Kirchen ermahnen zu Solidarität in der Krise

Zuversicht und Hoffnung wollen die Bischöfe der beiden großen Kirchen in Deutschland an Weihnachten verbreiten. Sie fordern in Zeiten der Krise mehr Nächstenliebe und eine Besinnung auf nicht-materielle Werte.
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Zeit der Besinnung: Weihnachten
dpa Zeit der Besinnung: Weihnachten

Zuversicht und Hoffnung wollen die Bischöfe der beiden großen Kirchen in Deutschland an Weihnachten verbreiten. Sie fordern in Zeiten der Krise mehr Nächstenliebe und eine Besinnung auf nicht-materielle Werte.

Angesichts der Wirtschaftskrise haben die beiden großen Kirchen an Heiligabend zu Zuversicht und Hoffnung aufgerufen. Eine wachsende wirtschaftliche Unsicherheit führe an diesen Weihnachtstagen zu einer nachdenklichen Stimmung, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seiner Predigt im Berliner Dom. Viele Menschen sorgten sich um ihre Zukunft. Weihnachten - die Geschichte von der Geburt Jesus Christus in einer Krippe - stifte jedoch neue Hoffnung. Der katholische Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker mahnte mehr Solidarität und soziale Verantwortung an.

Huber sprach sich für eine Rückbesinnung auf nicht-materielle Werte wie Nächstenliebe und Solidarität aus. Die Zuversicht, die aus der Weihnachtsbotschaft entspringe, sei eine Quelle für uneigennützige Hilfe, besonders gegenüber Armen und Notleidenden, sagte der Repräsentant von rund 25 Millionen Protestanten in Deutschland. Ohne diese Hilfe wäre «unsere Gesellschaft wirklich arm dran».

Der Ratsvorsitzende warnte vor einem Konsum «um jeden Preis» und einer Vergötzung des Geldes. Der Boom an den Finanzmärkten sei nicht durch reale Werte gedeckt gewesen und habe sich als «Tanz um das goldene Kalb» erwiesen, sagte er im Deutschlandradio Kultur: »Dass wir diesen Tanz nun wirklich hinter uns lassen und Geld nicht länger vergötzen, das ist für mich eine ganz wichtige Lehre des zu Ende gehenden Jahres.«

Kritik an Spekulation

Der Paderborner Bischof Becker verurteilte die Spekulationen mit nicht gedeckten Immobiliendarlehen, die Auslöser der globalen Finanzkrise waren, als Betrug an gutgläubigen Menschen. Die Gier, die hinter diesen Machenschaften stecke, müsse man offen benennen, forderte er. Als Konsequenz sprach sich Becker für eine internationale Finanzaufsicht aus. »Eigentum verpflichtet und ist nicht nur zum Spekulieren geeignet«, sagte er dem »Westfalen-Blatt« (Mittwochsausgabe) in Bielefeld.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann rief zu »Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht« auf. Im Jahr 2009, das bereits zum Krisenjahr ausgerufen worden sei, drohten Arbeitsplatzabbau und ein Konjunktureinbruch, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in ihrer Predigt an Heiligabend in Hannover. Viele Menschen hätten Angst, aber sie könnten nicht nur mit Angst leben. In Krisenzeiten sei mehr Miteinander gefragt, appellierte Käßmann an Gemeinsinn und christliche Nächstenliebe. Auch im neuen Jahr müsse zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterschieden werden: »Fernsehen, Geld und Lottozahlen sind weniger wichtig als Glaube, Liebe, Hoffnung«, sagte Käßmann. Schnelle Renditen seien nicht so interessant wie ein Einstehen füreinander: »Ein Miteinander bringt mehr als Egomanie.« Der rheinische Präses Nikolaus Schneider bezeichnete die Geburt Jesus Christus als Neuanfang und Verheißung Gottes gegen alle Ängste und Wirtschaftsrisiken. Dass Jesus den Menschen Gott bringe sei ein »Schutzwall« gegen die Schrecken unsicherer Wirtschaftsaussichten oder die Ankündigung von Arbeitsplatzverlusten, sagte Schneider am Mittwoch in Düsseldorf. Die realen Gefahren könnten gläubige Menschen nicht »in Schockstarre versetzen«. Der oberste Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland sprach sich gegen Ausgrenzung und für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt aus. »Gefährdete Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft«, so Schneider. Der Präses der westfälischen evangelischen Kirche, Alfred Buß, beklagte besonders die Ausgrenzung von Kindern. Jedes Kind habe ein Recht auf Zukunft, schrieb er in einem Beitrag für das »Westfalen-Blatt« (Mittwochsausgabe). Trotzdem würden in Deutschland und weltweit Kinder von Bildung und Kultur sowie »sozialer Teilhabe« ausgeschlossen.

Gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

Der Aachener katholische Bischof, Heinrich Mussinghoff, rief die Gläubigen auf, sich stärker für Migranten und Flüchtlinge zu engagieren und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzutreten. »Sehen wir die Flüchtlinge und Asylanten heute mit einem barmherzigen Herzen und einer gütigen Hand«, sagte Mussinghoff in seiner Predigt am Heiligen Abend im Aachener Dom. Er kritisierte zudem die Genehmigung einer rechtsextremen Kundgebung in Aachen am 8. November durch das Bundesverfassungsgericht und fragte, was dies für jüdische Menschen bedeute, die den Holocaust miterlebt hätten. Für Heiligabend war in Aachen wieder eine rechtsextreme Demonstration angemeldet worden. Auf die »Einmaligkeit« der Weihnachtsgeschichte verwies der sächsische evangelische Landesbischof Jochen Bohl an Heiligabend in der Dresdner Kreuzkirche. Auch die Gegenwart werde von unwahrscheinlichen Geschichten bewegt, wie etwa die jahrelangen fabelhaften Schilderungen riesiger Gewinne in der Finanzwirtschaft, sagte er. Im Gegensatz zur Weihnachtsbotschaft erweise sich jedoch oft, dass sie keinen Bestand hätten. In Dresden hatten bereits am Dienstagabend rund 26.000 Besucher die traditionelle Weihnachtsvesper an der Frauenkirche gefeiert. (epd)

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