Kardinal Meisner verärgert Muslime

Kritiker werfen ihm Sarrazin-ähnliche Äußerunge vor, sogar die Bundesregierung schaltet sich in die Debatte ein
| AFP/dpa
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Kölns Kardinal hat christliche und muslimische Familien in Sachen Kinderreichtum mit den Christen verglichen - und sich damit den Zorn der Muslime zugezogen

Köln - Mit Äußerungen zum Kinderreichtum von Muslimen in Deutschland ist Kölns Kardinal Joachim Meisner auf empörten Widerspruch gestoßen. In einer Ansprache vor Mitgliedern einer katholischen Bewegung hatte Meisner laut Kölner Domradio gesagt: "Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien."

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wertete dies gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" als Versuch des scheidenden Kardinals, "sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern". Meisner bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, "die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen", sagte Mazyek.

Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union Ditib sagte dem Blatt: "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren – ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft." Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Beck, forderte eine Entschuldigung von Meisner. "Seine Äußerungen gefährden den öffentlichen Frieden", kritisierte Beck in Berlin. Das Christentum fordere "von uns Respekt vor allen Menschen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sprach gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" von der "persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht kommentiere, "auch wenn ich sie nicht verstehe". Meisner machte seine Aussagen laut Domradio, dem Sender des Erzbistums Köln, Ende Januar bei einer Veranstaltung des "Neokatechumenalen Wegs", einer geistlichen katholischen Bewegung.

Der Kardinal habe mit seinen Worten die Bereitschaft der Bewegung zur Gründung großer Familien als Glaubenszeugnis würdigen wollen, so die Interpretation des Bistumssenders.

Meisner selbst entschuldigte sich am Mittwoch für die Aussagen: "Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten“, versicherte er in einer Stellungnahme. „Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich.  Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben.“

 

 

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