Pauli: Die Scheidung von den Freien Wählern

Die Freien Wähler setzen ihren Star, die Polit-Rebellin, vor die Tür: „Wir ziehen die Notbremse.“ Und Gabriele Pauli ist es egal: „Ich weiß, dass ich das Richtige tue.“
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Will für "wahre Werte" eintreten - Gabriele Pauli
dpa Will für "wahre Werte" eintreten - Gabriele Pauli

MÜNCHEN - Die Freien Wähler setzen ihren Star, die Polit-Rebellin, vor die Tür: „Wir ziehen die Notbremse.“ Und Gabriele Pauli ist es egal: „Ich weiß, dass ich das Richtige tue.“

Ihre Politehe mit den Freien Wählern dauerte keine sieben Jahre. Nach nur zwölf Monaten setzten die Newcomer im bayerischen Landtag Gabriele Pauli vor die Tür.

Ihr Fraktionschef Hubert Aiwanger war danach erleichtert: „Unsere Leute an der Basis haben gesagt: Schluss jetzt. Die schadet uns. Wir mussten definitiv die Notbremse ziehen. Das war eine Partnerschaft auf Zeit.“

Pauli gibt sich cool

Pauli gab sich nach dem Scheidungsurteil cool, redete nur noch über ihre eigene Pauli-Partei, die sie jetzt ganz schnell gründen will: „Wer nicht anfängt, kommt nicht weiter.“

Der Showdown geschah gestern im Maximilianeum in der vierten Etage des Südbaus. Um neun Uhr hatte die Fraktion zur alles entscheidenden Sitzung geladen. Alle waren da. Nur Pauli kam wieder zu spät. So wie immer. Diesmal waren es sieben Minuten. Dann stellte sie sich erst noch zehn Minuten den Kameras, bevor sie den Sitzungsraum betrat in ihremschwarzen Blazer mit dem weiß-schwarzen Plisseerock.

Sie will eigene Partei gründen

So hatte sie sich schon nach der Europawahl bei der Pressekonferenz des Bundesvorsitzenden Armin Grein und des Landeschefs Hubert Aiwanger verhalten. Während die beiden das Wahlergebnis analysieren wollten, verkündete die Zuspätgekommene kühl, dass sie eine eigene Partei gründen wolle.

Eine Stunde lang versuchten die Fraktionsmitglieder gestern Pauli von ihrer eigenen Partei abzubringen. Doch die frühere CSU-Landrätin von Fürth zeigte sich uneinsichtig. Sie will es jetzt auf eigene Faust versuchen: „Ich stelle mir gar nichts vor für die Zukunft, aber ich weiß, dass ich das Richtige tue.“ Es gehe ihr nicht darum eine Rolle in der Öffentlichkeit zu spielen. „Ich suche nur den Dialog mit den Bürgern“, versicherte Pauli. Und: „Es können sich alle ein Ziel nehmen, die sich ein Ziel nehmen wollen.“

Große Ziele, die unerreichbar sind

Ziele hatte und hat Pauli, die einst in der CSU den Sturz von Edmund Stoiber auslöste, immer. Sogar eine Kanzlerkandidatur schließt sie jetzt nicht aus. „Damit hat die streitbare Stoiber-Gegnerin die letzte Stufe des politischen Größenwahns erreicht“, schreibt der ehemalige Wahlkampfberater von Stoiber, Michael Spreng, in seinem Politik-Blog und plaudert dabei aus: „Im Sommer 2006 kam Gabriele Pauli zu mir nach Hamburg und eröffnete das Gespräch mit dem Satz: „Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden. Was muss ich dafür tun?”

Geworden ist sie es nicht. Auch das Kanzleramt ist für sie unerreichbar.Wenn sie bei der Bundestagswahl antreten will, bleiben ihr eh nur noch 12 Tage: Am 29. Juni endet die Anmeldefrist. Bis dahin müsste die Pauli-Partei Programm, Satzung und einen gewählten Vorstand haben.

Wenn alle Stricke reißen, bleibt ihr als Sicherheit aber immerhin noch eines: Ihr Landtagsmandat in Bayern. Dafür bekommt sie auch als Parteilose 6416 Euro pro Monat plus 3009 Euro steuerfrei. Denn die Bayerische Verfassung sagt in Art 13: „Die Abgeordneten sind Vertreter des Volkes, nicht nur einer Partei. Sie sind nur ihrem Gewissen verantwortlich.“

Angela Böhm

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