Linke Paarfindungen

Parteichefin Gesine Lötzsch tritt ab, um sich um ihren kranken Mann zu kümmern – und löst damit die Machtfrage bei den Linken aus. Welches Duo kann die Partei wieder aufleben lassen?
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Kehrt er zurück in die Bundespolitik? Oskar Lafontaine.
dpa/ dapd 3 Kehrt er zurück in die Bundespolitik? Oskar Lafontaine.
Und/oder sie: Lafontaine-Freundin Sarah Wagenknecht (links). Aber: Hat den Hut schon in den Ring geworfen: Dietmar Bartsch (rechts).
dpa/ dapd 3 Und/oder sie: Lafontaine-Freundin Sarah Wagenknecht (links). Aber: Hat den Hut schon in den Ring geworfen: Dietmar Bartsch (rechts).
Wird sich wohl nicht halten können: Klaus Ernst.
dpa/ dapd 3 Wird sich wohl nicht halten können: Klaus Ernst.

Berlin - Es war eine einsame nächtliche Entscheidung: Um 23.16 Uhr verschickte Gesine Lötzsch ihre Rundmail, dass sie als Parteichefin der Linken zurücktreten wird. Ihre Begründung, dass sie für ihren kranken Mann da sein will, wird als ehrenwert betrachtet – bei vielen Parteifreunden herrschte aber auch Erleichterung, dass sie den Weg frei macht für eine neue Führung. Das wird angesichts der Dreifachquote der Linken kompliziert genug. Aber die neue Aufstellung wird entscheidend sein für die Frage, welche Rolle die angeschlagene Linke künftig überhaupt noch spielt.

Am Morgen dann erläuterte Gesine Lötzsch ihren Schritt – in einem Drei-Minuten-Statement. Ihr 80 Jahre alter Mann Ronald, mit dem sie seit den 80er Jahren verheiratet ist, sei „altersbedingt erkrankt“, so die 50-Jährige. Seit dem 31. März liege er imKrankenhaus. Deswegen wolle und könne sie keine Termine mehr außerhalb Berlins wahrnehmen, also könne sie nicht Parteichefin bleiben. „Ich habe nicht vor, halbe Sachen zu machen“, sagte sie. „Es ist mir nicht leicht gefallen.“ In der Tat hatte die ehrgeizige Ost-Berlinerin schon im Herbst angekündigt, auf jeden Fall wieder zu kandidieren. Nicht zur Freude vieler Genossen: Unter Lötzsch – und ihrem Co-Chef Klaus Ernst – war die Partei nicht eben erfolgreich, mit ihren seltsamen Kommunismus- und Castro-Lobpreisungen hatte sie für Kopfschütteln gesorgt. Und sie hatte den Weg für Lafontaine verbaut, der sich dem Vernehmen nach geweigert hätte, an ihrer Seite die Partei zu führen.

Jetzt sind die Wege frei. Aber für was? In der Satzung der Linken ist vorgeschrieben, dass eine Frau und ein Mann an der Spitze stehen müssen. Als ungeschriebene Regel gilt außerdem, dass die beiden Chefs aus Ost und West kommen müssen und dass sie außerdem noch die beiden Flügel der Partei (Realos und Fundis) repräsentieren müssen.

Angenommen, Lafontaine (Mann, West, Fundi) wäre Chef. Dann müsste sein Gegenstück weiblich, ostdeutsch und Reformerin sein. Oder Dietmar Bartsch wird es, der bisher einzige erklärte Kandidat: Dann müsste er (Mann, Ost, Realo) mit einer linken Westfrau gepaart werden. Die Favoriten-Paare aber erfüllen die Dreifachquote nicht. Denkbar wäre natürlich das auch privat liierte linke Traumpaar Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht. Formeller Haken: Beide sind Fundis. Atmosphärischer Haken: Ein Liebespaar an der Spitze, da zucken einige Parteifreunde zurück. „Das wäre schwierig“, sagt Bartsch-Freund Bodo Ramelow. Wenn einer von beiden Chef wird, sei der andere ja ohnehin Co-Vorsitzender, heißt es. Wagenknecht sagt derzeit, sie sei an dem Posten nicht interessiert, sondern wirbt für ihren Lebensgefährten. Allerdings würde sie sich wohl rufen lassen.

Ramelow und weitere Realos favorisieren ein anderes Modell: Wagenknecht und Bartsch sollen die Partei führen. Formeller Haken: Beide sind Ossis. Denkbarer Ausweg: West-Mann Lafontaine wird Spitzenkandidat.

Noch-Chef Klaus Ernst werden wenig Chancen eingeräumt. Der Münchner Ex-Gewerkschafter führt die Partei nun bis zum Parteitag im Juni alleine – und will vor den Landtagswahlen im Mai erstmal gar nichts sagen. Auch da werden wichtige Weichen gestellt, etwa, ob nach dem Hype vor einigen Jahren überhaupt noch der Wiedereinzug in den Landtag geschafft wird. Denn mittlerweile graben die Piraten der Linken ziemlich viele Protestwähler ab.

 

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