Lindner - die letzte Hoffnung der FDP

Philipp Rösler tritt zurück, Christian Lindner wird der neue Chef der Liberalen. "Jetzt ist die Stunde Null"
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Philipp Rösler tritt zurück, Christian Lindner wird der neue Chef der Liberalen. "Jetzt ist die Stunde Null"

BERLIN Nach dem Wahlfiasko sucht die FDP den totalen Neuanfang – noch-Gesundheitsminister Daniel Bahr sprach von der „Stunde Null“. Die alten Köpfe rollen alle: Parteichef Philipp Rösler tritt zurück, Spitzenkandidat Rainer Brüderle ist seinen Posten als Fraktionschef sowieso los. Neuer Parteichef soll Christian Lindner (34) werden: Jetzt ruhen alle Hoffnungen der am Boden liegenden Partei auf ihm.

Bei den Sitzungen der Spitzengremien war schnell klar, dass aufgeräumt werden muss. Präsidium und Vorstand kündigten geschlossen ihren kompletten Rücktritt an. Man sei sich einig, dass die FDP eine tiefe, inhaltliche und personelle Zäsur brauche, sagte Rösler. „Wir wissen, dass wir bewusst abgewählt worden sind. Wir haben die Bürger enttäuscht.“ Eine Entscheidung über seine berufliche Zukunft habe er noch nicht getroffen, sagte der 40 Jahre alte gelernte Augenarzt. Jetzt werde er erstmal den arbeitslos werdenden Mitarbeitern bei der Jobsuche helfen. Das Scheitern der FDP kostet immerhin 600 Menschen die Stelle – so viel Beschäftigte haben die Abgeordneten und die Fraktion der FDP.

Schon vor den Sitzungen waren die Rufe nach einem Aus für Rösler und Brüderle und einen Neustart mit Christian Lindner sehr laut geworden. „Er kann die Partei jetzt aus der Lethargie reißen“, so Vorstandsmitglied Wolfgang Kubicki. Die beiden widersprachen nicht, im Gegenteil – Brüderle sagte, Lindner könne „sehr wohl diese schwierige Aufgabe meistern“.

Genscher hat Lindner schon geadelt

Und Lindner selbst griff diesmal zu. Er sei bereit, den FDP-Vorsitz zu übernehmen, erklärte er bei einem öffentlichen Auftritt in der Parteizentrale. „Es darf jetzt kein ,Weiter so’ geben.“ Er wolle die Partei runderneuern. Als Ziel gab er aus, die Partei bei den nächsten Bundestagswahlen 2017 wieder ins Parlament führen zu wollen. Parteichef ist der einzige wahrnehmbare Posten, den die FDP jetzt noch zu vergeben hat, und es ist klar, dass Lindner es wird. Offen ist nur noch, ob die FDP für seine Kür einen Sonderparteitag einberuft. 

Er hätte schon einmal die Chance gehabt: Als Guido Westerwelle gestürzt wurde, hätte Christian Lindner den FDP-Vorsitz haben können. Damals fühlte er sich mit 31 zu jung, er wurde Generalsekretär. Doch bald überwarf sich Christian Lindner mit Rösler.

Dann das Comeback in NRW: Er übernahm die Partei weit unter der Fünf-Prozent-Hürde, am Wahltag drei Monate später holte er 8,6 Prozent. Da hat er schon einmal gezeigt, dass er siegen kann. Auch, dass er persönlich mal mit seiner Firma pleite gemacht hat, sieht er eher als Qualitätsnachweis: Dass er nach einer Niederlage nicht liegen bleibt, sondern aufsteht und es neu versucht. Inhaltlich pflegt er das Image als „mitfühlender Liberaler“ (der als einer der ersten seiner Partei für einen Mindestlohn plädierte), rhetorisch ist er brillant. Auch der Altvordere Hans-Dietrich Genscher hat ihn mit einem gemeinsamen Buch geadelt: „Er kann das.“ Privat ist er seit 2011 mit der fünf Jahre älteren „Zeit“-Redakteurin Dagmar Rosenfeld verheiratet.

Auch der glücklose Generelsekretär Patrick Döring, der für den miserablen Wahlkampf verantwortlich gemacht wird, steht vor dem Aus. Als Nachfolger wird Wolfgang Kubicki gehandelt.

 

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