Planlose Konservative?

Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentiert das Buch ihres früheren Rivalen Roland Koch – und fordert mehr Einsatz der Konservativen in der Union. Ihnen fehle der „intellektuelle Überbau“.
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Der „liebe Roland“ und die „liebe Angela“ gestern in Berlin. Kochs Buch sei ein „spannendes, interessantes“ Werk, merkelte die Kanzlerin in ihrer typischen, trockenen Art.
dapd Der „liebe Roland“ und die „liebe Angela“ gestern in Berlin. Kochs Buch sei ein „spannendes, interessantes“ Werk, merkelte die Kanzlerin in ihrer typischen, trockenen Art.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentiert das Buch ihres früheren Rivalen Roland Koch – und fordert mehr Einsatz der Konservativen in der Union. Ihnen fehle der „intellektuelle Überbau“.

Es war eine kuriose Vorstellung. Roland Koch, Ex-Ministerpräsident von Hessen, Dauer-Rivale der Kanzlerin und einstiger Vorzeige-Konservative der Union, präsentierte in Berlin sein neues Buch. Titel: „Konservativ – ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen.“ Die Laudatio hielt ausgerechnet Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Frau, der nachgesagt wird, die Partei sozialdemokratisiert und nach und nach alle Konservativen in der Union kleingekriegt zu haben – inklusive Koch.

An diesem Tag, in einer mit Besuchern vollgestopften Berliner Buchhandlung, wollen Koch und Merkel alte Rivalitäten aber gar nicht aufkommen lassen. Im Gegenteil, sie kokettieren sogar mit den ihnen nachgesagten Rollen: Die „liebe Angela“ sei ihm in der öffentlichen Wahrnehmung beim Konservativ-Sein näher als vermutet, sagt Roland Koch, der sich selbst als „konservativer Reformer“ vorstellt und jetzt mit 52 in die Wirtschaft wechselt.

Merkel lobt artig sein Buch als „interessant und spannend“ und pflichtet ihm bei: „Wenn Verbindlichkeit und Gelassenheit konservative Tugenden sind, dann habe ich auch etwas davon. In der Ruhe liegt die Kraft.“ Auch beim Thema Familie sei sie ganz auf Kochs Linie: „Die CDU muss wieder ein deutliches Bekenntnis zur Ehe abgeben.“

Sie übt aber auch Kritik an den Konservativen im eigenen Lager: „Das Konservative ist zwar vorhanden, die Vertreter können ihre Anliegen aber zum Teil schwer formulieren“, watscht Merkel ab. „Konservative sind heute nicht heimatlos, aber planlos. Ihnen fehlt ein intellektueller Überbau zu Einstellungen und Forderungen.“ An diesem Überbau müssten die Konservativen stärker arbeiten. „Denn ohne wird dieses Planlose eben immer wieder deutlich werden.“

Auch Koch forderte die Konservativen zu einem offensiveren Auftreten auf: „Die Konservativen leben noch“, sagt er. „Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum. Die mangelnde Präsenz der Konservativen in der CDU macht ganze Gruppen unserer Bevölkerung praktisch mundtot.“ Eine rechtspopulistische Partei könnte die Union nur verhindern, wenn sie das Konservative stärker pflegten, so Koch.

Eine kritische Anmerkung kann sich Merkel dann aber doch nicht verkneifen: Ihr kommt in Kochs Buch das Thema Religion zu kurz. „Da möchte man eigentlich weiterlesen, und da hört das Buch auch schon auf“, sagt Merkel. Und bezieht sich nochmal auf die Integrations-Rede von Bundespräsident Christian Wulff am Tag der deutschen Einheit: „Eine der zentralen Fragen der Zeit ist, was eigentlich der Islam ist“, sagt Merkel. „Sein Bild wird in Deutschland durch die Scharia, die Ungleichheit von Mann und Frau und durch Ehrenmorde geprägt.“

Der Bundespräsident habe zwar Recht, wenn er sage, dass der Islam genauso wie Judentum und Christentum in Deutschland gelebt werde. „Der Islam muss sich aber immer den Grundwerten verpflichtet fühlen“, sagt Merkel. „Es gibt hier keine Toleranz gegenüber den Werten des Grundgesetzes.“ Solche Kanzlerinnen-Sätze dürften den Konservativen in der Union gefallen.

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