Opel: Obamas Riese bremst Merkel aus

Der neue starke Mann bei General Motors vollführt eine Kehrtwende und sorgt für Entsetzen in Deutschland. Heute soll es Warnstreiks geben
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m März versprach die Kanzlerin Hilfe, mit „Big Ed“ (Bild) hat sie nicht gerechnet
AP m März versprach die Kanzlerin Hilfe, mit „Big Ed“ (Bild) hat sie nicht gerechnet

Der neue starke Mann bei General Motors vollführt eine Kehrtwende und sorgt für Entsetzen in Deutschland. Heute soll es Warnstreiks geben

Der Kampf um Opel ist aus – und endet mit einer Riesenüberraschung. Der neue Besitzer der Automarke ist der alte. General Motors will Opel behalten, es ist ein Schlag für die 25000 Beschäftigten und für die Bundesregierung. Gewerkschaften und Politiker reagierten entsetzt. An den Opel-Standorten rufen die Betriebsräte für heute zu Warnstreiks auf.

Die alte und die neue Regierung wollte Opel an den Autozulieferer Magna verkaufen, und hatte dafür 4,5 Milliarden an Bürgschaften in Aussicht gestellt. Als Gegenleistung sollte Magna und sein Partner, die russische Sberbank, Entlassungen in Deutschland gering halten. Der Deal ist geplatzt. Unter der alten Konzernmutter, so fürchten Betriebsräte, werde es Standortschließungen und Massenentlassungen geben. Mit dem Magna-Deal wollte die Politik das verhindern .

Entsprechend genervt reagierten die Regierenden. „Das Verhalten von General Motors ist völlig inakzeptabel“, gab der neue Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) den Ton vor. „Sehr betroffen und zugleich verärgert“, zeigte sich Hessens Regierungschef Roland Koch. „Die hässliche Fratze des Turbo-Kapitalismus“ sieht NRW-Premier Jürgen Rüttgers. Die CDU-Politiker haben bei sich die großen Standorte Rüsselsheim und Bochum. „Ich fürchte um die Arbeitsplätze“, sagt Koch jetzt. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel will noch einmal mit Barack Obama über die Angelegenheit reden. Durch die faktische Verstaatlichung von GM durch die Übernahme im Sommer ist der Präsident sozusagen oberster Dienstherr des Unternehmens.

Doch der Präsident hat die Macht delegiert. Er machte vor knapp vier Monaten den 68-jährigen Edward Whiteacre, genannt „Big Ed“ zum neuen Chef des Verwaltungsrats. Der Zwei-Meter-Hüne sagt von sich: „Ich habe keine Ahnung von Autos“, aber das hindert den ruppigen Ex-Telekom-Manager nicht, das Heft in die Hand zu nehmen. Die Kehrtwende ist die faktische Entmachtung des GM-Chefmanagers Fritz Henderson.

Dem einst größten Autokonzern der Welt geht es dank Staatshilfe und gestiegener US-Verkaufszahlen wieder recht gut. Die 1,5 Milliarden Überbrückungskredit, die GM im Mai vom deutschen Steuerzahler bekam, will das Unternehmen jetzt zurückzahlen.

Was aber nicht heißt, dass GM auf Steuergeld für die Sanierung von Opel verzichtet. Die EU hatte indirekt Staatshilfen abgesegnet, und die Bundesregierung hat mitgeteilt, auch anderen Bietern als Magna stünden die Kreditzusagen und Bürgschaften in Höhe von 4,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Experten halten es für ausgeschlossen, dass GM Opel alleine saniert (siehe Interview). Der Finanzbedarf wird auf sechs Milliarden Euro geschätzt.

Die Beschäftigten müssen sich auf harte Auseinandersetzungen gefasst machen. GM warnte, man erwarte von den Gewerkschaften „das gleiche Maß an Kooperation wie mit den anderen Bietern“ – ein Hinweis auf die offene Präferenz der Opel-Betriebsräte für Magna. Ansonsten drohe Opel die Insolvenz.

Was in Deutschland für Entsetzen sorgt, löst bei englischen Gewerkschaften Jubel aus. Der angestrebte Magna-Deal wurde an den anderen europäischen GM-Standorten als Rettungsplan für die deutschen Arbeitsplätze gesehen.

Matthias Maus

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