Pauli und der Herr Dings

Gerne hätte Hubert Aiwanger die Freien Wähler alleine zu Ruhm und Ehre geführt. Nun muss er mit der Ex-CSU-Rebellin leben – ob er will oder nicht. Gabriele Pauli: „Es muss nicht Liebe auf den ersten Blick sein!“
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Gabriele Pauli mit FW-Chef Hubert Aiwanger
dpa Gabriele Pauli mit FW-Chef Hubert Aiwanger

NÜRNBERG - Gerne hätte Hubert Aiwanger die Freien Wähler alleine zu Ruhm und Ehre geführt. Nun muss er mit der Ex-CSU-Rebellin leben – ob er will oder nicht. Gabriele Pauli: „Es muss nicht Liebe auf den ersten Blick sein!“

Sie steht im Mittelpunkt. Das muss auch Hubert Aiwanger (37) anerkennen. Hätte der Landes-Chef der Freien Wähler zu einer Pressekonferenz in Nürnberg eingeladen, wäre eine Hand voll Journalisten gekommen. Maximal. Doch gestern hatte sie ihren großen Auftritt: Gabriele Pauli (51), Ex-Landrätin aus Fürth, CSU-Rebellin, Königsmörderin, Foto-Modell für Latex-Handschuhe und seit einigen Tagen Mitglied der Freien Wähler. Bei der Landtagswahl am 28. September tritt Pauli für die Freien im Stimmkreis 501, Nürnberg-Nord, gegen Ministerpräsident Günther Beckstein (64) an. Drei Dutzend Fotografen, Kamerateams und Journalisten aus ganz Deutschland verfolgten ihren ersten Auftritt in der neuen Rolle.

Auch Aiwanger muss sich auf eine neue Rolle einstellen. Im Marmorsaal des Presseclubs war es die Nebenrolle. Der Niederbayer hatte Pauli nicht gewollt. Pauli: „Es muss nicht Liebe auf den ersten Blick sein!“ Doch Nürnbergs FW-Chef Jürgen Horst Dörfler hat ihre Kandidatur durchgedrückt. Nun steht sie auf Platz acht der Mittelfrankenliste und fordert Beckstein heraus. „Damit erreichen wir die höchste Aufmerksamkeit“, sagt Dörfler. Er hat sich im Vorfeld übrigens nur mit Mühe davon abbringen lassen, die Pressekonferenz mit Pauli auf dem Hauptmarkt zu veranstalten.

"Sie bringt uns mehr, als sie uns schadet“

Über die erhöhte Aufmerksamkeit freut sich inzwischen auch Aiwanger. Am Sonntag und am Montag traf sich Pauli mit der FW-Spitze. „Wir haben uns kennen gelernt. Sie bringt uns mehr, als sie uns schadet“, sagt Aiwanger jetzt. „Wir müssen die Publicity von Pauli nutzen, um unsere Sachthemen zu transportieren.“

Er, der sich um den ländlichen Raum und etwa die bessere Versorgung dort mit DSL-Internetanschlüssen kümmert, und sie, die sich für städtische Themen stark macht und für die auf sieben Jahre befristete Ehe kämpft? „Eine Arbeitsteilung gibt es nicht“, antwortet Aiwanger. Allerdings müsse man auf die Tatsache, dass immer mehr Ehen scheitern, schon Antworten finden und eventuell mehr Beratungsstellen einrichten. Pauli steht weiter zur Sieben-Jahre-Ehe. „Dass meine Forderung nicht von den Freien Wählern übernommen wird, macht nichts. Das ist doch das Schöne, dass man hier für solche Ideen nicht schikaniert wird!“

"Die CSU unter 50 Prozent drücken“

Dazu zählt auch ihr Vorschlag, den bayerischen Ministerpräsidenten künftig direkt vom Volk wählen zu lassen. Auf die Frage, mit welchen Themen sie Beckstein im Stimmkreis in die Enge treiben will, bleibt Pauli unkonkret. „Das wird sich ergeben.“ Politik von Menschen für Menschen wolle sie machen. „Mir geht es nicht darum, Posten zu erreichen. Ich will Menschen glücklich machen und ihnen die Angst nehmen.“

Wie viel Prozent der Stimmen sie mit diesem Kuschel-Programm holen will, lässt sie offen. „Wenn die Bürger meine Grundsätze gut finden, dann sollen sie mich wählen. Und wenn nicht, dann nicht.“

Da wird Aiwanger, der weiß, wie nervös die CSU ist, konkreter. Die Freien Wähler wollen „deutlich über fünf Prozent erreichen und die CSU unter 50 Prozent drücken“. Nach der Wahl könne er sich vorstellen, „mit allen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten, wenn das Bayern voranbringt“.

Michael Reiner

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