. Die Bodenhaftung habe Genscher trotz aller Höhenflüge nie verloren.

Genscher war am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben. Aufgrund seiner besonderen Verdienste hatte der Bundespräsident einen Staatsakt angeordnet, ein Zeremoniell, das Ministern nur selten zuteil wird.

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