Martin Zeil: Er will lieber bluffen als rechnen und denken

Deshalb ist der Wirtschaftsminister in seiner Freizeit dem Watten verfallen, einem schnellen Kartenspiel
| Angela Böhm
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Freizeit-Zocker: Wirtschftsminister Martin Zeil beim Kartln
privat Freizeit-Zocker: Wirtschftsminister Martin Zeil beim Kartln

 

Deshalb ist der Wirtschaftsminister in seiner Freizeit dem Watten verfallen, einem schnellen Kartenspiel

MÜNCHEN „Trumpf oder Kritisch?“ Das ist für Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) die Frage aller Fragen. Auch wenn die gut zur schwarz-gelben Koalition passt. Am liebsten stellt er sie in seiner politikfreien Zeit, wenn er mit seinen alten Freunden aus dem Studium kartelt.

Dann geht’s nicht um Horst, Berlin und Söder. Sondern um Max, Belli und Spitz. Das sind die sogenannten Kritischen, die Trümpfe beim Watten. Das spielt der stellvertretende Ministerpräsident für sein Leben gern.

Die Leidenschaft dafür hat er schon in der Schule entwickelt. „Wenn eine Stunde ausgefallen ist, haben wir uns die Zeit mit Watten vertrieben“, erzählt Zeil. Am Nachmittag zog er das Karteln dem Hausaufgabenmachen vor. „Computer und Facebook gab’s ja damals noch nicht“, sinniert er. Dann kam die Studienzeit - und neue Freunde zum Watten.

Auch im Job ließ ihn das Zocken nicht los. Angestellt bei einer Münchner Bank musste er immer in aller Hergottsfrühe mit dem Intercity nach Frankfurt fahren. „Da hab’ ich dann mit meinen Kollegen gewattet“, so Zeil. In all den Jahren hat sich eine feste Watt-Runde zusammengefunden. „Ich spiele mit meiner Frau und alten Studienfreunden“, erzählt der Minister. Den richtigen Holztisch, wo die Karten flutschen, haben sie im Klosterstüberl von Andechs gefunden.

Auch Schafkopfen hat Zeil zwischendurch mal ausprobiert, aber keinen Gefallen dran gefunden. „Da muss man so viel rechnen und denken“, erklärt der Wirtschaftsminister. „Beim Watten kommt’s auf andere Fähigkeiten an.“ Die faszinieren ihn besonders. „Man muss bluffen und taktische Kniffe einsetzen“, grinst Zeil. „Das liegt mir und hilft mir auch in den Koalitionsverhandlung.“Dort trifft der Watter von der FDP dann auf Horst Seehofer, den Schachspieler von der CSU.

Überhaupt hat Zeil inzwischen viele Parallelen vom Watten zur Politik entdeckt: „Ersten lernt man, dass man auch mit einem anfänglich schlechten Blatt gewinnen kann. Zweitens muss man immer mit einem zusammenspielen. Und man weiß nicht, welche Karten der in der Hand hat.“ Nur mit Handzeichen und Zwinkern funktioniert die Verständigung, welche Trümpfe eingesetzt werden können. Siegen geht nur gemeinsam. Oder alleine. „Wenn man eine Maschine in der Hand hat“, gerät der Minister ins Träumen. Das sind alle drei Kritische auf einmal. Die müssen dann gleich auf den Tisch gelegt werden. Das bedeutet: gewonnen.

Das möchte Zeil natürlich auch mit seiner FDP und in der Freizeit beim Karteln. Bei Max, Belli und Spitz ist ihm das Glück nicht immer so hold. Vielleicht liegt’s aber auch an Taktik und Finesse. Da räumt er unumwunden ein: „Beim Watten ist meine Frau besser als ich.“

 

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