Ilse Aigner: Ich mache drei Vollzeitjobs gleichzeitig

Ilse Aigner gab ihren Ministerposten in Berlin auf. Jetzt führt sie Bayerns Wirtschaftsministerium. Ein kräftezehrender Neuanfang
| Susanne Stephan
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Sie muss hohe Erwartungen erfüllen: Ilse Aigner.
dpa Sie muss hohe Erwartungen erfüllen: Ilse Aigner.

 

MÜNCHEN Sie ist eine der Hoffnungsträger der CSU in Bayern: Ilse Aigner, Ex-Bundesverbraucherministerin und neue Wirtschaftsministerin im Kabinett Seehofer. Die 48-Jährige ist gleichzeitig Seehofers Stellvertreterin, führt die Oberbayern-CSU und muss sich, will sie eine Option auf den Posten einer Ministerpräsidentin bei der nächsten Wahl sichern, gegenüber Finanzminister Markus Söder profilieren.

Zunächst einmal kommt es für sie aber knochenhart: Aigner muss ausgerechnet zum Auftakt ihres neuen Jobs in Berlin an den Koalitionsverhandlungen teilnehmen. Gleichzeitig sind die Erwartungen an sie in Bayern hoch: Aigners Vorgänger Martin Zeil (FDP) blieb in der öffentlichen Darstellung blass, umso energischer soll jetzt die neue Ministerin für die Firmen eintreten. Die Unternehmen wünschen sich vor allem niedrigere Strompreise – doch ausgerechnet bei diesem Thema kann Aigner nur indirekt, über Berlin, etwas bewirken. Spannend wird deswegen, wie sie den hohen Erwartungen, die an sie gestellt werden, gerecht werden kann.

AZ: Ein Wirtschaftsminister hat's manchmal schwer, seine Arbeit in der Öffentlichkeit zu verkaufen. Ihrem Vorgänger ist dies jedenfalls nicht immer optimal gelungen - vieles, was er tat, kam nicht oder unglücklich herüber. Was haben Sie in den zwei Wochen, in denen Sie bisher im Amt sind, unternommen, damit Ihnen nicht das Gleiche passiert?

ILSE AIGNER. Derzeit richte ich mein Augenmerk noch auf Berlin, auf die Koalitionsverhandlungen. Ich schaue mir mein neues Ministeriumein halbes Jahr an. und dann werden die Strukturen gegebenenfalls neu gelegt. Ich bin zum Beispiel noch in intensiven Gesprächen bezüglich meines Pressesprechers.

Angenommen, wir hätten den Herbst 2014, und die bayerischen Wähler könnten in einer Umfrage angeben, wen sie als nächsten Ministerpräsidenten in Bayern wollten - welche Zustimmungs-Zahlen für Sie wären realistisch?

Ich muss erst einmal mein Haus neu aufstellen. Mich interessiert es im Moment nicht, welche Benotung ich kriege. Ich halte diese Frage für zu weit gegriffen. Sie stellt sich mir überhaupt nicht.

In zwei, drei Jahren wird sie sich aber wohl schon stellen.

Ich habe andere, wichtigere Punkte als die Selbstbeweihräucherung. Zum Beispiel, dass mein Haus neu aufgestellt wird, dass wir die Koalitionsverhandlungen gut zu Ende bringen, dass die Energiewende in die richtige Schiene geht. Ich möchte gute Arbeit als Wirtschafts- und Energieministerin leisten. Daran werden mich die Wähler in fünf Jahren messen.

Wäre es trotzdem nicht wichtig, dass Ihrer Partei und den Wählern nahe gebracht wird, was Sie machen und wie Sie es machen?

Sicher, das ist mir sehr wichtig. Derzeit habe ich allerdings drei Vollzeitjobs gleichzeitig.. Das kriege ich hin, aber ich kann nicht hexen. Es gibt Prioritäten, die man nicht nach hinten schieben kann. Die erste Priorität sind im Moment die Koalitionsverhandlungen.

Die Firmen in Bayern haben bereits sehr konkrete Forderungen an Sie und wünschen sich auch, dass Sie schnell liefern. Unter anderem fordert Bertram Brossardt von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, dass die Erneuerbare-Energien-Umlage unter fünf Cent pro Kilowattstunde gedrückt wird. Wie wollen Sie das schaffen und bis wann?

Wirtschaftsverbände, -journalisten und Firmen wollen immer eine Messlatte anlegen: Erreicht/nicht erreicht, erfolgreich/nicht erfolgreich. Die Krux ist, ich kann in die bestehenden Verträge für die Einspeisung von Öko-Strom nicht eingreifen. Auf der anderen Seite muss ich die Kostenexplosion verhindern. Deswegen gehen wir jetzt in Verhandlungen über das EEG. Es wäre ein erster Erfolg, wenn die Umlage nicht weiter steigt.

Ein weiteres wichtiges bayerisches Thema ist der Fachkräftemangel.

Im Freistaat werden angeblich im Jahr 2030 um die 230 000 Fachkräfte fehlen. Was werden Sie tun, dass dies anders wird? Die Grundlage ist die Bildung, und da kann sich Bayern sehen lassen. Dann gibt es das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Da mischt der Staat mit. Wir bauen die Kinderbetreungsmöglichkeiten stark aus. Und dann haben wir natürlich das große Reservoir der Fachkräfte aus der Europäischen Union. Das ist ein Prozess, der auf den Weg gebracht wurde. Int.: sun

 

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