Horst, der Arme - Staatsekretäre bekommen mehr Gehalt

Seehofer ist der Chef im Kabinett – und verdient dort am wenigsten von allen. Sein Vize und sogar die Staatssekretäre bekommen deutlich mehr als der CSU-Chef. Die AZ erklärt die Gehaltstabelle.
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Bezüge der Bayerischen Staatsregierung
AZ Bezüge der Bayerischen Staatsregierung

Seehofer ist der Chef im Kabinett – und verdient dort am wenigsten von allen. Sein Vize und sogar die Staatssekretäre bekommen deutlich mehr als der CSU-Chef. Die AZ erklärt die Gehaltstabelle.

MÜNCHEN Eigentlich könnte einem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fast leid tun. An allen Fronten muss er kämpfen: Bei den Wählern ist er in Ungnade. Seine CSU kommt aus ihrem Tief nicht heraus. Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg sitzt ihm im Nacken – und die Opposition im Freistaat dazu. Regieren kann ganz schön hart sein, wenn man nur noch im Kreuzfeuer steht. Und für welchen Lohn? Da ist Seehofer in seinem Kabinett ganz schön arm dran. Er ist der Chef – und hat im Vergleich zu seinen Ministern und Staatssekretären am Monatsende am wenigsten in seiner Tasche.

Dieses Schicksal teilt er nur mit Finanzminister Georg Fahrenschon. Der hat derzeit mit der BayernLB und dem Haushalt am allermeisten am Hals und ist mit Seehofer Schlusslicht in der Gehaltstabelle des Kabinetts. Der Grund: Beide haben keinen Sitz im Landtag. Deshalb bekommen sie im Gegensatz zu allen anderen Regierungsmitgliedern keine Abgeordneten-Diäten hinzu – und die machen immerhin jährlich 67815 Euro aus.

Das Finanzministerium hat die Bezüge der Kabinettsmitglieder in einer Tabelle aufgelistet, mit allen Zuschlägen, Sonderzahlungen und Aufwandsentschädigungen. Allerdings wurden beim Familienzuschlag keine Kinder berücksichtigt. Für ein Kind gibt es 209,72 Euro monatlich. Für zwei Kinder 306,40 Euro. Für drei Kinder 606,08 und für vier Kinder 905,76 Euro.

Seehofer hat vier. Seine beiden erwachsenen Töchter und sein Sohn studieren. Das ergibt zusätzlich eine schöne Summe. Denn auch für seine außereheliche Tochter Anna-Felicia (3) bekommt der Ministerpräsident den Familienzuschlag. Damit belaufen sich seine Amtsbezüge auf jährlich 206 097,47 Euro.

Spitzenverdiener im Kabinett aber ist ausgerechnet Seehofers Vize und Koalitionspartner, Wirtschaftsminister Martin Zeil. Der FDP-Mann erhält pro Jahr ein Gesamtgehalt von 247674,83 Euro. Auch die übrige Ministerriege ist mit einem Supergehalt dabei. Söder, Haderthauer & Co. werden für ihren Dienst am Volke mit monatlich 19663,94 Euro entlohnt. Das sind pro Jahr 244674,83 Euro. Sogar die Staatssekretäre aus der zweiten Reihe, die die Minister vor allem bei Einweihungen und Eröffnungen vertreten, werden fürstlich entlohnt. Ihr Jahresgehalt beträgt auch noch satte 228652,67 Euro.

Nur Finanzminister Fahrenschon, der eigentlich die Gehälter auszahlt, muss sich mit dem geringsten zufrieden geben. Er bekommt ohne Kinderzulage „nur“ 176859,83 Euro. Verständlich, dass er und Seehofer alles tun, um auch ein Mandat im Landtag zu erhalten. Wenn Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider im nächsten Jahr zum Präsidenten der Münchner Medienanstalt BLM und damit zum Nachfolger von Wolf Dieter Ring gewählt werden würde, gäbe das für Fahrenschon eine satte Gehaltsaufbesserung. Im Landtag wäre er der Nachfolger von Schneider und bekäme mit den Abgeordnetenbezügen eine Gehaltserhöhung von 67815 Euro pro Jahr.

Dann wäre Seehofer der einzige „Geringverdiener“ in seinem Kabinett. Weil er vom Bundestag in die bayerische Staatskanzlei wechselte, kann er erst bei der Landtagswahl 2013 einen Abgeordnetensitz im Maximilianeum erobern. Dazu braucht er, wenn er die CSU tatsächlich noch in den Wahlkampf führt, einen eigenen Stimmkreis. Da wäre der von Schneider in Eichstätt gerade recht. Angela Böhm

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